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Freitag, 23. Mai 2014

RICKY BOBBY – KÖNIG DER RENNFAHRER (2006)

Originaltitel: Talladega Nights – The Ballad of Ricky Bobby
Regie: Adam McKay, Drehbuch: Will Ferrell und Adam McKay, Musik: Alex Wurman
Darsteller: Will Ferrell, John C. Reilly, Sacha Baron Cohen, Leslie Bibb, Gary Cole, Michael Clarke Duncan, Jane Lynch, Amy Adams, Molly Shannon, Greg Germann, Andy Richter, David Koechner, Ian Roberts, Jack McBrayer, Pat Hingle, Rob Riggle, Dale Earnhardt Jr., Jamie McMurray, Elvis Costello, Mos Def, Adam McKay
 Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby
(2006) on IMDb Rotten Tomatoes: 72% (6,5); weltweites Einspielergebnis: $163,0 Mio.
FSK: 12, Dauer: 108 Minuten.

Der Rennfahrer Ricky Bobby (Will Ferrell) dominiert die amerikanische NASCAR-Serie und hat alles, wovon er träumt: Eine attraktive Ehefrau namens Carley (Leslie Bibb, "Midnight Meat Train"), zwei Kinder und seinen besten Freund Cal (John C. Reilly, "Gangs of New York"), der ebenfalls Rennfahrer ist und ihm auf der Strecke potentielle Gegner selbstlos vom Leib hält. Und vor allem hat er: haufenweise Geld! Aber dann taucht der homosexuelle französische Formel 1-Fahrer Jean Girard (Sacha Baron Cohen, "Borat", "Hugo Cabret") in der Rennserie auf und besiegt Ricky prompt. Von da an geht es für diesen sportlich und privat rapide bergab, doch Ricky kämpft unter Mithilfe seines Vaters (Gary Cole, "One Hour Photo") und seiner liebreizenden Assistentin Susan (Amy Adams, "American Hustle") zäh darum, zurück an die Spitze zu kommen …

Kritik:
Die Sportkomödie ist in den USA seit langem ein beliebtes Genre, das über die Jahre hinweg zahlreiche Vertreter hervorgebracht hat. Einige sind moderne Klassiker (etwa die rauhbeinige Eishockey-Komödie "Schlappschuß" mit Paul Newman oder die durchgeknallte Golf-Farce "Caddyshack" mit Chevy Chase und Bill Murray), andere eher nicht (Adam Sandlers Football-Debakel "Waterboy", die Wrestler-Komödie "Nacho Libre" mit Jack Black, der Tischtennis-Flop "Balls of Fire"), einige bieten zumindest solide Unterhaltung (der Völkerball-Überraschungshit "Voll auf die Nüsse", die Tennis-RomCom "Wimbledon", das Bob-Märchen "Cool Runnings" oder die Football-Loserballade "Helden aus der zweiten Reihe"). "Ricky Bobby" kam bei den amerikanischen Kritikern recht gut an und war auch kommerziell ziemlich erfolgreich – für mich fällt er trotz einiger guter Gags und einer überraschend hochkarätigen Besetzung eher in die "Flop"-Kategorie.

Komiker Will Ferrell, der in den USA ein Superstar ist, in Europa hingegen nur selten viele Zuschauer in die Kinos lockt, scheint sich im Genre der Sportkomödie ziemlich wohl zu fühlen. Vor "Ricky Bobby" hatte er bereits "Fußballfieber" gedreht (der aber eher eine romantische Komödie vor sportlichem Hintergrund war), in den Jahren darauf ließ er noch "Die Eisprinzen" und den Basketball-Spaß "Semi-Pro" folgen. Was all diese Filme außer dem Genre gemein haben? In den USA waren sie wesentlich erfolgreicher als im Rest der Welt. "Semi-Pro" und "Die Eisprinzen" haben über drei Viertel ihres globalen Einspielergebnisses in den Vereinigten Staaten eingesammelt, "Fußballfieber" und "Ricky Bobby" sogar mehr als 90%! Will Ferrell scheint machen zu können, was er will, mit seiner polarisierend klamaukigen, körperbetonten Form der Comedy kommt er außerhalb seiner Heimat nicht wirklich gut an, nicht einmal bei einem Kultfilm wie "Anchorman" oder einem eher europäischen Stoff wie der Tragikomödie "Schräger als Fiktion". Bei "Ricky Bobby" ist es natürlich auch noch so, daß die NASCAR-Rennserie eine sehr amerikanische Angelegenheit ist, weshalb diverse Rennfahrer-Cameos für das globale, eher an der Formel 1 interessierte Publikum ziemlich verschwendet sind. Immerhin die – gerade für eine Komödie – sehr solide inszenierten Rennszenen sollten allerdings das Wohlwollen aller finden, die ein zumindest rudimentäres Interesse an Motorsport haben.

"Ricky Bobby" ist von dem Comedy-Spezialisten Adam McKay ("Anchorman", "Stiefbrüder") sehr offensichtlich als eine reine Klamauk-Komödie angelegt, die – bis auf ein paar gelungene Seitenhiebe auf den Sportbetrieb an sich und das ganze übertriebene Drumherum inklusive der Sportberichterstattung – keinerlei Tiefgang bieten, sondern einfach nur mit Gags am Fließband amüsieren will. Die Gagdichte ist denn auch ziemlich hoch geraten, die Treffsicherheit der Witze kann da allerdings bei weitem nicht mithalten. Für einen solchen Klamauk ist es deshalb einfach zu wenig, was geboten wird, um die allen parodistischen Elementen zum Trotz ziemlich haarsträubende Ausgangssituation noch zu einer wirklich gelungenen Komödie auszubauen. Gerade der auf das rasante Finale hinleitende Mittelteil ist mit seiner Klischeelastigkeit und dem auf Dauer enervierenden Hang zur maßlosen Übertreibung sogar erschreckend langweilig geraten. Daß "Ricky Bobby" dennoch phasenweise ordentlich unterhält, liegt neben einigen gelungenen Witzen (Rickys Söhne heißen beispielsweise "Walker" und "Texas Ranger" …) vor allem an Sacha Baron Cohen, der seine Rolle als schwuler Franzose mit großem Vergnügen und genußvollem Overacting ausfüllt und damit den beständig grimassierenden eigentlichen Hauptdarsteller Ferrell locker an die Wand spielt. Daß dessen Rolle als Großkotz Ricky Bobby nicht allzu viele Sympathien weckt (trotz unvermeidlicher Läuterung im Handlungsverlauf), ist auch nicht eben hilfreich.

Fazit: "Ricky Bobby – König der Rennfahrer" ist eine harmlose, etwas zu kindisch und zugleich zu wenig amüsant geratene Klamauk-Komödie mit wenigen Höhen und jeder Menge Leerlauf. Für einen launigen und alkoholgetränkten Männerabend aber durchaus eine Überlegung wert – zumindest wenn man mit Will Ferrells Art der Comedy irgendetwas anfangen kann.

Wertung: 5 Punkte.


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