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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 27. September 2016

DIE UNFASSBAREN 2 (2016)

Originaltitel: Now You See Me 2
Regie: Jon M. Chu, Drehbuch: Ed Solomon, Musik: Brian Tyler
Darsteller: Mark Ruffalo, Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Lizzy Caplan, Dave Franco, Jay Chou, Daniel Radcliffe, Morgan Freeman, Sanaa Lathan, Tsai Chin, David Warshofsky, Michael Caine, Richard Laing, Henry Lloyd-Hughes, Ben Lamb
 Die Unfassbaren 2
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 33% (5,0); weltweites Einspielergebnis: $334,9 Mio.
FSK: 12, Dauer: 130 Minuten.

Ein Jahr, nachdem das als "Die vier Reiter" bezeichnete Showmagier-Quartett seinen großen Coup durchgeführt hat, der mit der Bestrafung des skrupellosen Milliardärs Arthur Tressler (Sir Michael Caine, "Kingsman: The Secret Service") und der Verhaftung des überheblichen früheren Magiers Thaddeus Bradley (Morgan Freeman, "Oblivion") endete, hält es sich noch immer im Verborgenen – auf Anweisung seines heimlichen Anführers, des FBI-Agenten Dylan Rhodes (Mark Ruffalo, "Spotlight"). Doch schließlich planen sie ihr großes Comeback: Daniel (Jesse Eisenberg, "The Social Network"), Merritt (Woody Harrelson, "7 Psychos"), Jack (Dave Franco, "21 Jump Street") und der Neuzugang Lula (Lizzy Caplan aus der TV-Serie "Masters of Sex" ersetzt Isla Fisher, die während der Dreharbeiten schwanger war) wollen bei einer weltweit beachteten Präsentation (á la Apple) einen schnöseligen Unternehmenschef bloßstellen, der mit seinem neuen Technik-Produkt alle Daten seiner Kunden abschöpfen und illegal verkaufen möchte. Doch der Coup geht schief und Rhodes wird als Anführer der "Reiter" enthüllt, die ihrerseits unverhofft in dem chinesischen Glücksspielmekka Macau landen. Hinter der Sache stecken Merritts mißratener Zwillingsbruder Chase und das totgeglaubte Technik-Genie Walter Mabry (Daniel Radcliffe, "Die Frau in Schwarz"), die das Quartett zwingen, einen Chip-Prototyp zu stehlen, mit dem man Zugriff auf jeden Computer weltweit erhält …

Kritik:
Einer der ganz großen Überaschungserfolge des Kinosommers 2013 war "Die Unfaßbaren", ein ungewöhnlicher Mix aus Komödie, Thriller und Heistfilm. Zwar ist dieser Film nicht nur nach Meinung der Kritiker ein geradezu idealtypischer Vertretung der Gattung "Form vor Inhalt", aber dabei und trotz etlicher Klischees und Logikfehler eben auch sehr unterhaltsam anzuschauen. Das führte bei einem Budget von $75 Mio. zu einem weltweiten Einspielergebnis von gut $350 Mio. und damit unausweichlich zu einer Fortsetzung. Die Produzenten entschieden sich hierbei abgesehen vom Wechsel des Regisseurs von Louis Leterrier zu Jon M. Chu ("G.I. Joe – Die Abrechnung") für eine weitestgehend risikoarme Vorgehensweise, sprich: mehr vom Gleichen, wenn auch mit einem gewissen Steigerungsversuch. Im Großen und Ganzen funktionierte das: Zwar ging das US-Einspielergebnis in besorgniserregendem Ausmaß zurück, im Rest der Welt wuchsen die Zuschauerzahlen jedoch, womit am Ende ein fast identisches Ergebnis steht. Das ist auch inhaltlich durchaus gerechtfertigt, wenngleich der Vorgänger insgesamt doch etwas mehr überzeugen konnte.

Im ersten Akt ist "Die Unfaßbaren 2" dem ersten Teil sogar noch komplett ebenbürtig, indem er die Zuschauer auf eine unterhaltsame, rasante und wendungsreiche Achterbahnfahrt mitnimmt. Natürlich ist nun keine großartige Vorstellung der Protagonisten mehr nötig, abgesehen von Neuzugang Lula, die dieses Mal für die weibliche Note im Team sorgt. Im in Macau spielenden Mittelteil hängt die Handlung dafür etwas durch, was auch eine Folge der Aufblähung von den schlanken eineinhalb Stunden des Vorgängers auf nun etwas mehr als zwei Stunden ist. Der Showdown in London nimmt dann wieder deutlich Fahrt auf, erreicht aber dennoch nicht den Unterhaltungsgrad des Filmbeginns. Dafür ist das große Finale allzu dramatisch aufgebaut und leidet in der Folge vor allem daran, daß das Publikum genau weiß, daß die Reiter sowieso noch ein Ass im Ärmel haben werden. So gesehen ist das einzige Risiko, das "Die Unfaßbaren 2" doch eingeht, letztlich negativ zu bewerten, denn der Versuch, nach dem olympischen Motto "Schneller, höher, stärker" die Erfolgsfaktoren des Vorgängers nicht nur beizubehalten, sondern noch eine kleine Schippe draufzulegen, geht klar zu Lasten der (schon im ersten Teil ohnehin nicht allzu stark ausgeprägten) Glaubwürdigkeit.

Die Schuld von Daniel Radcliffe ist das keinesfalls, er spielt die Bösewicht-Rolle überzeugend, man merkt ihm regelrecht an, wieviel Freude es ihm bereitet, einmal einen richtigen arroganten Fiesling verkörpern zu dürfen. Umso bedauerlicher ist es, daß das Drehbuch ihm gar nicht allzu viele Szenen gönnt (er tritt ja auch erst im Mittelteil ins Geschehen). Darüber kann sich der zweite prominente Neuzugang der Films, die neue "Reiterin" Lula, nicht wirklich beschweren: Während Dylan, Daniel, Merritt und Jack mehr oder weniger einfach das fortsetzen, was sie im ersten Teil begannen, darf Lula öfter glänzen. Lizzy Caplan (in der deutschen Synchronfassung leider nicht mit der gewohnten "Masters of Sex"-Stimme, aber man gewöhnt sich recht schnell an die Umstellung) bringt die Frechheit und Schlagfertigkeit der ständig amüsant plappernden Lula ebenso gekonnt zur Geltung wie ihre vorgetäuschte Schusseligkeit, die dazu führt, daß ihr Umfeld sie zuverlässig unterschätzt – obwohl ich im ersten Film Henley und ihre Darstellerin Isla Fisher wirklich mochte, sind Lula und Lizzy Caplan eindeutig ein mehr als würdiger Ersatz.

Während es also stilistisch viele Parallelen zum Vorgänger gibt, hat sich auch inhaltlich nicht viel geändert; was jedoch nicht unbedingt ein Kompliment ist. Die Handlung bleibt ebenso austauschbar wie phasenweise unlogisch, nur fällt das durch die längere Laufzeit stärker auf. Immerhin ist durch den Rückgriff auf die Legende des spurlos verschwundenen Showmagiers Lionel Shrike (der, wie wir am Ende des ersten Teils erfahren haben, Dylans Vater war) für Kontinuität gesorgt, die aber nicht gleichbedeutend mit Spannung ist – wie man besonders anhand des eigentlich komplett überflüssigen Prologs erkennen kann, in dem letztlich nur das gezeigt wird, was im Vorgänger bereits als Geschichte vorgetragen wurde. Und die Zaubertricks der vier Reiter? Nun, die sind zwar noch spektakulärer geworden, ergeben aber teilweise noch weniger Sinn und sind zudem mitunter etwas zu sehr in die Länge gezogen (speziell im dritten Akt in London). Dennoch bleiben sie das Kernstück des Films und sorgen in der Tat wiederum fast durchgehend für solide, wenn auch sehr oberflächliche Unterhaltung. Ein dritter Teil der Reihe wurde übrigens bereits lange vor dem Start von "Die Unfaßbaren 2" angekündigt und soll wohl auch trotz dessen enttäuschenden US-Ergebnisses realisiert werden – dann wieder mit Isla Fisher (zusätzlich zu Lizzy Caplan) und erneut mit Jon M. Chu als Regisseur

Fazit: "Die Unfaßbaren 2" ist ein konsequentes, solides Sequel zum trickreichen Showmagier-Vorgänger, das sich jedoch beim Versuch, in Sachen Dramatik eine gute Schippe draufzulegen, etwas verhebt.

Wertung: 6,5 Punkte.


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