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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 29. Juli 2015

Neues aus Hollywood (30/2015)

Aus gesundheitlichen Gründen gibt es meinen Rückblick auf die interessantesten Film-News der letzten Woche diesmal etwas verspätet:

  • Der Nachname "Anderson" scheint in der Filmbranche so etwas zu sein wie im deutschen Fußball "Müller": Es gibt unzählige, und erstaunlich viele davon haben richtig etwas drauf. Den meisten Filmfans dürften vor allem drei Andersons bekannt sein: Paul Thomas Anderson, der Mann für anspruchsvolle, komplexe und häufig bei den OSCARs bedachte Werke wie "There Will Be Blood", "Magnolia" oder "Inherent Vice"; Wes Anderson, der mit Meisterwerken des skurrilen Humors wie "Moonrise Kingdom", "Grand Budapest Hotel" oder "Die Tiefseetaucher" gleichfalls in den Arthouse-Kinos regiert; und Paul W.S. Anderson, den Mann für das Grobe, der für seine inhaltlich anspruchslosen, aber optisch opulenten Actionfilme von "Event Horizon" über "Die drei Musketiere" und "Pompeii" bis hin zur "Resident Evil"-Reihe regelmäßig von den Kritikern abgestraft wird, aber dennoch ein ziemlich treues Stammpublikum hat, das solide gemachte B-Movies sehr zu schätzen weiß. Neben diesem ungleichen Dreigestirn geht Brad Anderson etwas unter, was durchaus ungerecht ist. Zwar hat der Amerikaner noch keinen echten Kinohit vorzuweisen, dennoch kann sich seine Filmographie absolut sehen lassen. Beispielsweise hat er mit seinem düsteren Psycho-Thriller "Der Maschinist" 2004 dem späteren Batman-Darsteller Christian Bale mit dessen Rolle eines unter extremer Schlaflosigkeit leidenden und deshalb extrem abgemagerten Maschinisten einen entscheidenden Karriereschub als ernstzunehmender Schauspieler verabreicht. Mit "Transsiberian" mit Woody Harrelson, Emily Mortimer und Sir Ben Kingsley brachte Anderson 2008 einen klassischen Hitchcock-Thriller in die Kinos, 2013 folgte mit "The Call" mit Halle Berry ein weiterer Thriller und letztes Jahr erschien die in Deutschland nur auf DVD und Blu-ray veröffentlichte Edgar Allen Poe-Adaption "Stoneheart Asylum" mit Kate Beckinsale. Zugegeben, das sind alles keine Meisterwerke, aber jeder Film ist für sich genommen absolut sehenswert und bietet grundsolide Genre-Unterhaltung. Vergleichbares läßt sich auch über Brad Andersons viele Auftritte als Regisseur einzelner Episoden von TV-Serien wie "Boardwalk Empire", "Fringe", "The Killing" oder "Forever" sagen. Und genau deshalb bin ich auch gespannt auf Andersons nächsten Spielfilm "High Wire Act". In dem Polit-Thriller in der Tradition von John le Carré ("Dame, König, As, Spion", "A Most Wanted Man") wird "Mad Men"-Star Jon Hamm den ehemaligen US-Diplomaten Mason Skiles spielen, der im Beirut der 1980er Jahre einen früheren Kollegen vor einer finsteren Gruppierung retten muß, die möglicherweise bereits seine eigene Familie auf dem Gewissen hat. OSCAR-Nominee Rosamund Pike ("Gone Girl") wird zudem eine CIA-Undercover-Agentin verkörpern, die auf Skiles aufpassen soll. Was mich neben Brad Anderson und den beiden Hauptdarstellern ebenfalls auf einen guten Film hoffen läßt: Das Drehbuch hat Tony Gilroy verfaßt, dessen bislang beste Skripts fast ausnahmslos aus dem Genre der Spionage- oder Verschwörungs-Thriller stammen: "Michael Clayton" (auch Regie) sowie die "Jason Bourne"-Trilogie. Wann "High Wire Act" gedreht werden soll, ist noch nicht bekannt, entsprechend läßt sich auch über den Kinostart nur spekulieren. Mein Tip: Herbst 2016.

  • Auch mit 77 Jahren bleibt der Brite Sir Ridley Scott einer der meistbeschäftigten Männer in Hollywood. Die IMDB zählt aktuell unfaßbare 40 (!) in Planung befindliche Projekte. Natürlich werden einige davon nicht oder komplett ohne seine Mitwirkung zustandekommen, bei vielen wird er auch "nur" als Produzent beteiligt sein (wie bei der "Blade Runner"-Fortsetzung); doch auch die Anzahl der Filme, bei denen er Regie führen könnte, ist ebenso umfangreich wie hochkarätig. Zunächst einmal steht ja im Herbst der Science Fiction-Thriller "Der Marsianer" mit Matt Damon an, der bei uns am 8. Oktober in die Kinos kommt und bereits als heißer OSCAR-Anwärter gilt. Wie es dann für Scott weitergeht, dürfte sich bald entscheiden. Eine Option ist weiterhin die Fortsetzung seines "Alien"-Prequels "Prometheus", aber auch ein Biopic über die rund um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu Berühmtheit gelangte Forschungsreisende und Geheimagentin Gertrude Bell und der Drogen-Thriller "Narco Sub" kommen in Frage. Auch der neueste Kandidat hat mit Drogen zu tun, er nennt sich "The Cartel". Dabei handelt es sich um einen Roman des erfolgreichen US-Krimi-Autors Don Winslow, der in Deutschland am 1. Juni diesen Jahres als "Das Kartell" erschien und pikanterweise vom Leben des mexikanischen Gangsterbosses "El Chapo" inspiriert ist. Jawohl, jenes "El Chapo", der vor wenigen Wochen spektakulär bereits zum zweiten Mal aus dem Gefängnis ausgebrochen und bis heute flüchtig ist. Ridley Scott soll also die Story des DEA-Agenten Art Keller verfilmen, der im Jahr 2004 Jagd auf den mächtigsten Drogenbaron Lateinamerikas macht und ihn schließlich hinter Gitter bringt, ehe der Bösewicht eben wieder ausbricht. Das Drehbuch hat Shane Salerno (der bereits Oliver Stones Don Winslow-Adaption "Savages" verfaßte und dabei einen guten Job machte) geschrieben, für die Hauptrolle des DEA-Agenten ist kein Geringerer als Leonardo DiCaprio ("Zeiten des Aufruhrs") im Gespräch. Auch bei "The Cartel" ist noch kein Zeitplan absehbar; im Idealfall könnte der Film bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 in die Kinos kommen, aber auch irgendwann 2017 ist möglich. Oder Scott entscheidet sich doch für etwas ganz anderes ...

  • Abschließend will ich noch kurz ein weiteres Projekt erwähnen, das sich ebenfalls noch in einem frühen Stadium befindet, aber sehr amüsant klingt: Hauptdarsteller der seit langem geplanten "Baywatch"-Adaption soll Actionstar Dwayne "The Rock" Johnson ("San Andreas") werden! In den vergangenen Jahren gab das Studio Paramount bereits mehrere Drehbuch-Entwürfe in Auftrag, zuletzt war von einer sehr comedylastigen Variante die Rede, in der auch die beiden Serien-Hauptdarsteller David Hasselhoff und Pamela Anderson mitspielen sollten. Ob das immer noch der Fall ist, weiß man nicht, Johnsons Mitwirkung und seine Twitter-Beschreibung des geplanten Films ("funny as all hell") läßt aber zumindest vermuten, daß man die Comedy-Ausrichtung beibehalten will. Und, ganz ehrlich, ich kann mir mit dem Charmebolzen Johnson als Protagonist etwas in der Richtung von "21 Jump Street" erstaunlicherweise richtig gut vorstellen! Zumal auch der Regisseur Seth Gordon ("Kill the Boss") nicht der schlechteste ist. Der aktuellste Drehbuch-Entwurf stammt übrigens von Damian Shannon und Mark Swift, von denen bisher zwei Manuskripte verfilmt wurden: die Horrorfilme "Freddy vs. Jason" und "Freitag, der 13." (Marcus Nispels Remake von 2009); na, das paßt doch wunderbar in die Verrücktheit dieses Projektes ...

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