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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 27. August 2014

KINOVORSCHAU HERBST 2014 (Teil 2)

Letztes Update vom 29. November: Das Musical "Annie" mit Jamie Foxx und Cameron Diaz wurde vom 25. Dezember auf den 15. Januar verschoben.

Nachdem ich in Teil 1 meiner Vorschau auf den Kinoherbst 2014 die Monate September und Oktober abgehandelt habe, sind nun November und Dezember an der Reihe. Anders formuliert: Weihnachten steht vor der Tür, und für die eifrigen Kinogänger bringt der Weihnachtsmann stets viele aufwendige Event-Filme, aber ebenso herzige Familien-Komödien sowie anspruchsvolle Dramen mit Ambitionen in der "Awards Season" mit …

6. November:
Wenn Regiestar Christopher Nolan ("The Dark Knight", "Inception") einen Science Fiction-Film dreht (dessen Drehbuch er mit seinem Bruder Jonathan selbst geschrieben hat), darf man gespannt sein. Na gut, das darf man eigentlich bei jedem neuen Nolan-Werk, doch da "echte" Science Fiction-Filme guter Qualität in den letzten Jahren doch ziemlich rar waren, ist die Erwartungshaltung wohl noch etwas höher. Daß man über die Handlung nicht viel mehr weiß, als daß sie mit einer Raummission und einem Wurmloch zu tun hat, schadet da auch nicht weiter. Die Besetzung ist jedenfalls – wie immer bei Nolan – sehr namhaft: An der Spitze steht der frischgebackene OSCAR-Gewinner Matthew McConaughey ("Dallas Buyers Club"), dazu gesellen sich Anne Hathaway ("Les Misérables"), Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"), Sir Michael Caine ("Harry Brown"), Casey Affleck ("Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford"), Topher Grace ("Predators"), Wes Bentley ("Die Tribute von Panem – The Hunger Games"), David Oyelowo, John Lithgow (beide "Planet der Affen: Prevolution") und Ellen Burstyn ("The Fountain").

In dem ambitionierten Historien-Drama erzählt der italienische Regisseur und Drehbuch-Autor Giulio Ricciarelli vom Kampf eines jungen, idealistischen Staatsanwalts (Alexander Fehling, "Goethe!"), der verhindern will, daß die Nazi-Verbrechen im Deutschland Ende der 1950er Jahre bereits wieder in Vergessenheit geraten. Während er – der von seinen Eltern oder in der Schule selbst fast nichts über die Nazi-Zeit erfahren hat – versucht, frühere KZ-Wärter vor Gericht zu bringen, stößt er auf erhebliche Widerstände von allen Seiten.

Zugegeben, ich bin kein großer Experte in Sachen Malerei – die buchstäblich bildschönen Landschafts-Gemälde des Briten William Turner, der Mitte des 19. Jahrhunderts starb, haben mich aber schon immer begeistert. Daß das nicht nur mir so geht, zeigt die Tatsache, daß der britische Regieveteran Mike Leigh ("Happy-Go-Lucky", "Vera Drake") einen Film über den exzentrischen, aber genialen Künstler gedreht hat, der beim Filmfestival in Cannes gefeiert und u.a. mit dem Darsteller-Preis ausgezeichnet wurde. Wenn man auch nur den Trailer gesehen hat, verwundert einen das nicht, denn der sonstige Edel-Nebendarsteller Timothy Spall ("Harry Potter"-Reihe, "Sweeney Todd") verkörpert Turner mit einer so leidenschaftlichen Wucht, daß es eine wahre Freude ist. Was "Mr. Turner" aber erst zu einem wahren Kunstwerk macht, ist die brillante Art und Weise, in der Leigh und seine Filmcrew – allen voran Kameramann Dick Pope ("The Illusionist") – Turners charakteristischen, lichtdurchfluteten Malstil auf die Leinwand übertragen haben. Hier kann man wirklich sagen: Einige der Einstellungen, vor allem in der Natur, sind so wunderschön, daß sie selbst Gemälde sein könnten. Beim Arthouse-Publikum sollte "Mr. Turner" auch in Deutschland viele Freunde finden.

"Plötzlich Gigolo":
Regielegende Woody Allen ("Midnight in Paris") gibt in Interviews oft zu Protokoll, daß er gerne viel öfter als Schauspieler auftreten würde – wenn man ihn nur fragen würde! John Turturro, selbst ein renommierter Darsteller ("Miller's Crossing", "The Big Lebowski"), der gelegentlich auch Regie führt ("Romance & Cigarettes"), hat offenbar eines dieser Interviews gelesen und Allen prompt die zweite Hauptrolle in seiner Tragikomödie "Plötzlich Gigolo" gegeben (die erste spielt er selbst). Es geht um zwei verarmte Buchladen-Besitzer, die auf die glorreiche Idee kommen, in die Welt der Prostitution abzutauchen, um ihr Geschäft vor dem Ruin zu retten – wobei Turturro den titelgebenden Gigolo gibt, während Allen als sein Zuhälter fungiert. Zu den weiblichen Kunden zählen Sharon Stone ("Basic Instinct"), Sofia Vergara ("Machete Kills") und Vanessa Paradis ("Der Auftragslover").

"Das grenzt an Liebe":
Einst war Rob Reiner einer der gefragtesten Regisseure in Hollywood. Kein Wunder, wenn man moderne Klassiker wie "Stand by Me", "Die Braut des Prinzen", "Misery", "Harry & Sally" oder "Eine Frage der Ehre" im Lebenslauf stehen hat. Bereits in den 1990er Jahren nahm die Qualität seiner Filme jedoch deutlich ab, nach der Jahrtausendwende beschleunigte sich dieser Trend noch (auch wenn "Das Beste kommt zum Schluß" mit Jack Nicholson zumindest ein Publikumserfolg war). "Das grenzt an Liebe" macht da leider keine Ausnahme, wenn man den US-Kritikern glauben darf, die die romantische Komödie für reifere Semester heftig verrissen haben. Selbst Michael Douglas ("Wall Street") und Diane Keaton ("Der Stadtneurotiker") in den Hauptrollen können offensichtlich nichts daran ändern, daß die Story eines egozentrischen Immobilienmaklers, der unverhofft erfährt, daß er nicht nur einen Sohn hat, sondern sogar schon Großvater einer Enkelin ist, um die er sich mit Unterstützung seiner Nachbarin (Keaton) kümmern soll, extrem mittelmäßig und vorhersehbar ausgefallen ist.

"Quatsch":
Ein deutscher Familienfilm über ein Dorf, das dermaßen durchschnittlich ist, daß es von der GfK intensiv zu Marktforschungszwecken genutzt wird. Den Kindern im Dorf stinkt es aber, daß sie ständig irgendwelche neuen Produkte testen sollen, weshalb sie mit allen Mitteln ihr Dorf aus der Mittelmäßigkeit hieven wollen. Regie führte Veit Helmer ("Tuvalu"), in Erwachsenen-Rollen sind Benno Fürmann ("Nordwand") und Fritzi Haberlandt ("Fenster zum Sommer") zu sehen.

"In the Name of the Son":
Diese belgische Tragikomödie von Regisseur Vincent Lannoo ("Vampires") war bereits 2013 im Rahmen des Fantasy Filmfests in einigen deutschen Kinos zu sehen. Es handelt sich um eine bitterböse Satire über die Verfehlungen der katholischen Kirche, inspiriert von dem auch in Belgien heiß diskutierten Mißbrauchsskandal ab dem Jahr 2010, in der Lannoo vor allem die Vertuschungsmaßnahmen voller Zorn attackiert. Obwohl er vor Polemik nicht zurückscheut, ist "In the Name of the Son" insgesamt doch erstaunlich ernsthaft geraten, was auch an der wunderbaren Hauptdarstellerin Astrid Whettnall liegt, die den blutigen Rachefeldzug ihrer über alle Maßen gepeinigten Figur der Elisabeth jederzeit nachvollziehbar macht. Sicherlich kein einfacher Film, aber ein sehenswerter.

"Den Himmel gibt's echt":
Ich persönlich möchte ja angesichts der Tatsache, daß dieser Film auf einem "Sachbuch" beruht, in dem ein Vater die Nahtoderfahrung seines vierjährigen Sohnes nacherzählt, der dabei erfahren hat, daß es den christlichen Himmel wirklich gibt, spontan die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich bin ja auch ein Ungläubiger. In den USA wurde die mittelmäßig rezensierte Adaption dieses Buches – die mit Regisseur Randall Wallace ("Wir waren Helden") und den Darstellern Greg Kinnear ("Mord und Margaritas"), Kelly Reilly ("Flight") und Thomas Haden Church ("Killer Joe") überraschend hochkarätiges Personal vor und hinter der Kamera vereinen konnte – jedenfalls zu einem Überraschungserfolg, der mehr als $90 Mio. einspielte.

"The Bachelor Weekend":
In der irischen Komödie gerät ein Junggesellenabschied im irischen Hinterland dermaßen aus dem Ruder, daß die Männer sich am nächsten Morgen in der Wildnis wiederfinden vollkommen frei von Ausrüstung, Orientierung oder Kleidung …

"Citizenfour":
Die Journalistin und OSCAR-nominierte Regisseurin Laura Poitras ("P.O.V.") präsentiert einen Dokumentarfilm über den Whistleblower Edward Snowden, der die Machenschaften der NSA enthüllte und anschließend in Rußland Zuflucht suchen mußte. Eine OSCAR-Nominierung gilt als sicher.

13. November:
"Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones":
Auch mit 62 Jahren genießt der nordirische Schauspieler Liam Neeson ("The Grey") noch seine späte Karriere als Actionstar, diesmal in der Verfilmung eines Romans von Lawrence Block. Unter der Regie von Scott Frank ("Die Regeln der Gewalt") spielt er einen früheren Polizisten, der nun als Privatdetektiv in New York arbeitet. So wird er auch in eine brutale Entführungsserie verwickelt, als ihn ein Drogenschmuggler anheuert, dessen Frau entführt und ermordet wurde. Frank setzt in seinem Film ganz auf die beträchtliche Zugkraft von Liam Neeson, die übrigen Rollen sind fast ausschließlich mit unverbrauchten Gesichtern besetzt.

"Wie schreibt man Liebe?":
Nach längerer Zeit versucht sich der frühere König der britischen romantischen Komödie noch einmal an diesem beliebten Genre. Die Frage ist, ob die Zuschauer Hugh Grant auch nach dem Überschreiten der 50 Jahre noch in einer solchen Rolle sehen wollen. Unter der Regie von Marc Lawrence, der Grant bereits mit "Ein Chef zum Verlieben" und "Mitten ins Herz" solide Erfolge bescherte, spielt Grant den einst sehr gefragten Drehbuch-Autor Keith, dessen beruflich beste Zeit 15 Jahre in der Vergangenheit liegt. Da Hollywood Mißerfolge nicht so schnell verzeiht, muß sich Keith als Dozent an der Uni in Binghampton versuchen, wo ihm aber prompt eine attraktive alleinerziehende Mutter (Marisa Tomei, "The Wrestler") über den Weg läuft ...

"Nightcrawler":
Wie sein älterer Bruder Tony hat auch Dan Gilroy bereits zu so einigen Hollywood-Filmen die Drehbücher verfaßt, etwa Tarsems "The Fall", Shawn Levys "Real Steel" oder (gemeinsam mit Tony) "Das Bourne Vermächtnis". Mit "Nightcrawler" folgt er nun dem Weg seines Bruders und versucht sich erstmals auch als Regisseur. Sollte das Ergebnis ähnlich hochkarätig ausfallen wie Tonys Regiedebüt "Michael Clayton", könnten wir Zuschauer uns nur darüber freuen. Jake Gyllenhaal ("Prisoners") spielt in dem Thriller die Hauptrolle des Journalisten Lou Bloom, der als freier Mitarbeiter eines TV-Senders mit seinem Kamerateam tief in die kriminelle Unterwelt von Los Angeles eintaucht. In weiteren Rollen sind Rene Russo ("Thor – The Dark Kingdom"), Bill Paxton ("Edge of Tomorrow") und Riz Ahmed ("Four Lions") zu sehen.

"Die Mannschaft":
Nach der Fußball-Heim-WM 2006 sorgte Sönke Wortmann mit seiner Dokumentation über das gesellschaftliche Großereignis namens "Deutschland. Ein Sommermärchen" für einen echten Überraschungserfolg: vier Millionen Menschen wollten die gut vier fröhlichen, von Traumwetter begleiteten Wochen noch einmal im Kinosaal nacherleben. Angesichts dessen darf man wohl davon ausgehen, daß der von dem Regie-Trio Ulrich Voigt, Martin Christ und Jens Gronheid inszenierte "Die Mannschaft" mit intimen Einblicken über den deutschen Triumph in Brasilien ebenfalls viele Zuschauer in die Kinos locken wird.

"Dumm und dümmehr":
Im Jahr 1994, als Jim Carrey noch erfolgreiche Filme drehte, errang die von ihm und Jeff Daniels in den Titelrollen angeführte Nonsens-Komödie "Dumm und dümmer" von den Farrelly-Brüdern ("Verrückt nach Mary") recht schnell Kultstatus. Mir persönlich ist bis heute ziemlich schleierhaft, wie und warum das geschehen konnte, aber nunja; Geschmäcker sind nunmal bekanntlich verschieden. Nach einem an den Kinokassen katastrophal gescheiterten Prequel mit unbekannter Besetzung ("Dumm und dümmerer", 2003) hat sich 20 Jahre nach dem ersten Film tatsächlich die damalige Crew wiedervereinigt, um eine echte Fortsetzung in die Kinos zu bringen. Peter und Bobby Farrelly führen erneut Regie und waren auch am Drehbuch beteiligt, das die beiden unterbelichteten Freunde Lloyd (Carrey) und Harry (Daniels) auf die Suche nach einem Organspender für den nierenkranken Harry schickt. Neben Carrey und Daniels in ihren inzwischen ikonischen Rollen sind auch zahlreiche Nebendarsteller des Originals mit an Bord. Ob das ausreicht in einer Zeit, in der Jim Carrey eher als Ex-Star gilt und die Farrellys seit vielen Jahren keinen auch nur ansatzweisen Hit mehr vorzuweisen hatten, wird sich erweisen.

"Ich darf nicht schlafen":
In dem thematisch an Christopher Nolans "Memento" erinnernden Psycho-Thriller von Rowan Joffe ("Brighton Rock", Drehbuch-Autor von "28 Weeks Later" und "The American") spielt Nicole Kidman ("Stoker") die Schriftstellerin Christine, die seit einem Unfall gut 20 Jahre zuvor keine neuen Erinnerungen mehr sammeln kann. Nur mit der Hilfe ihres Ehemannes (Colin Firth, "Dame, König, As, Spion") und eines akribisch geführten Tagebuchs kann sie einigermaßen normal weiterleben. Da jedoch keinerlei Besserung ihres Zustandes eintritt, wendet sie sich schließlich an einen Psychologen (Mark Strong, "Robin Hood"). Dessen Behandlung sorgt aber eher dafür, daß Christine sich immer weniger Dingen in ihrem Leben gewiß ist …

"Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuß":
In der schwarzhumorigen Tragikomödie von Florian Mischa Böder spielt Benno Fürmann ("Der Krieger und die Kaiserin") einen Auftragsmörder in Diensten der Europäischen Union (!), der allerdings seit Jahren kein neues Ziel mehr erhalten hat. Ausgerechnet bei einem Rendezvous mit Rosa (Mavie Hörbiger, "What a Man") bekommt er doch wieder einen Auftrag, der schnell ausgeführt werden muß. Also nimmt er Rosa kurzerhand mit; ein Entschluß, der auch damit zusammenhängen dürfte, daß er bereits nicht mehr ganz nüchtern ist ... Der eigentliche Fernsehfilm für die renommierte ZDF-Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ist scheinbar so gut gelungen (was auch die Reaktionen auf die Premiere bei der Cologne Conference bestätigen), daß er unerwartet sogar eine Kinoauswertung erhält.

"Wir waren Könige":
In dem deutschen Gangster-Thriller von Philipp Leinemann ("Transit") steht eine rücksichtslose SEK-Einheit der Polizei im Mittelpunkt, die effizient gegen Drogendealer und Jugendbanden vorgeht, ob ihres kompromißlosen Vorgehens jedoch umstritten ist. Nach einem katastrophal mißglückten Einsatz spitzt sich die Lage dramatisch zu. In Hauptrollen sind Ronald Zehrfeld ("Wir wollten aufs Meer"), Misel Maticevic ("Im Winter ein Jahr") und Frederick Lau ("Oh Boy") zu sehen.

"Bevor der Winter kommt":
Im neuen Thriller-Drama des französischen Filmemachers Philippe Claudel ("So viele Jahre liebe ich dich") steht das Ehepaar Lucie (Kristin Scott Thomas, "Lachsfischen im Jemen") und Paul (Daniel Auteuil, "Ein Mann sieht rosa"), ein Neurochirurg, im Mittelpunkt. Eines Tages tritt eine junge Kellnerin in ihr Leben, die Paul immer heftigere Avancen macht und behauptet, er hätte ihr den Blinddarm herausoperiert – was für einen Neurochirurgen sehr ungewöhnlich wäre, weshalb Paul und Lucie zunächst von einem Irrtum ausgehen. Irgendwann befürchtet Lucie dann aber doch, daß Paul in Wirklichkeit eine Affäre mit der Kellnerin hat – sie beschließt, die Wahrheit über ihren Ehemann herauszufinden …

"Mommy":
Die unkonventionellen Werke des kanadischen Wunderkinds Xavier Dolan (der mit 25 Jahren bereits über 30 internationale Auszeichnungen erhalten hat) sind nicht gerade am Mainstream orientiert, die Herzen der meisten Kritiker konnte er mit Werken wie "I Killed My Mother" oder "Laurence Anyways" dafür aber im Sturm erobern. Mit "Mommy" – einem Drama über eine alleinerziehende Mutter, ihren gewalttätigen Teenager-Sohn und eine geheimnisvolle Nachbarin – ist das nicht anders, wie der Preis der Jury beim diesjährigen Festival von Cannes beweist.

"Bären":
"Planet Erde"- und "Schimpansen"-Regisseur Alastair Fothergill bringt eine neue Naturdoku in die Kinos (gemeinsam mit seinem "Im Reich der Raubkatzen"-Co-Regisseur Keith Scholey). Es dürfte nicht allzu schwer zu erraten sein, worum es darin geht ...

20. November:
Im dritten Teil der dystopischen Saga rund um Heldin Katniss (Jennifer Lawrence, "American Hustle") muß auch Präsident Snow (Donald Sutherland, "Stolz und Vorurteil") einsehen: Die Rebellion gegen das Capitol ist im vollen Gange. Und wenn die Qualität des Films sich ähnlich stark steigert wie vom ordentlichen ersten zum richtig guten zweiten Teil, dann steht den Fans ein spektakuläres Finale ins Haus. Oder zumindest der Anfang eines spektakulären Finales, denn wie bereits bei "Harry Potter" und der "Twilight"-Saga wurde der letzte Teil der Vorlage zweigeteilt. Fortsetzung folgt im November 2015.

"Ein Schotte macht noch keinen Sommer":
In der Komödie von Andy Hamilton und Guy Jenkin (TV-Serie "Outnumbered") macht sich eine Familie auf den Weg zu einem Familientreffen in den schottischen Highlands. Was nur Vater (Ex-"Doctor Who" David Tennant) und Mutter (Rosamund Pike, "Barney's Version") wissen, die drei Kinder aber noch nicht: Ihre Scheidung steht kurz bevor. Oder können die turbulenten Ereignisse während des Familientreffens noch etwas daran ändern? Da neben Tennant und Pike auch die begnadeten Komiker Billy Connolly ("Fido") und Ben Miller (TV-Serie "Death in Paradise") Mitglieder der McLeod-Familie verkörpern, dürfte die ganze Angelegenheit für die Zuschauer jedenfalls sehr amüsant ausfallen.

"Die Legende der Prinzessin Kaguya":
Falls jemand immer noch der Meinung ist, daß Zeichentrickfilme nur etwas für Kinder sind, sollte er sich unbedingt den japanischen Studio Ghibli-Klassiker "Die letzten Glühwürmchen" aus dem Jahr 1988 anschauen. Nicht ohne Grund gilt die bewegend realistische, unvergeßliche Geschichte eines japanischen Jungen, der nach dem Zweiten Weltkrieg nur zusammen mit seiner kleinen Schwester auf sich allein gestellt ums Überleben kämpft, unter Filmexperten als einer der besten Filme aller Zeiten. Isao Takahata ist Regisseur und Drehbuch-Autor dieses beinahe neorealistischen Meisterwerks. Warum ich das an dieser Stelle erzähle? Natürlich, weil "Die Legende der Prinzessin Kaguya" der neueste Streich des inzwischen 78-jährigen Altmeisters ist. Besagte Kaguya ist ein Findelkind aus einer anderen Welt, das von dem Bambussammler Okina liebevoll aufgezogen wird. Sie genießt das einfache Leben, doch als Okina immer wieder in den Bambusblättern versteckte Schätze findet, werden er und seine Frau schnell reich und wollen die inzwischen wunderschöne junge Frau wie eine Prinzessin erziehen lassen. Das Problem an der Sache: Je reicher ihre Familie wird, desto unglücklicher scheint Kaguya zu werden …

"Einer nach dem anderen":
Wenn die Skandinavier filmisch für etwas bekannt sind, dann für schräge, oft schwarzhumorige Komödien (wie "Elling", "Adams Äpfel" oder "Die Kunst des negativen Denkens"). Okay, und für düstere Thriller natürlich auch. "Einer nach dem anderen" von Hans Petter Moland ("Ein Mann von Welt") ist eine Kombination von beidem, irgendwo zwischen "Fargo" und typischen Rache-Reißern: Stellan Skarsgård ("The Avengers") spielt den Schneepflugfahrer Nils, dessen Leben in einem beschaulichen norwegischen Dorf auf den Kopf gestellt wird, als sein Sohn scheinbar an einer Drogen-Überdosis stirbt. Da Nils das einfach nicht glauben kann und die Polizei seiner Meinung nach nicht gründlich genug nachforscht, macht sich Nils selbst auf die Suche nach Gerechtigkeit – und legt sich mit einem Drogenkartell an. Als serbischer Gangsterboß mischt auch Bruno Ganz ("Der Himmel über Berlin") mit.

"My Old Lady":
Mathias Gold (Kevin Kline, "Ein Fisch namens Wanda") fliegt von New York nach Paris, um dort ein geerbtes Appartement zu veräußern. Das Vorhaben gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, denn in ebenjenem Appartement wohnt noch eine alte Dame (Maggie Smith, "Mord im Pfarrhaus") mit ihrer Tochter (Kristin Scott Thomas), die gar nicht daran denken, aus ihrem Heim auszuziehen. Mit "My Old Lady" verfilmt der US-Dramatiker Israel Horovitz sein eigenes Theaterstück. Als Autor hat Horovitz schon öfters in der Filmbranche gearbeitet (u.a. war er Co-Autor von István Szabós Historienepos "Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein" und gewann dafür sogar den Europäischen Filmpreis des Jahres 1999), als Regisseur eines Spielfilms ist es das späte Debüt des 75-Jährigen.

"Keine gute Tat":
Die Story des Thrillers von TV-Regisseur Sam Miller ("Luther", "Black Sails") klingt ziemlich generisch: Eine Mutter und ihre Kinder werden von einem aus dem Gefängnis geflohenen Gewaltverbrecher bedroht und müssen darum kämpfen, irgendwie heil aus der Bredouille zu kommen. Die Besetzung allerdings läßt auf zumindest solides Spannungskino hoffen, denn als tapfere Mutter agiert Taraji P. Henson ("Date Night", TV-Serie "Person of Interest"), Millers "Luther"-Star Idris Elba gibt die charismatische, aber finstere Bedrohung.

"Mary – Königin von Schottland":
Historienfilme sind ja immer gerne gesehen, eine französisch-schweizerische Produktion über das dramatische Leben der schottischen Königin Mary Stuart im 16. Jahrhundert ist dennoch etwas ungewöhnlich. Dafür gibt es aber einen guten Grund, denn es handelt sich nicht einfach nur um einen Historienfilm, sondern um die Adaption des 1935 veröffentlichten biographischen Romans "Maria Stuart" des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig ("Schachnovelle"). Regisseur Thomas Imbach ("I Was a Swiss Banker") hat daraus ein intimes Kammerspiel mit internationaler, aber weitgehend unbekannter Besetzung gemacht, das konsequent aus der Perspektive der tragischen Titelfigur (Camille Rutherford, "Blau ist eine warme Farbe") erzählt wird und international wohlwollende Kritiken eingeheimst hat.

"Bocksprünge":
Wieder einmal eine episodische Beziehungs-Komödie aus deutschen Landen. Regie: Eckhard Preuß (normalerweise überwiegend als TV-Darsteller unterwegs), bekannteste Darsteller sind Yvonne Catterfeld ("Die Schöne und das Biest"), Friedrich Mücke ("Friendship!"), Julia Koschitz ("Wir sind die Neuen") und Benjamin Sadler ("Anleitung zum Unglücklichsein").

27. November:
"Die Pinguine aus Madagascar" (3D):
Die heimlichen Stars aus den "Madagascar"-Animationsfilmen von Dreamworks feiern ihr Debüt als Hauptdarsteller eines eigenen Films und bekommen es mit einem fiesen Bösewicht zu tun.

"Kill the Boss 2":
Nachdem die drei Freunde Kurt (Jason Sudeikis, "Movie 43"), Nick (Jason Bateman, "Juno") und Dale (Charlie Day, "Pacific Rim") im ersten Teil ihre schrecklichen Bosse losgeworden sind, beschließen sie nun, ein eigenes Unternehmen zu gründen und somit selbst zu Bossen zu werden. Der Investor (Christoph Waltz, "Wasser für die Elefanten"), den sie dafür aufgetan haben, läßt den Deal jedoch in letzter Minute platzen, woraufhin die Freunde seinen Sohn (Chris Pine, "Jack Ryan") entführen wollen, um durch das Lösegeld die benötigten Finanzmittel zu bekommen. Dabei helfen soll ihnen wieder einmal Dean "Motherfucker" Jones (Jamie Foxx, "Django Unchained"). Da es hinter der Kamera viel neues Personal gibt, bleibt abzuwarten, ob die Qualitäten des amüsanten Vorgängers beibehalten werden können: Sean Anders ("Wir sind die Millers", "Hot Tub") ersetzt als Regisseur Seth Gordon und hat gemeinsam mit seinem langjährigen Schreibpartner John Morris auch das Drehbuch verantwortet.

"The Zero Theorem":
Gerade erst hat Terry Gilliam ("Twelve Monkeys", "Brothers Grimm") seine vermutlich letzten Bühnenauftritte mit den noch lebenden Monty Pythons absolviert, schon bringt er einen neuen Film in die Kinos: "The Zero Theorem" wird von Kritikern mit seinem dystopischen Klassiker "Brazil" aus dem Jahr 1985 verglichen, soll jedoch nicht ganz so gut sein – wobei sich die Rezensenten generell uneins sind, was die Qualität von "The Zero Theorem" betrifft. Die metaphernreiche Story ist zu kompliziert, um sie in Kürze näher zu beschreiben, aber es geht um das introvertierte Computer-Genie Leth (erneut Christoph Waltz), das mit Hilfe der Technik seine eigene Seele erkunden will.

"Das Verschwinden der Eleanor Rigby":
Seit das Beziehungsdrama des jungen New Yorker Filmemachers Ned Benson (geboren 1977) im Mai in Cannes Premiere feierte, wird es als aussichtsreicher OSCAR-Kandidat gehandelt. Oder besser: ein Teil davon. Denn eigentlich handelt es sich um drei Filme, die die Geschichte eines kriselnden Ehepaars in New York aus ihrer, aus seiner und aus beider Sicht erzählen. Die ersten beiden Varianten wurden (in nicht finalisierten Versionen) bereits im Herbst 2013 beim Festival in Toronto vorgestellt, in Cannes feierte dann die "Them"-Variante ihre Weltpremiere, die aus den beiden 90-Minütern ein zweistündiges Werk macht. Und genau die wird wohl auch weltweit in die Kinos kommen. Vor allem das Drehbuch und die Schauspieler dürften gute Chancen bei den Preisverleihungen in diesem Winter haben, denn Kritiker haben sich sowohl von der einfühlsamen Erzählweise des Films sehr angetan gezeigt als auch von den Leistungen der Hauptdarsteller Jessica Chastain und James McAvoy ("Abbitte"). Und die Besetzung der Nebenrollen mit Isabelle Huppert ("Die Klavierspielerin"), William Hurt ("A History of Violence"), Ciarán Hinds ("There Will Be Blood") und Viola Davis ("Glaubensfrage") kann sich ebenfalls mehr als sehen lassen.

"Der Koch":
In Ralf Huettners ("Die Musterknaben", "Ausgerechnet Sibirien") Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Suter geht es um einen exzellenten Koch aus Sri Lanka, der Asyl in der Schweiz sucht, wo er nun in einem Restaurant als Hilfskraft arbeitet. Als er diesen Job auch noch verliert, tut er sich mit einer Kollegin (Jessica Schwarz, "Jesus liebt mich") zusammen, um einen eigenen Catering-Service zu gründen, der sich auf Menüs für Verliebte spezialisiert.

"Auf das Leben!":
Die deutsche Tragikomödie von TV-Regisseur Uwe Janson ("Danni Lowinski", "Der Minister") dreht sich um eine über 80-jährige, aber noch sehr rüstige ehemalige Sängerin (Hannelore Elsner, "Die Unberührbare"), die nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung in ein Seniorenheim ziehen muß, womit sie überhaupt nicht klar kommt. Nur die sich entwickelnde Freundschaft zu einem jungen, aber schwerkranken Möbelpacker (Max Riemelt, "Die Welle"), den sie beim Umzug ins Heim kennenlernt, gibt ihr noch Hoffnung. Auch hierbei handelt es sich um eine Literaturverfilmung, Basis ist der Roman "Wenn Steine weinen können" von Stephen Glantz.

"For No Eyes Only":
Der junge deutsche Regie-Debütant Tali Barde macht aus dem großen Hitchcock-Klassiker "Das Fenster zum Hof" einen Jugendthriller: Nerd Sam (Benedict Sieverding) hat sich das Bein gebrochen, was seine Bewegungsfreiheit logischerweise stark einschränkt. Da kommt es sehr gelegen, daß er im Internet auf ein Programm stößt, mit dem man fremde Webcams hacken kann. Der stark gelangweilte Sam vertreibt sich fortan die Zeit damit, seine Klassenkameraden heimlich zu beobachten. Als er eines Tages sieht, wie der neue Schüler Aaron (Regisseur Barde) ein Messer versteckt und er wenig später auch noch erfährt, daß dessen Eltern spurlos verschwunden sind, vermutet Sam ein schreckliches Verbrechen ...

4. Dezember:
Wie jedes Jahr bringt Altmeister Woody Allen einen neuen Film in die Kinos. Nachdem er 2013 mit "Blue Jasmine" eher dramatische Töne anschlug, ist "Magic in the Moonlight" wieder eine typische Komödie, die dieses Mal Ende der 1920er Jahre großteils an der Côte d'Azur in Frankreich spielt. Colin Firth ist als populärer Illusionist zu sehen, der herbeigerufen wird, um die Machenschaften einer schönen jungen Wahrsagerin (Emma Stone, "Einfach zu haben") aufzudecken. Den Kritikern zufolge ist der Film nicht preisverdächtig, sondern dürfte sich in die Reihe seiner eher unaufgeregten, leichten Komödien der letzten Jahre ("To Rome with Love", "Scoop", "Whatever Works") einfügen.

"Paddington":
In Paul Kings aufwendiger Verfilmung des britischen Kinderbuch-Klassikers "Paddington Bär" von Michael Bond kommt ebenjener sprechende Bär zu Besuch nach London, wo er bei einer netten Familie Aufnahme findet, die nicht schlecht staunt über die Fähigkeiten (aber auch die Anpassungsschwierigkeiten) des niedlichen Bären. Allerdings weckt dieser auch das Interesse einer fiesen Tierpräparatorin (Nicole Kidman). Im Original sollte ursprünglich Colin Firth den Bären sprechen, was aber nicht so gut paßte wie von den Verantwortlichen erhofft. Deshalb wurde Firth durch den jüngeren Ben Whishaw ("Cloud Atlas") ersetzt.

"Alles ist Liebe":
So wie es aussieht, versucht sich Regisseur Markus Goller ("Friendship!", "Eine ganz heiße Nummer") mit "Alles ist Liebe" an einer deutschen Variante von Richard Curtis' "Tatsächlich … Liebe", denn auch hierbei handelt es sich um eine episodische Weihnachts-(Tragi-)Komödie rund um die Freuden und Qualen der Liebe. Wie das britische Vorbild kann auch "Alles ist Liebe" mit einer prominenten Besetzung aufwarten, die u.a. Nora Tschirner ("Keinohrhasen"), Christian Ulmen ("Männerherzen"), Wotan Wilke Möhring ("Henri 4"), Katharina Schüttler ("Zeit der Kannibalen"), Elmar Wepper ("Kirschblüten – Hanami") und (als direktes Bindeglied zu "Tatsächlich … Liebe") Heike Makatsch umfaßt.

"The Drop – Bargeld":
Tom Hardy ("The Dark Knight Rises") und Noomi Rapace ("Prometheus") spielen in dem Thriller des belgischen Regisseurs Michaël R. Roskam ("Bullhead") das Ehepaar Bob und Nadia, das in Brooklyn gemeinsam mit Bobs Cousin (James Gandolfini in seiner letzten Rolle) eine Bar betreibt, die vorwiegend von Angehörigen der New Yorker Unterwelt frequentiert wird. Als die Bar ausgeraubt wird, gerät Bob selbst zwischen die Fronten rivalisierender Gangster. Daß die als Grundlage dienende Kurzgeschichte (ebenso wie das Drehbuch) aus der Feder von Dennis Lehane stammt, läßt auf einen atmosphärisch dichten Thriller hoffen, denn andere Adaptionen des gefeierten Schriftstellers sind "Mystic River", "Gone Baby Gone" und "Shutter Island".

"Dritte Person":
In seinem neuen Beziehungsdrama verflicht "L.A. Crash"-Regisseur und -Drehbuch-Autor Paul Haggis einmal mehr scheinbar unzusammenhängende Erzählstränge verschiedener Personen (in diesem Fall handelt es sich um drei Paare in New York, Paris und Rom) zu einem großen Ganzen. Dafür konnte er zwar mit Liam Neeson, Mila Kunis ("Black Swan"), Adrien Brody ("Darjeeling Limited"), Olivia Wilde ("Rush"), Maria Bello ("Prisoners"), James Franco ("Spring Breakers") und Kim Basinger ("L.A. Confidential") eine illustre Besetzung zusammentrommeln, inhaltlich hatten die US-Kritiker aber so einiges zu bemängeln.

"The Unforgiven":
Der aktuell international begehrteste japanische Schauspieler Ken Watanabe ("Godzilla") gibt im asiatischen Remake von Clint Eastwoods OSCAR-gekröntem Spätwestern "Erbarmungslos" unter der Regie von Lee Sang-il ("Villain") einen alternden Samurai, der sich auf einer kleinen Insel zur Ruhe gesetzt hat. Als japanische Siedler an dieser Insel anlanden und die dortigen Ureinwohner brutal vertreiben wollen, muß er noch ein allerletztes Mal seine außerordentlichen Kampfkünste abrufen.

10./11. Dezember:
Im großen Finale von Peter Jacksons "Hobbit"-Trilogie treffen die titelgebenden fünf Heere von Menschen, Zwergen, Elben, Orks und Wargen am Fuße des "Einsamen Berges" Erebor aufeinander. Da J.R.R. Tolkien zu dieser epochalen Schlacht in seinem Werk nur wenige Details geliefert hat, darf man gespannt sein, wie Jackson und seine Crew sie umgesetzt haben – und inwiefern das "Hobbit"-Finale tatsächlich als Brücke zur "Der Herr der Ringe"-Trilogie fungiert.

"#Zeitgeist":
In seinem tragikomischen Ensemblefilm (Originaltitel: "Men, Women & Children") untersucht der preisgekrönte Regisseur und Drehbuch-Autor Jason Reitman ("Thank You for Smoking", "Juno") das Liebesleben der heutigen Teenager und ihrer Eltern im Internet-Zeitalter. Bei der Premiere in Toronto gab es verhalten positive Reaktionen, in etwa vergleichbar mit seinem letzten Film "Labor Day". Von einigen Kritikern wurde das mit Jennifer Garner, Adam Sandler und Judy Greer besetzte Werk mit Paul Haggis' OSCAR-Gewinner "L.A. Crash" verglichen, nur eben mit Sexualität statt Rassismus als zentralem Thema.

"The Loft":
Daß Hollywood erfolgreiche und/oder gute nicht-englischsprachige Filme der Remake-Prozedur unterzieht, ist ja wahrlich nichts Neues (bekanntestes Beispiel der letzten Jahre: der brillante Hongkong-Thriller "Infernal Affairs", den Martin Scorsese als US-Version "Departed – Unter Feinden" zum OSCAR-Gewinner machte). Über Sinn oder Unsinn dieses Vorgehens kann man trefflich streiten, Fakt ist aber: Die Amis werden damit so schnell nicht aufhören. Das zeigt auch "The Loft", das Remake des hervorragenden belgischen Thrillers "Loft – Tödliche Affären" aus dem Jahr 2008, in dem sich eine Gruppe befreundeter (und teilweise verheirateter) Männer mittleren Alters heimlich ein nobles Loft anmietet, in das jeder für sich Frauenbekanntschaften einladen darf. Doch eines Tages liegt in diesem Loft die Leiche einer Frau. Dafür, daß in diesem Fall das Remake mit dem Original halbwegs mithalten kann, spricht zumindest die Tatsache, daß dessen Regisseur Erik van Looy auch hier verantwortlich zeichnet. Das ist zwar noch lange keine Garantie (Ole Bornedals "Freeze – Alptraum Nachtwache" reichte genauso wenig an sein eigenes Original "Nachtwache" heran wie George Sluizers "Spurlos" an sein "Spurlos verschwunden"), aber doch zumindest ein gutes Zeichen. Und die Besetzung mit Karl Urban ("Dredd"), Rhona Mitra ("Underworld – Aufstand der Lykaner"), Wentworth Miller ("Resident Evil: Afterlife"), Isabel Lucas ("Daybreakers"), James Marsden ("Mädelsabend") und Matthias Schoenarts ("Der Geschmack von Rost und Knochen") ist absolut solide.

"Winterschlaf":
Mit seiner die Langsamkeit zelebrierenden, mehr als dreistündigen Charakterstudie über einen früheren Schauspieler, der in der türkischen Provinz ein Hotel betreibt, wird Nuri Bilge Ceylan ("Es war einmal in Anatolien") sicherlich nicht die Multiplex-Kinos erobern, das anspruchsvolle Arthouse-Publikum dürfte an dem in Cannes zweifach prämierten und von Kritikern mit den Werken Ingmar Bergmans verglichenen Drama dagegen sehr interessiert sein.

"Blue Ruin":
Das Thriller-Drama mit Rachethematik von Regisseur Jeremy Saulnier ("Murder Party") hat zwar keinerlei bekannte Namen vorzuweisen; bei diversen Festivals (angefangen in Cannes, zuletzt auch beim Fantasy Filmfest in Deutschland) kam die Geschichte eines traumatisierten, in einem Auto lebenden Landstreichers auf der Suche nach Gerechtigkeit dennoch gut an und konnte auch reichlich Kritikerlob einfahren.

"Timbuktu":
Die Kritiker sind seit der Premiere in Cannes begeistert vom neuen Film des mauretanischen Regisseurs Aberrahmane Sissako ("Das Weltgericht von Bamako"), einem leidenschaftlichen Plädoyer gegen Terrorismus, Fanatismus und Intoleranz. Es geht um den einfachen Hirten Kidane, dessen Familie ins Visier islamistischer Rebellen gerät, die die malische Hauptstadt Timbuktu Anfang 2012 besetzt halten.

18. Dezember:
"Nachts im Museum 3: Das geheimnisvolle Grabmal":
Durch Robin Williams' Tod hat der dritte Film über die Abenteuer des tolpatschigen Museums-Nachtwächters Larry (Ben Stiller, "Aushilfsgangster") mit auf magische Weise zum Leben erwachten Exponaten eine sehr traurige Aufwertung erhalten. Schließlich wird seine erneute Verkörperung des früheren US-Präsidenten Teddy Roosevelt einer seiner letzten Kinoauftritte sein. Dieses Mal ist das British Museum in London Schauplatz der Handlung, zu den neuen historischen Figuren, die dem armen Larry das Leben schwer machen, zählen ein Pharao (Sir Ben Kingsley, "Prince of Persia") und Sir Lancelot (Dan Stevens, "Inside WikiLeaks"). Regie führte ein weiteres Mal Shawn Levy ("Real Steel").

"Die Wolken von Sils Maria":
In der mitteleuropäischen Co-Produktion unter Leitung des Franzosen Olivier Assayas ("Carlos – Der Schakal") verkörpert Juliette Binoche ("Chocolat") die populäre Theater-Schauspielerin Maria, die in einer Neuaufführung noch einmal in jenem Stück agieren soll, das sie gut 20 Jahre zuvor zum Star gemacht hatte – nur daß sie dieses Mal nicht mehr die junge Frau spielen soll, die ihre Chefin in den Selbstmord treibt, sondern die Chefin. Ihre damalige Rolle übernimmt ein skandalumwittertes Hollywood-Starlet (Chloë Grace Moretz, "Dark Shadows"), das Maria dazu bringt, ihr eigenes Leben zu überdenken. Kristen Stewart ("Snow White and the Huntsman") spielt Marias Assistentin, Lars Eidinger ("Alle anderen") den Regisseur des Stücks. Bei der Premiere in Cannes wurde die sensible, im Gegensatz zu Cronenbergs themenverwandtem "Maps to the Stars" nur leicht satirische Charakterstudie von den Kritikern ziemlich freundlich aufgenommen.

"The Homesman":
Ebenfalls in Cannes vorgestellt wurde Tommy Lee Jones' ("Lincoln") zweite Regiearbeit nach "Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada". Erneut handelt es sich um eine Art Western, wobei das nur wenig mit schießwütigen Cowboys, Eisenbahnräubern oder Indianern zu tun hat. Vielmehr steht in dem präzise beobachteten, mitunter schwarzhumorigen Western-Drama die tiefgläubige Siedlerin Mary (Hilary Swank, "Black Dahlia") im Mittelpunkt, die im rauhen Nebraska unter ihrer Einsamkeit leidet und sich entschließt, drei Frauen, die ob der widrigen Lebensumstände ihren Verstand verloren haben, in eine Methodistengemeinde zu bringen. Während der langwierigen Reise gewinnt sie in dem Outlaw George (Jones) einen unwahrscheinlichen, aber treuen Begleiter.

"Serena":
Jennifer Lawrence ("Die Tribute von Panem – Catching Fire") bewirbt sich um ihren nächsten OSCAR mit der Hauptrolle in dem neuen, auf einem Roman von Ron Rash beruhenden Drama der dänischen Regisseurin Susanne Bier ("In einer besseren Welt"). Zur Zeit der "Großen Depression" um 1930 herum spielen sie und ihr "Silver Linings"-Partner Bradley Cooper ein junges Ehepaar, dessen Glück auf eine harte Probe gestellt wird, als Serena erfährt, daß sie niemals Kinder bekommen wird – wohingegen ihr Mann George bereits einen Sohn aus der Zeit vor ihrer Ehe hat, was in Serena nun nagende Eifersucht auslöst.

"Der kleine Drache Kokosnuss":
Ein Kinder-Zeichentrickfilm über einen jungen Drachen, der nicht fliegen kann und sich mit zwei anderen tierischen Bewohnern der Dracheninsel zusammentut, die ebenfalls in entscheidenden Punkten von ihren Artgenossen abweichen. Die Vermutung, daß die Erzählung ihrer Abenteuer mit einer kindgerechten moralischen Botschaft über Toleranz und Individualität enden wird, dürfte wohl nicht allzu weit hergeholt sein.

25. Dezember:
"Exodus: Götter und Könige" (3D):
Nach Darren Aronofskys "Noah" bereits der zweite große Bibelfilm des Jahres 2014: Unter der monumentalfilmerfahrenen Leitung von Sir Ridley Scott ("Gladiator", "Königreich der Himmel") wird das Leben von Moses nacherzählt. Das war vor einigen Jahrzehnten unter dem Titel "Die zehn Gebote" schon einmal ein großer Hit, mal sehen, ob auch die neue Version nach einem Drehbuch von Steven Zaillian ("Schindlers Liste", "Moneyball") den Geschmack der Zuschauer trifft. Als Moses wird Christian Bale ("Batman Begins") zu sehen sein, Joel Edgerton ("Der große Gatsby") verkörpert Pharao Ramses, in weiteren Rollen sind Sigourney Weaver ("Alien"), Ben Kingsley, Aaron Paul (TV-Serie "Breaking Bad"), John Turturro und Indira Varma ("Kama Sutra") mit dabei.

"Honig im Kopf":
Regie: Til Schweiger. Drehbuch: Til Schweiger. Produktion: Til Schweiger. Damit kann sich wohl schon in etwa vorstellen, wie die neue Tragikomödie des seit Jahren zugkräftigsten deutschen Kinostars stilistisch aussehen (und klingen) dürfte. Schweiger versucht zudem weiterhin, seine Töchter im Filmgeschäft zu etablieren; hier spielt Emma eine der Hauptrollen als 11-jährige Tilda, Tochter von Til und Enkeltochter des an Demenz erkrankten Dieter Hallervorden ("Sein letztes Rennen"), der demnächst ins Altersheim soll. Tilda ist damit allerdings überhaupt nicht einverstanden und überzeugt ihren Vater davon, ihren Großvater auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig mitzunehmen, das dieser schon immer einmal besuchen wollte.

"Bibi & Tina – Voll verhext":
Nicht einmal ein Jahr, nachdem "Bibi & Tina – Der Film" über 1,1 Millionen überwiegend junge Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser gelockt hat, steht bereits die Fortsetzung ins Haus. Wiederum unter der Regie von Detlev Buck ("Die Vermessung der Welt") erleben Hexe Bibi Blocksberg (Lina Larissa Strahl) und ihre beste Freundin Tina (Lisa-Marie Koroll) auf dem Reiterhof turbulente Abenteuer.

Im Jahr 2004, als er noch weitgehend unbekannt war, verkörperte Benedict Cumberbatch ("Star Trek Into Darkness") in dem gelungenen TV-Film "Hawking – Die Suche nach dem Anfang der Zeit" den berühmten, an der unheilbaren Krankheit ALS erkrankten Physiker Stephen Hawking. Zehn Jahre danach bringt James Marsh, der für seinen Dokumentarfilm "Man on Wire" 2008 den OSCAR gewann, in seinem Spielfilm-Debüt die Lebensgeschichte Hawkings ins Kino, wobei die Beziehung zu seiner ersten Ehefrau Jane im Zentrum stehen soll. Eddie Redmayne ("My Week with Marilyn") agiert als Hawking, Felicity Jones ("In guten Händen") als Jane; beide werden seit der Premiere in Toronto als ernsthafte OSCAR-Anwärter gehandelt.

Der unabhängig produzierte amerikanische Mystery-Thriller hat bereits einen erfolgreichen einjährigen Festival-Lauf hinter sich und wird in Deutschland zuerst im Rahmen des Fantasy Filmfests ab Ende August zu sehen sein. Kritiker und Publikum haben sich sehr angetan gezeigt vom Langfilm-Debüt des Regisseurs und Drehbuch-Autors James Ward Byrkit, in dem sich acht Freunde – darunter die TV-Serien-Darsteller Nicholas Brendon (Xander in "Buffy"), Maury Sterling ("Homeland") und Elizabeth Gracen ("Highlander") – zu einem fröhlichen Essen treffen, dessen Hauptthema zunächst ein Komet ist, der kürzlich die Erde passiert hat. Als plötzlich der Strom ausfällt und sie draußen nach dem Rechten schauen wollen, entdecken sie, daß in der gesamten Nachbarschaft nur noch ein einziges Gebäude Licht hat. Doch auf dem Weg dorthin geschehen immer merkwürdigere Vorkommnisse, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen …

Das waren sie also, die größten und interessantesten Filme, die im November und Dezember in die deutschen Kinos kommen. Anfang 2015 wird es dann wie stets um diese Jahreszeit mit zahlreichen hochkarätigen und anspruchsvollen Produktionen weitergehen, die sich Hoffnungen auf Golden Globes und OSCARs machen …


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