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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 30. Januar 2014

BLOOD DIAMOND (2006)

Regie: Edward Zwick, Drehbuch: Charles Leavitt, Musik: James Newton Howard
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Jennifer Connelly, Djimon Hounsou, Kagiso Kuypers, Arnold Vosloo, Michael Sheen, Stephen Collins, Antony Coleman, Marius Weyers, Anointing Lukola, Benu Mabhena, David Harewood, Jimi Mistry, Basil Wallace, Ato Essandoh
 Blood Diamond
(2006) on IMDb Rotten Tomatoes: 62% (6,3); weltweites Einspielergebnis:  $171,4 Mio.
FSK: 16, Dauer: 143 Minuten.

Sierra Leone, Ende der 1990er Jahre: Der aus Rhodesien (inzwischen: Simbabwe) stammende ehemalige südafrikanische Soldat Danny Archer (Leonardo DiCaprio, "Zeiten des Aufruhrs") bezeichnet sich selbst als Glücksritter, ist aber vornehmlich Diamantenschmuggler. Er sorgt dafür, daß die in den Diamantenminen von Sierra Leone durch von Rebellen versklavte Bauern und Fischer gewonnenen Edelsteine über die Grenze nach Liberia geschmuggelt werden, von wo aus sie problemlos zu den Diamanten-Handelsunternehmen in Europa oder den USA versandt werden können (da diese sich selbst zwar verpflichtet haben, keine Diamanten aus Konfliktgebieten zu kaufen, das deren Nachbarländer aber nicht betrifft ...). Eines Tages erfährt Danny durch Zufall in einem Gefängnis in der Hauptstadt Freetown, daß ein Fischer namens Solomon Vandy (Djimon Hounsou, "Gladiator") bei den Minen ein besonders großes Exemplar gefunden hat und es vor den Rebellen verstecken konnte, ehe diese von Regierungstruppen besiegt wurden. Danny befreit Solomon und bietet ihm an, bei der Suche nach dessen Familie zu helfen – als Bezahlung fordert er, daß Solomon ihn zu dem versteckten Edelstein führt, mit dessen Hilfe Danny endlich Afrika verlassen will. Für ihr Vorhaben brauchen sie die Hilfe der engagierten US-Journalistin Maddy Bowen (Jennifer Connelly, "Little Children"), aber natürlich läuft nichts so wie geplant ...

Regisseur Edward Zwick hat bereits mit Filmen wie "Glory" oder "Last Samurai" bewiesen, wie meisterhaft er es versteht, Gesellschaftskritik in massentaugliche, hochgradig unterhaltsame Abenteuer-Epen zu integrieren. Dieses Kunststück gelingt ihm auch und ganz besonders mit dem fünffach für den OSCAR nominierten Actiondrama "Blood Diamond" über (man hätte es ahnen können) Blutdiamanten und Kindersoldaten in Afrika. Auch wenn nicht alle Kritiker das so sehen, was man an der ungewöhnlich großen Differenz zwischen IMDB- und Rotten Tomatoes-Wert gut erkennen kann. Deren Hauptkritikpunkte waren eher moralischer Natur: Demnach würde "Blood Diamond" eine fraglos sehr ernste und tragische Thematik zu purem Entertainment mißbrauchen und Action zu oft vor Story gehen. Das kann man wohl so sehen, ich persönlich tue es nicht und bewerte Zwicks Film daher ohne moralische Vorbehalte – zumal "Blood Diamond" gerade die heuchlerischen Praktiken des Westens in Bezug auf Afrika deutlich anprangert und man deshalb sogar argumentieren kann, daß das Problembewußtsein des Durchschnittsbürgers durch diesen Film deutlich erhöht wird.

Denn "Blood Diamond" ist zwar in erster Linie ein Abenteuerfilm, nutzt seine brisanten Themen aber eben nicht einfach nur für seine Story aus, sondern behandelt sie durchaus ernsthaft. Protagonist Danny Archer ist kein strahlender Held, mitunter ist sein Verhalten sogar regelrecht abstoßend. Trotzdem hält man als Zuschauer zu ihm, weil er in einer kaputten, perversen Welt wenigstens ein bißchen Halt gibt – gerade als Duo mit dem verzweifelten Solomon. Als Identifikationsfigur des Publikums dient allerdings vorrangig die Journalistin Maddy: Sie ist eine Ausländerin (und betrachtet somit wie der Zuschauer die Geschehnisse aus der Perspektive einer Außenseiterin), die sich engagieren, gegen den Krieg und den Terror in Afrika kämpfen will – letztlich muß sie aber einsehen, daß sie alleine nichts ausrichten kann. Man mag dem Drehbuch von Charles Leavitt ("K-PAX") vorwerfen, daß es in Sachen Handlung mitunter etwas zu sehr an der Oberfläche bleibt, aber die Figurenzeichnung ist psychologisch sehr stimmig; hier und da vielleicht nicht frei von Klischees, aber nichtsdestotrotz glaubhaft.

Regisseur Zwick hat für seine Geschichte im Verbund mit Kameramann Eduardo Serra ("Das Mädchen mit dem Perlenohrring") grandiose, gar epische Bilder geschaffen, die aber auch immer wieder gnadenlos offenbaren, was in Teilen Afrikas auch noch im 21. Jahrhundert unter den Augen der Weltöffentlichkeit passiert (ein extremes Beispiel: Kindern in einem Dorf werden von den Rebellen die Hände abgehackt, damit sie nicht wählen können ...). Das Gleiche gilt für die gelungenen Dialoge und überhaupt den gesamten Handlungsverlauf – das Gesamtwerk "Blood Diamond" führte nicht ohne Grund dazu, daß sich die Diamanten-Industrie zu einer öffentlichen PR-Kampagne veranlaßt sah, in der sie die Konsumenten weltweit zu überzeugen versuchte, daß sie alles gegen den Handel mit Blutdiamanten tue. Alleine diese Tatsache widerlegt in meinen Augen den Vorwurf, der Film würde die Blutdiamanten- und Kindersoldaten-Thematik mißbrauchen

Die Darsteller verkörpern ihre (zumindest, was die bedeutenden Rollen betrifft) vielschichtigen Charaktere hervorragend, vor allem Leonardo DiCaprio wächst wieder einmal über sich hinaus und beweist, wie beklemmend intensiv er gerade zwiespältige Charaktere wie den Antihelden Danny Archer verkörpern kann. Djimon Hounsou steht ihm kaum nach, aber auch Jennifer Connelly und die beiden Schurkendarsteller Michael Sheen ("Die Queen") als skrupelloser Diamantenhändler sowie Ex-"Mumie" Arnold Vosloo als südafrikanischer Söldnerführer wissen zu überzeugen; ebenso wie die Musik von James Newton Howard und der auch textlich sehr gelungene Song "Shine on 'em" von Rapper Nas, der während des Abspanns zu hören ist.

Fazit: "Blood Diamond" ist großes, spannendes, actiongeladenes und aufrüttelndes Kino mit gesellschaftlicher Relevanz. Die steht zwar nicht so stark im Vordergrund wie beispielsweise bei Terry Georges erschütterndem Meisterwerk "Hotel Ruanda", erreicht mit der spektakulären Inszenierung dafür aber wesentlich mehr Zuschauer.

Wertung: 9 Punkte.


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