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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 1. August 2013

STOLZ UND VORURTEIL (2005)

Originaltitel: Pride & Prejudice
Regie: Joe Wright, Drehbuch: Deborah Moggach, Musik: Dario Marianelli
Darsteller: Keira Knightley, Matthew Macfadyen, Rosamund Pike, Donald Sutherland, Brenda Blethyn, Dame Judi Dench, Carey Mulligan, Simon Woods, Rupert Friend, Talulah Riley, Tom Hollander, Jena Malone, Claudie Blakley, Sylvester Morand, Cornelius Booth, Tamzin Merchant, Kelly Reilly
Pride & Prejudice
(2005) on IMDb Rotten Tomatoes: 87% (7,7); weltweites Einspielergebnis: $121,6 Mio.
FSK: 0, Dauer: 127 Minuten.

Im ländlichen England des späten 18. Jahrhunderts führt die Familie Bennet ein ereignisreiches Leben, das vor allem darin besteht, geeignete Heiratskandidaten für die fünf temperamentvollen Töchter zu finden. Denn mangels eines männlichen Erben wird das Anwesen nach dem Tod der Eltern an einen entfernten Verwandten übergehen, von dessen Wohlwollen die Töchter abhängig wären, wenn sie bis dahin nicht gut verheiratet sind. Vor allem die beiden ältesten Töchter, Jane (Rosamund Pike, "Barney's Version") und Elizabeth/Lizzie (Keira Knightley, "King Arthur"), wollen unbedingt aus Liebe heiraten, während ihre Mutter (Brenda Blethyn, "Grasgeflüster") das als sentimental abtut und vor allem um das leibliche Wohl ihres Nachwuchses besorgt ist. Als der wohlhabende Charles Bingley (Simon Woods, "Penelope") das nahegelegene, zuvor lange leerstehende Anwesen Netherfield Park mietet, wird der neue Nachbar prompt zum begehrten Ziel sämtlicher heiratswilliger junger Frauen (und ihrer Mütter) der Gegend. Und tatsächlich scheint er Gefallen an der zurückhaltenden Jane zu finden. Sein bester Freund Mr. Darcy (Matthew Macfadyen) blickt dagegen mit Verachtung auf Charles' Verehrerinnen und deren Erzeuger herab, die er samt und sonders für geldgierig und ungebildet hält – womit er aber den gerechten Zorn der selbstbewußten Lizzie auf sich herabbeschwört ...

Kritik:
Um mich gleich zu Beginn bei vielen Jane Austen-Anhängern unbeliebt zu machen: Mir gefällt diese Hochglanz-Kinoversion der nicht ganz unkomplizierten Liebesgeschichte zwischen Lizzie Bennet und ihrem Mr. Darcy eindeutig besser als der ikonische BBC-Sechsteiler von 1995, der Colin Firth zum Star gemacht hat. Natürlich wirkt diese Version von dem auf historische Stoffe spezialisierten Regisseur Joe Wright ("Anna Karenina", "Abbitte") etwas weniger kantig und verzichtet über weite Strecken auf die für Austen so typische Gesellschaftskritik, zudem sehen die Figuren fraglos eher wie äußerlich makellose Hollywood-Stars aus als wie authentische Personen aus dem späten 18. Jahrhundert (wie es besagte BBC-Miniserie sehr gut hingekriegt hatte). Und selbstverständlich machte Colin Firth als arrogant erscheinender Mr. Darcy doch noch etwas mehr her als Matthew Macfadyen, der – drehbuchbedingt – klar die zweite Geige hinter einer famos auftrumpfenden Keira Knightley spielt. Aber ganz ehrlich: Das ist mir alles herzlich egal.

Denn die von Drehbuch-Autorin Deborah Moggach ("Best Exotic Marigold Hotel") geschickt auf zwei Stunden verknappte Handlung funktioniert auch in dieser beschleunigten Version tadellos und läßt Jane Austens patentierte geistreiche Dialoge samt scharfzüngiger Seitenhiebe auf das enge Korsett der damaligen gesellschaftlichen Konventionen (vor allem für Frauen) perfekt zur Geltung kommen. Kostüme und Kulissen sind einfach prächtig anzuschauen, die gleichfalls OSCAR-nominierte, pianolastige Musik von Dario Marianelli ("Lachsfischen im Jemen") ist ein wahrer Ohrenschmaus und die idyllischen Kamerafahrten des deutschstämmigen Roman Osin ("Mr. Magoriums Wunderladen") fangen das Flair des ländlichen Großbritanniens um das Jahr 1800 herum gekonnt ein.

Doch Höhepunkt jeder halbwegs werktreuen Austen-Adaption müssen zwangsläufig die Dialoge und ihr Vortrag durch die Schauspieler sein. Und das ist bei Joe Wrights "Stolz und Vorurteil" nicht anders: Wie erwähnt läuft Keira Knightley – wie so oft in Kostümrollen – zu absoluter Glanzform auf und sorgt dafür, daß man mit der so sympathisch-leidenschaftlichen Lizzie und ihren schier endlosen Liebeswirrungen nach Kräften mitfiebert, mitleidet und mitschmachtet (ja, auch als Mann). Doch vor allem die turbulenten Szenen innerhalb der Familie Bennet sind es, die für das größte Vergnügen beim Publikum sorgen: ob der wie immer wunderbare Donald Sutherland als liebenswürdiger, verschmitzter Vater, Brenda Blethyn als verheiratungswütige Mutter oder die damals allesamt noch kaum bekannten, inzwischen aber sehr verdient zu teils höchst renommierten Schauspielerinnen aufgestiegenen Rosamund Pike, Carey Mulligan ("Der große Gatsby"), Jena Malone ("Sucker Punch") und Talulah Riley ("Radio Rock Revolution") als Lizzies sehr unterschiedliche Schwestern – man will vielleicht nicht zwangsläufig ein Teil dieser Familie sein, aber es ist in höchstem Maße unterhaltsam, ihr beim ständigen Diskutieren, Streiten und Wieder-Versöhnen zuzusehen und zuzuhören. Matthew Macfadyen, der sowohl im Theater ("Einer flog übers Kuckucksnest", "Ein Sommernachtstraum") und im hochkarätigen britischen TV ("Spooks", "Die Säulen der Erde") als auch im Kino ("Sterben für Anfänger", "Die drei Musketiere", "Anna Karenina") oft seine Kunstfertigkeit bewiesen hat, muß im Vergleich zu dieser schrecklich netten Familie etwas verblassen, gibt aber vor allem zum Ende hin immer noch einen sehr passablen Mr. Darcy ab. Und daß Dame Judi Dench ("Jane Eyre") als dessen hochtrabende Tante Lady de Bourgh wieder einmal eine Glanzleistung abliefert, muß eigentlich kaum noch eigens erwähnt werden.

All diese Stärken führen dazu, daß Joe Wrights Version von "Stolz und Vorurteil" zwar aufgrund diverser Auslassungen und einer leichten Mainstreamisierung ganz bestimmt keine perfekte Austen-Adaption ist, aber doch mit Sicherheit einer der unterhaltsamsten unter den vielen richtig guten Filmen, die auf Austens Romanen basieren. Und das ist nun wahrlich nicht das Schlechteste, was man als Zuschauer geboten bekommen kann.

Fazit: "Stolz und Vorurteil" ist ein prächtiger Kostümfilm, der zwar einige Aspekte der literarischen Vorlage recht sorglos über Bord wirft, deren Geist durch die große Dialoglastigkeit aber dennoch gerecht wird und mit einer schwungvollen Inszenierung, einer edlen Ausstattung sowie einem glänzenden Schauspielerensemble hervorragend zu unterhalten weiß.

Wertung: 8,5 Punkte.


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