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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 20. August 2013

IP MAN ZERO (2010)

Originaltitel: Yip Man chinchyun
Regie: Herman Yau, Drehbuch: Erica Lee, Musik: Mak Chun Hung
Darsteller: Dennis To, Yuen Biao, Sammo Hung, Louis Fan, Huang Yi, Rose Chan, Suet Lam, Bernice Liu, Ip Chun
 Yip Man chinchyun
(2010) on IMDb Rotten Tomatoes: -; weltweites Einspielergebnis (ohne China): $2,7 Mio.
FSK: 12, Dauer: 96 Minuten.

Als Ip Man zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Schüler an die Wing Chun-Kampfkunstschule in Foshan kommt, erkennt Meister Chan Wah-shun (Sammo Hung, "Kill Zone S.P.L.") schnell das große Talent des Jungen. Über die Jahre hinweg lernt Ip Man fleißig und verläßt Foshan erst als junger Mann (Dennis To, "1911 Revolution") vorübergehend, um in Hongkong zu studieren. Dort erweitert er seinen Horizont und verfeinert zugleich seinen Kampfstil, was ihm schnell eine gewisse lokale Berühmtheit einbringt. Als er einige Jahre später nach Foshan zurückkehrt, ist der äußerst traditionsbewußte Ng Chung-sok (Yuen Biao, "Winners and Sinners"), der die Kampfkunstschule inzwischen leitet, alles andere begeistert von den Veränderungen, die Ip Man seinem Kampfstil in Hongkong hat angedeihen lassen. Weit größere Bewunderung nicht nur für seine Kampfkünste erntet Ip Man dagegen von der attraktiven, aus wohlhabendem Hause stammenden Cheung Wing-shing (Huang Yi, "Drug War") ...

Kritik:
Nach dem großen Erfolg von Wilson Yips "Ip Man"-Filmen mit dem chinesischen Superstar Donnie Yen in der Titelrolle wurde der legendäre Kampfkunstmeister zu einem angesagten Thema in China. Herman Yaus ("Ebola Syndrome") Prequel reitet auf dieser Welle mit, obwohl produktionstechnisch keine Verbindung zu den Yen-Filmen besteht – was sich schon daran erkennen läßt, daß Sammo Hung in "Ip Man 2" einen konkurrierenden Kampfsportmeister spielt, während er in "Ip Man Zero" in einer leider recht kleinen Rolle als Ip Mans erster Meister zu sehen ist. Und Hauptdarsteller Dennis To war gar in beiden Yen-Filmen in unterschiedlichen Nebenrollen zu sehen! Inhaltlich haben Yau und Drehbuch-Autorin Erica Lee ("King of Comedy") den Film allerdings gut auf "Ip Man" und "Ip Man 2" abgestimmt, zudem sieht Dennis To als junger Ip Man Donnie Yen sogar recht ähnlich.

Daß "Ip Man Zero" dennoch nicht wirklich Teil der Filmreihe ist, läßt sich am deutlichsten am Handlungsaufbau erkennen. Zwar reicht die Komplexität der beiden Yip-Filme bei weitem nicht an Wong Kar-Wais künstlerisch wertvolle Version der Geschichte in "The Grandmaster" heran, die Story, die "Ip Man Zero" präsentiert, ist aber dramaturgisch noch einmal deutlich schlichter ausgefallen. Zwar gibt es gegen Ende ein paar halbherzige Schlenker, aber alles in allem ist Herman Yaus Film doch sehr geradlinig. Allerdings spielt die Handlung sowieso keine allzu große Rolle, denn noch stärker als in den übrigen Ip Man-Filmen liegt der Fokus auf den Kampfkunstszenen. Für normale Filmfans mag das ärgerlich sein, für Freunde der Kampfkunst dagegen eher ein Vorteil, denn die Choreographie (wie auch die Ausführung) der Kampfszenen ist vielleicht nicht übermäßig spektakulär, aber doch sehr sehenswert ausgefallen.

Vor lauter Kampfszenen müssen naturgemäß die Figuren ebenso stark zurückstehen wie die Handlung. Titeldarsteller Dennis To verleiht seinem Ip Man weder das leicht verschmitzte Charisma eines Donnie Yen noch die majestätische Würde eines Tony Leung. Einerseits ist das schade und nicht gut für die emotionale Bindung zum Publikum, andererseits paßt es aber auch irgendwo ganz gut, da hier ja der noch junge, unerfahrene Ip Man im Mittelpunkt des Geschehens steht. Und kampftechnisch kann man To keinen Vorwurf machen. Zudem hat er das Glück, daß er mit Sammo Hung und Yuen Biao zwei Altmeister an der Seite hat, die ihre Charaktere auch ohne größere Unterstützung des Drehbuchs mit ihrer über Jahrzehnte hinweg geschulten Präsenz verkörpern und in einigen Kampfszenen zur Freude des genreaffinen Publikums ein weiteres Mal ihr großes Können beweisen dürfen. Und in einer kleinen, aber durchaus beeindruckenden Rolle als Ip Mans inoffizieller Lehrmeister in Hongkong ist sogar Ip Mans echter, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 86-jähriger Sohn Ip Chun zu bewundern.

Ansonsten gibt es eigentlich nicht so viel zu "Ip Man Zero" zu sagen: Natürlich gibt es wieder die übliche antijapanische Propaganda, die sich aber einigermaßen in Grenzen hält. Auch eine Liebesgeschichte – theoretisch sogar ein amouröses Viereck, das allerdings nur ansatzweise ausgespielt wird – darf nicht fehlen, echte romantische Stimmung kommt allerdings kaum auf. Es ist eben nicht zu leugnen: In "Ip Man Zero" geht es primär, sekundär und vielleicht sogar noch tertiär um die schön anzusehenden Kampfkunstszenen.

Fazit: "Ip Man Zero" ist ein dramaturgisch schlichter Martial Arts-Film, der seine rudimentäre Handlung und die blassen Figuren durch viele beeindruckende Kampfszenen und zwei souverän aufspielende Altstars des Hongkong-Kinos einigermaßen ausgleicht.

Wertung: Aus Sicht eines Genrefans 6,5 Punkte. Ohne den Bonus für die Kampfsportszenen eher 5 Punkte.


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