Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 11. April 2013

Klassiker-Rezension: DER TOD RITT DIENSTAGS (1967)

Originaltitel: I giorni dell'ira
Regie: Tonino Valerii, Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Renzo Genta und Tonino Valerii, Musik: Riz Ortolani
Darsteller: Giuliano Gemma, Lee Van Cleef, Walter Rilla, Christa Linder, Al Mulock, Lukas Ammann, Yvonne Sanson, Andrea Bosic, José Calvo, Anna Orso, Nino Nini, Franco Balducci, Ennio Balbo
 I giorni dell'ira
(1967) on IMDb Rotten Tomatoes: -; FSK: 16, Dauer: 110 Minuten. 

Der junge Scott Mary (Giuliano Gemma, "Eine Pistole für Gringo", "Angélique"), Halbwaise und Sohn einer Prostituierten, wird in der kleinen Westernstadt, in der er geboren wurde, nur widerwillig geduldet und von den meisten Bürgern wie Dreck behandelt. Eines Tages durchquert der alternde Revolverheld Frank Talby (Lee van Cleef aus Sergio Leones "Für ein paar Dollar mehr" und "Zwei glorreiche Halunken") die Stadt und verhält sich Scott gegenüber freundlich, verteidigt ihn sogar mit Waffengewalt gegen die Schikanen seiner Mitbürger. Schließlich nimmt Talby den jungen Mann unter seine Fittiche, als er weiterreist. Als sie später jedoch in die Stadt zurückkehren, will sich der in der Zwischenzeit von Talby trainierte Scott dafür rächen, wie er von den Einwohnern zeit seines Lebens behandelt wurde ...

Kritik:
Da Quentin Tarantino mit seiner kommerziell unerwartet erfolgreichen und zweifach OSCAR-prämierten Hommage "Django Unchained" den Italo-Western nach langer Zeit wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gebracht hat, ist es an der Zeit, hier einmal einen meiner Lieblings-Spaghetti-Western abseits der ganz großen Namen ("Spiel mir das Lied vom Tod", "Für eine Handvoll Dollar", "Django", "Leichen pflastern seinen Weg") vorzustellen. Regisseur Tonino Valerii, der einige Jahre später gemeinsam mit Sergio Leone "Mein Name ist Nobody" mit Henry Fonda und Terence Hill drehte, zeigt sich bereits bei "Der Tod ritt dienstags" ("Tage des Zorns", die wörtliche Übersetzung des Originaltitels, war dem deutschen Verleih wohl nicht aufregend genug ...) deutlich von seinem früheren Lehrmeister Leone inspiriert, verleiht seinem Werk jedoch durchaus eine faszinierende eigene Note.

Zwar mußte der Film mit einem ziemlich niedrigen Budget realisiert werden, was man ihm auch hin und wieder ansieht – beispielsweise gibt es nur wenige Statisten im Hintergrund, weshalb die Szenerie oft ungewöhnlich leblos wirkt. Doch dafür entfaltet "Der Tod ritt dienstags" ganz andere Stärken. Das beginnt natürlich bei den Hauptdarstellern, beide Ikonen des Italo-Westerns. Lee Van Cleef war sicherlich nie ein grandioser Schauspieler, aber er hatte auch ohne viel Mimik eine beeindruckende Ausstrahlung und vor allem die angeborene Fähigkeit, zu jeder Zeit und in jeder Situation verdammt cool zu wirken – was ihn für dieses Genre geradezu prädestiniert hat. Hier hat er mit Frank Talby eine Paraderolle ergattert, die sich in ihrer erfreulichen Ambivalenz weder Gut noch Böse eindeutig zuordnen läßt und dabei mit dem ungestümen, rachedurstigen Scott einen perfekten Widerpart findet. Giuliano Gemma hat in über 100 Western mitgespielt, von denen die meisten heutzutage (nicht ganz zu Unrecht) in Vergessenheit geraten sind. Doch in "Der Tod ritt dienstags" sorgen Van Cleef und Gemma jederzeit für knisternde Spannung, denn es ist eigentlich klar, daß diese beiden Alphatiere früher oder später aneinandergeraten werden.

Das Drehbuch bietet den beiden Hauptdarstellern viel Raum, um eine beeindruckende Leistung zu zeigen, da ihre Figuren eine starke Charakterentwicklung durchlaufen. Streng genommen sogar eine etwas zu starke und deshalb nicht unbedingt hundertprozentig glaubwürdige, aber der Dramatik, der Emotionalität und der Spannung des Films schadet das nicht wirklich. Daß die Handlung dabei selten wirklich in die Tiefe geht, ist angesichts des hohen Tempos und der auf den Punkt gebrachten Dialoge auch kein Problem – schließlich handelt es sich um einen Spaghetti-Western und nicht um ein Arthouse-Drama.

Trotz des geringen Budgets ist "Der Tod ritt dienstags" von Regisseur Valerii und seinem Kameramann Enzo Serafin sehr schön und stilsicher in Szene gesetzt, was selbstverständlich auch die unvermeidlichen Schießereien beinhaltet. Damit ist Valeriis Film trotz der leicht übertriebenen Theatralik ein Musterbeispiel für einen gelungenen Italo-Western – stilecht unterlegt mit einem melodienstarken Soundtrack von Riz Ortolani, der übrigens auch im eingangs angesprochenen "Django Unchained" von Quentin Tarantino gesamplet wurde.

Fazit: "Der Tod ritt dienstags" ist einer der gelungensten unter den weniger bekannten Vertretern des Italo-Westerns, was vor allem den zwei charismatischen Hauptdarstellern, der ungewöhnlich reichhaltigen und wendungsreichen – wenngleich mitunter etwas übertriebenen – Story und der stilsicheren Inszenierung zu verdanken ist.

Wertung: 9 Punkte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen