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Montag, 10. Dezember 2012

OSCAR-News: Sensationssieg für "Liebe" in Los Angeles, Auftrieb für "The Master" und "Argo"

Nachdem Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty" über die Jagd nach Osama bin Laden die ersten Preisverleihungen der Awards Season dominiert hat, folgten an diesem Wochenende gleich mehrere Kritiker-Auszeichnungen von allerdings eher untergeordneter Bedeutung, die den frühen Topfavoriten-Status des CIA-Thrillers weiter festigten. Sowohl in Boston (bei zwei getrennten Ehrungen von Print- und Onlinekritikern) als auch bei den New Yorker Online-Kritikern wurde "Zero Dark Thirty" mit dem Hauptpreis als Bester Film geehrt (Links zu den kompletten Siegerlisten gibt es am Ende dieses Posts). Bei den wesentlich wichtigeren Los Angeles Film Critics Awards (bei denen in jeder Kategorie neben dem Sieger auch noch der Zweitplazierte bekanntgegeben wird) sieht das Bild jedoch etwas anders aus, neben "Beasts of the Southern Wild" melden sich vor allem die bei den bisherigen Preisvergaben weitgehend ignorierten "The Master" und "Argo" mit überraschenden Siegen bzw. Plazierungen zurück, während der Hauptpreis nicht weniger als eine Sensation ist. Alle LAFCA-Gewinner:

Bester Film: "Liebe" vor "The Master"
Regie: Paul Thomas Anderson, "The Master", vor Kathryn Bigelow, "Zero Dark Thirty"
Schauspieler: Joaquin Phoenix, "The Master", vor Denis Lavant, "Holy Motors"
Schauspielerin: Jennifer Lawrence, "Silver Linings", und Emmanuelle Riva, "Liebe"
Nebendarsteller: Dwighty Henry, "Beasts of the Southern Wild", vor Christoph Waltz, "Django Unchained"
Nebendarstellerin: Amy Adams, "The Master", vor Anne Hathaway, "Les Misérables" und "The Dark Knight Rises"
Drehbuch: Chris Terrio, "Argo", vor David O. Russell, "Silver Linings"
Kamera: Roger Deakings, "Skyfall", vor Mihai Malaimare Jr., "The Master"
Musik: Benh Zeitlin und Dan Romer, "Beasts of the Southern Wild", vor Jonny Greenwood, "The Master"
Schnitt: "Zero Dark Thirty" vor "Argo"
Szenenbild: "The Master" vor "Moonrise Kingdom"
Fremdsprachiger Film: "Holy Motors" (Frankreich) vor "Footnote" (Israel)
Animationsfilm: "Frankenweenie" vor "It's Such a Beautiful Day"
Dokumentarfilm: "The Gatekeepers" vor "Searching for Sugar Man"

Ein sensationeller Sieg also für Michael Hanekes österreichischen OSCAR-Beitrag vor Paul Thomas Andersons Sektendrama "The Master"! Damit steigen die ohnehin nicht so schlechten Chancen von "Liebe" auf eine OSCAR-Nominierung in der Kategorie "Bester Film" deutlich an (knapp wird es dennoch werden).
Erstaunlich ist dafür die vollkommene Abwesenheit von Steven Spielbergs "Lincoln" und Ang Lees "Life of Pi", auch Tom Hoopers "Les Misérables" hätte man stärker erwarten dürfen. Allerdings halte ich es speziell bei letztgenanntem Musical für sehr wahrscheinlich, daß es bei der Academy (und den diversen Gilden der Filmbranche) deutlich besser ankommen wird als bei den professionellen Kritikern. Selbst wenn "Zero Dark Thirty" auch in L.A. gewonnen hätte, wäre für mich "Les Misérables" nach wie vor der Topfavorit für die OSCAR-Verleihung.

Bemerkenswert an den LAFCAs zudem: Der völlig unerwartete Sieg von Amy Adams bei den Nebendarstellerinnen. Ihre Rolle in "The Master" ist ziemlich klein und die Konkurrenz durch vor allem Anne Hathaway, Sally Field ("Lincoln") und Helen Hunt ("The Sessions") stark, da erhöht diese Auszeichnung auf jeden Fall ihre Chancen auf eine OSCAR-Nominierung. Gleiches gilt für Christoph Waltz, der allerdings zweierlei Probleme zu überwinden hat: Erstens spielt er eigentlich eine Hauptrolle, wird aber vom Filmstudio trotzdem als Nebendarsteller beworben, da man sich in dieser Kategorie bessere Chancen ausrechnet. Wenn er Pech hat, teilen sich die Stimmen, die er von den Academy-Mitgliedern erhält, auf Haupt- und Nebendarsteller-Kategorie auf und er geht am Ende leer aus. Zweitens erwächst ihm durch seine beiden ebenfalls hochgehandelten "Django Unchained"-Kollegen Leonardo DiCaprio (der bei den NBR Awards am Mittwoch gewann) und Samuel L. Jackson hochkarätige interne Konkurrenz.
Die größte Überraschung des Abends dürfte wohl der zweite Platz des Franzosen Denis Lavant in der Hauptdarsteller-Kategorie sein – ob das seine Chancen auf eine OSCAR-Nominierung erhöht, wage ich jedoch zu bezweifeln, Leos Carax' "Holy Motors" dürfte ein zu durchgeknallter Film für den eher konservativen Geschmack der Academy sein ...

Die übrigen Sieger oder Zweitplazierten sollten allesamt gute Chancen auf Nominierungen bei den Academy Awards haben, vor allem für den bereits neunfach nominierten Kameramann Roger Deakins sieht es sehr gut aus – damit sollte "Skyfall" auf jeden Fall die erste OSCAR-Nominierung für einen Bond-Film seit 30 Jahren einsacken, auch wenn es nach momentanem Stand wohl wieder nicht für eine der Hauptkategorien reichen dürfte.

Siegerlisten:

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