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Dienstag, 27. November 2012

OSCAR-News (27.11., "Les Misérables", "Zero Dark Thirty")

Die Awards Season 2012/2013 scheint sich, was die Qualität der Filme betrifft, zu einer der stärksten seit vielen Jahren zu entwickeln. Eigentlich ist es immer so, daß von den im Vorfeld aufgrund des Regisseurs, der Besetzung und/oder der Thematik als potentielle Topfavoriten gehandelten Anwärtern sich etliche als "nur" gut oder sogar als richtiggehende Enttäuschungen entpuppen. Letztes Jahr betraf das beispielsweise Steven Spielbergs Epos "Gefährten", das sich (obwohl ich persönlich es sehr schätze) als ursprünglicher Topfavorit letztlich mit sechs OSCAR-Nominierungen ohne einen einzigen Sieg begnügen mußte; 2010 erging es Altmeister Clint Eastwood mit gerade einmal zwei Nominierungen für seinen mit vielen Vorschußlorbeeren bedachten Mandela-Film "Invictus" noch schlechter. Doch im Jahr 2012 blieb bislang kein einziger der großen Favoriten deutlich unter den Erwartungen – am ehesten noch Joe Wrights "Anna Karenina" und Sacha Gervasis "Hitchcock", die im Allgemeinen mit nur leicht überdurchschnittlichen Kritiken abgespeist werden, aber sowieso vor allem als aussichtsreiche Kandidaten in den Darsteller- und ("Anna Karenina" betreffend) technischen Kategorien galten (und weiterhin gelten). Alle anderen – Paul Thomas Andersons "The Master", Steven Spielbergs "Lincoln", Ben Afflecks "Argo", David O. Russells "Silver Linings Playbook", Ang Lees "Life of Pi" – konnten nach ihrer öffentlichen Premiere ihre Aussichten halten oder gar verbessern.

Vor diesem Wochenende verblieben noch vier heiß erwartete OSCAR-Kandidaten, deren tatsächliche Qualität niemand einschätzen konnte. Zwei davon, beide mit einer Laufzeit von gut zweieinhalb Stunden, feierten am Wochenende ihre Premiere, Tom Hoopers Musical-Verfilmung "Les Misérables" öffentlich mit Vorstellungen u.a. in London, New York und Los Angeles, Kathryn Bigelows Bin Laden-Film "Zero Dark Thirty" vor ausgewählten Kritikern. Und beide scheinen den ersten Berichten zufolge die in sie gesetzten Hoffnungen vollauf zu erfüllen!

Da "Les Misérables" – in dem es übrigens keinerlei gesprochene Dialoge gibt, sondern ausschließlich gesungen wird, inklusive des neu komponierten und damit für die OSCAR-Kategorie "Bester Filmsong" wählbaren Liedes "Suddenly" – auch von "normalen" Zuschauern gesehen werden konnte, gibt es hier entsprechend mehr und vielfältigere Reaktionen (zumal es für die professionellen Kritiker eine Sperrfrist gibt, was komplette Rezensionen betrifft) und die fallen fast ausnahmslos positiv aus. Die bekannt dramatische Story mit den vielen emotionalen Song-Highlights hat zahlreiche Zuschauer zu Tränen gerührt, Anne Hathaway – die bereits nach dem ersten Trailer als Topfavoritin für die Kategorie "Beste Nebendarstellerin" gekürt wurde – zeigt offenbar die bislang glänzendste Leistung ihrer an starken Performances wahrlich nicht mangelnden Karriere und auch das Wagnis, die Akteure die Songs "live" singen zu lassen, hat sich ausgezahlt. Das einzige, was manche Zuschauer etwas bemängeln, ist die gesangliche Leistung von Russell Crowe in der Antagonisten-Rolle des Inspector Javert.
Natürlich muß man einschränkend sagen, daß das Publikum, das zu solchen Premieren geht, überdurchschnittlich gut informiert ist und große Leidenschaft für die jeweilige Thematik hegt. Die nun an den Tag gelegte Begeisterung zeigt, daß die Filmemacher es offenbar glänzend geschafft haben, der populären Musical-Vorlage gerecht zu werden – ob "Les Misérables" aber auch weniger musicalaffine Zuschauer wird begeistern können, wird sich erst nach dem regulären Kinostart erweisen.

Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty" läßt sich mangels Zuschauerreaktionen etwas schwerer bewerten, dafür gibt es hier bereits einige Rezensionen namhafter Filmkritiker. Und die fallen ebenfalls sehr positiv aus. Wie erhofft und eigentlich auch erwartet, ließen sich Bigelow und ihr bewährter Drehbuch-Autor Mark Boal nicht zu einem bloßen "Wir haben bin Laden gekillt, wir sind die Besten!"-USA-Propagandafilm hinreißen, sondern zeigen die Jagd nach dem berüchtigten Terroristenführer durchaus differenziert. Natürlich ist dennoch klar, wer "die Guten" und wer "die Bösen" sind, schließlich handelt es sich um einen US-Film, der aus der Perspektive der CIA erzählt wird; aber Bigelow läßt sehr wohl Grautöne in die Geschichte einfließen und schwingt nicht die Moralkeule, sondern beschränkt sich im Großen und Ganzen – wie bereits beim OSCAR-prämierten "The Hurt Locker" auf eine möglichst authentische und wertfreie Darstellung der Geschehnisse. Und die Hauptdarstellerin Jessica Chastain ("The Help""The Tree of Life") dürfte in, wie es heißt, einer der besten Frauenrollen der Hollywood-Geschichte endgültig den Durchbruch zum Hollywood-Star geschafft haben.

Im Laufe der Woche werden dann auch endlich die letzten beiden erwarteten OSCAR-Favoriten "Der Hobbit" und "Django Unchained" vorgestellt.

Die neuesten Erkenntnisse habe ich wie üblich sofort in meine zweiteilige Übersicht über den Stand der Dinge in der Awards Season 2012/2013 eingearbeitet:

Quellen:

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