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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 9. November 2023

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 3 (2023)

Regie und Drehbuch: James Gunn, Musik: John Murphy
Darsteller: Chris Pratt, Karen Gillan, Bradley Cooper (Stimme), Vin Diesel (Stimme), Dave Bautista, Pom Klementieff, Zoe Saldana, Chukwudi Iwuji, Sean Gunn, Will Poulter, Elizabeth Debicki, Maria Bakalova (Stimme), Nico Santos, Miriam Shor, Linda Cardellini (Stimme), Asim Chaudhry (Stimme), Mikaela Hoover (Stimme), Judy Greer (Stimme), Sylvester Stallone, Tara Strong (Stimme), Michael Rosenbaum, Nathan Fillion, Jennifer Holland, Gregg Henry, Daniela Melchior, Elan Gale, Molly C. Quinn, Dee Bradley Baker, Seth Green (Stimme), Christopher Fairbank, Lloyd Kaufman, Pete Davidson, Michael Rooker, James Gunn
Guardians of the Galaxy Vol. 3 (2023) on IMDb Rotten Tomatoes: 82% (7,2); weltweites Einspielergebnis: $845,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 151 Minuten.
Nach dem Triumph über Thanos haben die Guardians of the Galaxy ihr Hauptquartier auf Knowhere – der früheren Heimstatt des Collectors – aufgeschlagen und dort eine ziemlich harmonische Gemeinschaft etabliert. Ihr Anführer Peter "Star-Lord" Quill (Chris Pratt, "Jurassic World") leidet aber noch immer unter dem Verlust seiner großen Liebe Gamora (Zoe Saldana, "Star Trek Beyond") – die ist zwar noch am Leben, allerdings in der Prä-Guardians-Variante und damit ohne jede Erinnerung an Peter und die anderen (abgesehen von ihrer Schwester Nebula). Peter ist also nicht gerade in Bestform, als Knowhere wie aus dem Nichts von dem mächtigen, wenn auch unerfahrenen Krieger Adam Warlock (Will Poulter, "The Revenant") – der von Ayesha (Elizabeth Debicki, "Tenet"), Hohepriesterin der Sovereign, die mit den Guardians immer noch ein Hühnchen zu rupfen haben, erschafffen wurde – angegriffen wird. Rocket (im Original gesprochen von Bradley Cooper, "A Star Is Born") wird schwer verwundet und seine Kameraden haben nur 48 Stunden Zeit, um den genmanipulierten Waschbär zu retten – wofür sie dessen größenwahnsinnigen Schöpfer und Unternehmenschef des sinistren Orgocorp-Konzerns aufsuchen müssen, den High Evolutionary (Chukwudi Iwuji, TV-Serie "Peacemaker"). Dafür benötigen sie die Hilfe von Gamora, die inzwischen Mitglied der Ravager-Weltraumpiraten um Stakar Ogord (Sylvester Stallone, "The Expendables") geworden ist ...

Kritik:
Die Guardians of the Galaxy sind die größte Erfolgsstory innerhalb des Marvel Cinematic Universe: Als der erste Teil 2012 von MCU-Mastermind Kevin Feige angekündigt wurde, waren die Guardians eine obskure, selbst unter Comic-Fans wenig bekannte Außenseitertruppe und der mit der Umsetzung betraute, aus der legendären B-Movie-Schmiede Troma stammende James Gunn durfte sich nach einer erfolgreichen Karriere im Independent-Bereich erstmals als Regisseur an einem Big Budget-Mainstream-Film versuchen (als Drehbuch-Autor hatte er aber mit "Scooby-Doo" oder Zack Snyders "Dawn of the Dead" bereits Erfahrungen innerhalb des Studiosystems gesammelt). Auch die Besetzung mutete auf den ersten Blick merkwürdig an: Chris Pratt, der etwas pummelige Comedy-Spezialist aus der TV-Serie "Parks and Recreation", sollte allen Ernstes einen Weltraum-Actionhelden spielen? Bradley Cooper einen sprechenden Waschbär vertonen? Und Vin Diesel ein Baumwesen, das immer nur die drei gleichen Wörter sagt ("Ich bin Groot")? Doch als "Guardians of the Galaxy" 2014 in die Kinos kam, wurden alle Zweifler bekanntlich eines Besseren belehrt, denn Gunn und seinem Team inklusive des perfekt ausgewählten Casts gelang ein atemberaubendes Abenteuer voller schräger, aber liebenswerter Charaktere, viel Humor und Action sowie einem nostalgischen 1980er Jahre-Soundtrack, der sich – wie der gesamte Film – zum Bestseller entwickelte. Drei Jahre später setzte "Guardians of the Galaxy Vol. 2" den Erfolg in jeder Hinsicht nahtlos fort, doch dann sollte es auch wegen der Corona-Pandemie sechs Jahre dauern, bis die Trilogie von Gunn – der zwischenzeitlich hauptberuflich neuer kreativer Leiter der Filmsparte des Marvel-Rivalen DC wurde – zu Ende gebracht wurde. Und man kann zum Glück sagen: Gunn hat sie angemessen triumphal und emotional zum Abschluß gebracht!

Es war schnell klar, daß in "Guardians of the Galaxy Vol. 3" der genmanipulierte sprechende Waschbär Rocket im Mittelpunkt stehen würde. Das ist dann auch passiert und hat Vor- und Nachteile. Vorteilhaft ist, daß wir mehr über seine ziemlich tragische Hintergrundgeschichte erfahren – die ist zwar nicht rasend originell und aus dem bißchen, was in den ersten beiden Teilen enthüllt wurde, konnte man sich das meiste, was jetzt ausführlich gezeigt wird, bereits denken. Allerdings sind die Rückblenden sehr gut gemacht, runden Rockets Profil gekonnt ab und gehen wirklich ans Herz. Größter Nachteil von Rockets Hauptrolle ist derweil, daß er die meiste Zeit der knapp zweieinhalb Stunden über von den anderen Guardians getrennt agiert. Das bringt das Publikum um die liebgewonnenen Schäkereien innerhalb der Gruppe ultimativer Außenseiter, zumal dafür auch Gamora weitgehend ausfällt, weil diese aus der Vergangenheit geholte Gamora niemals Teil der Guardians war. Andererseits bleiben natürlich immer noch genügend Guardians übrig, um schräge Dialoge und denkwürdige Oneliner abzusondern, da die Truppe ja seit dem ersten Teil um Nebula (Karen Gillan, "Jumanji") – die seit ihrer Einführung als Nebenantagonistin im ersten Film mit die beste Entwicklung aller MCU-Figuren genommen hat –, Mantis (Pom Klementieff, "Mission: Impossible  Fallout") und Kraglin (Sean Gunn, "The Suicide Squad") angewachsen ist. Insgesamt hat James Gunn jedenfalls wieder ein ungemein warmherziges Drehbuch geschrieben, in dem die trotz aller Unterschiede zu einer Familie zusammengewachsenen Charaktere klar im Mittelpunkt stehen und die Story eher Mittel zum Zweck ist. Letzteres liegt auch daran, daß der High Evolutionary ein ziemlich mittelmäßiger Antagonist ist – zwar gut gespielt von Chukwudi Iwuji, aber letztlich doch nur ein typischer größenwahnsinniger Wissenschaftler, der von unseren Helden gestoppt werden muß.

Eine Rolle spielen zudem erneut die bereits aus "Vol. 2" bekannten Sovereign, die sich als eine weitere Schöpfung des High Evolutionary herausstellen. Die Hohepriesterin Ayesha will sich der Guardians mit der Hilfe des künstlich erschaffenen Super-Kriegers Adam Warlock entledigen, was aber nicht so richtig funktioniert. Zwar ist Adam in der Tat sehr mächtig und stellt die Guardians im ersten Aufeinandertreffen vor große Probleme – allerdings ist er geistig noch ein Kind und entsprechend unerfahren, naiv und leicht beeinflußbar. Will Poulter interpretiert die Rolle mit der richtigen Kombination aus Selbstbewußtsein, Charisma und Unschuld und stellt damit eine willkommene Erweiterung der Besetzung dar. Dazu gibt es noch eine Unmenge an überwiegend toll gestalteten neuen Kreaturen und Aliens, von denen mir rein optisch die von Judy Greer ("Halloween") gesprochene War Pig am besten gefallen hat. Trotz des mediokren Oberbösewichts entwickelt sich zudem die Handlung ziemlich unvorhersehbar und ist von Gunn so geschickt konstruiert, daß am Ende alle Storystränge harmonisch zusammenlaufen. Dieses Ende fällt erwartungsgemäß actionreich aus, aber die Action ist kreativ und humorvoll gestaltet und in Szene gesetzt, weshalb dem Publikum niemals auch nur ansatzweise langweilig werden kann – zumal Gunn natürlich auch wieder eine erstklassige Songauswahl zwischen Klassikern und wenig bekannten Geheimtips zusammengestellt hat, die von Earth, Wind & Fire über Alice Cooper, Bruce Springsteen und Radiohead bis hin zu Florence + the Machine reicht. Ohne zu viel zu verraten, kann ich auch versichern, daß James Gunn ein äußerst gelungenes, rundes und hochgradig emotionales Ende seiner wegweisenden Trilogie hinbekommen hat, das zwar definitiv das Ende der Guardians in dieser Ausprägung bedeutet, aber zugleich jede Menge Möglichkeiten für eventuelle weitere Abenteuer der einzelnen Charaktere offenlässt. Für Drax und Gamora ist "Guardians of the Galaxy Vol. 3" aller Voraussicht nach das Ende, denn die Darsteller Dave Bautista ("Hotel Artemis") und Zoe Saldana haben bereits ihren Abschied von ihren Rollen verkündet (was ich gerade bei Drax sehr bedauere). Chris Pratt und Karen Gillan hingegen wollen erklärtermaßen als Star-Lord respektive Nebula weitermachen. Ich hoffe sehr, daß sie auch ohne Drehbücher von James Gunn einen neuen Platz im MCU finden.

Fazit: "Guardians of the Galaxy Vol. 3" ist ein wunderbares, so humorvolles wie emotionales Weltraumabenteuer und damit der erhofft grandiose Abschluß der besten Trilogie innerhalb des Marvel Cinematic Universe.

Wertung: 9 Punkte.


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