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Donnerstag, 1. Dezember 2016

CAFÉ SOCIETY (2016)

Regie und Drehbuch: Woody Allen
Darsteller: Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Steve Carell, Corey Stoll, Blake Lively, Jeannie Berlin, Ken Stott, Paul Schneider, Parker Posey, Anna Camp, Richard Portnow, Sari Lennick, Stephen Kunken, Sheryl Lee, Tony Sirico
 Café Society
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 71% (6,1); weltweites Einspielergebnis: $43,8 Mio.
FSK: 12, Dauer: 96 Minuten.

In den 1930er Jahren entschließt sich der aus einer jüdischen New Yorker Familie stammende Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg, "The Social Network"), auf gut Glück nach Los Angeles zu ziehen, wo sein Onkel Phil (Steve Carell, "Ganz weit hinten") erfolgreich als Schauspielagent tätig ist. Auch Bobby will irgendwie in die Filmindustrie kommen und überredet Phil deshalb, ihn erst einmal als Laufbursche zu beschäftigen. Dabei lernt er viele große Hollywood-Stars kennen, aber auch Phils hübsche, bodenständige Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart, "Snow White and the Huntsman"), in die er sich sofort verliebt – obwohl sie bereits einen Freund hat. Bobby bleibt jedoch hartnäckig in seinem Werben und hofft, sie davon überzeugen zu können, ihn zu heiraten und mit ihm nach New York zu ziehen, wo er bei seinem älteren Bruder Ben (Corey Stoll, "Ant-Man") einen besseren Job bekommen könnte; denn Ben ist im weitesten Sinne in der Gastronomie-Branche tätig (ein deutlicher Euphemismus für: Er ist ein Gangster!) und hat kürzlich einen bereits sehr beliebten Nachtclub eröffnet …

Kritik:
"Café Society" ist im Grunde genommen das Musterexemplar eines Films, den man als "ganz nett" einstuft. Doch wenngleich das im Normalfall nicht das schlechteste Label ist, das man angeheftet bekommen kann, liegt es doch unter dem durchschnittlichen Niveau von Altmeister Woody Allen und ist folglich eher eine Enttäuschung. Zwar hat Allen fraglos schlechtere Filme gedreht (z.B. "Ich sehe den Mann deiner Träume"), aber obwohl er in "Café Society" die 1930er Jahre und den Unterschied zwischen New York und Hollywood optisch und akustisch (u.a. mit etlichen Liedern des in der Handlung mehrfach erwähnten Broadway-Songwriterduos Rodgers and Hart, von denen "The Lady is a Tramp" das bekanneste ist) überzeugend rüberbringt und einmal mehr ein starkes Schauspieler-Ensemble um sich versammelt hat, verhält es sich mit der Handlung in etwa so wie mit der für Woody Allen obligatorischen leichten Jazz-Musik, die sie begleitet: Sie plätschert vor sich hin.

Nun ist Woody Allen natürlich auch nicht unbedingt bekannt für die spektakulärsten Storylines, sondern eher für präzise, intelligente und vor allem humorvolle Alltagsbeobachtungen, bei denen die eigentliche Handlung häufig bestenfalls die zweite Geige spielt – doch selbst für Allens Verhältnisse geschieht in "Café Society" bemerkenswert wenig Bemerkenswertes. Zumindest verläuft die holprige Liebesgeschichte von Bobby und Vonnie nicht in komplett ausgetretenen Bahnen, sondern entwickelt sich (realistischerweise) durchaus recht unerwartet. Aber obwohl Jesse Eisenberg und die hier stark aufspielende Kristen Stewart gut miteinander harmonieren, gelingt es Allen nie, ihren hindernisreichen Kampf ums Liebesglück so emotional aufzuladen, daß er das Publikum wirklich mitreißen würde. Wie gesagt: Es plätschert so vor sich hin, mal neigt sich das Glücksbarometer auf die eine Seite, dann wieder auf die andere, echte Dramatik kommt nie auf, was neben Allens ungewohnt nüchterner Inszenierung auch der vergleichsweise fragmentarischen Erzählweise mit Zeitsprüngen anzulasten ist. Selbst die Dialoge erreichen die meiste Zeit über bestenfalls durchschnittliches Allen-Niveau und sorgen weder für echte Lacher noch für tiefere Einsichten.

Kenner des Hollywoods der 1930er Jahre dürfen sich immerhin über zahlreiche Anspielungen und subtile Verweise freuen (etwa auf Paul Munis Karrierestart im Theater oder Errol Flynns bekannte Vorliebe für sehr junge Gespielinnen) – allerdings gehen die meist kaum über bloßes "Namedropping" hinaus, weshalb auch diejenigen, die keine Ahnung von der damaligen Filmära haben, nicht wirklich viel verpassen. Allens Entscheidung, die Stars nur ständig zu erwähnen, aber nicht aktiv teilhaben zu lassen (anders als in seinem zauberhaften "Midnight in Paris", in dem Künstlergrößen wie Ernest Hemingway, Pablo Picasso oder F. Scott Fitzgerald auftreten), ist in dieser Hinsicht auch nicht unbedingt hilfreich. Für den nötigen Humor sorgen so vor allem die Nebenhandlungsstränge, wobei neben dem reichen Ehepaar Rad (Parker Posey, "Irrational Man") und Steve (Paul Schneider, "Wasser für die Elefanten"), mit dem sich Bobby in Los Angeles anfreundet, und seinen Eltern Rose (Jeannie Berlin, "Inherent Vice") und Marty (Ken Stott, "Der Hobbit") vor allem sein Gangster-Bruder Ben hervorsticht, dessen recht radikale Problemlösungsmethoden von Allen herrlich trocken präsentiert werden. Um "Café Society" aus dem Mittelmaß herauszuhieven, reicht das allerdings nicht aus.

Fazit: Woody Allens "Café Society" ist eine nette 1930er Jahre-Komödie, die in gemächlichem Tempo mit guten Darstellern eine unspektakuläre Geschichte erzählt und gar nicht übermäßig lustig ist – aber definitiv … nunja, nett eben.

Wertung: Gut 6 Punkte.


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