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Freitag, 31. Juli 2015

TV-Tips für das Wochenende 31/2015

Eine Sache nervt mich schon ziemlich lange: Die scheinbar unendliche Anzahl von Menschen, die sich darüber beklagen, daß im deutschen Free-TV "doch sowieso nichts Gescheites läuft". Dabei sieht die Wirklichkeit anders aus und es gibt gerade im heutigen Zeitalter unzähliger Sender neben fraglos (vor allem im Nachmittagsprogramm) massig Schrott auch fast täglich qualitative Highlights. Zugegeben, die sind meist gut versteckt (im Nachtprogramm und/oder auf Spartensendern) und häufig Wiederholungen, dennoch: Die Auswahl ist mit Sicherheit größer als die meisten denken und auch die zahlreichen Wiederholungen (gerade richtig alter Filme) finden schließlich immer wieder ein neues Publikum. Natürlich ist mir auch klar, daß ich bei weitem nicht der erste im Internet bin, der auf die Idee kommt, auf vermeintliche oder echte Perlen im TV-Programm hinzuweisen, die sonst gerne übersehen werden (und nebenbei auch gleich auf meine eigenen Rezensionen zu einigen davon). Und ich kann im Moment auch noch nicht voraussagen, wie regelmäßig oder ausführlich ich diese neue Rubrik verfolgen werde, die sich übrigens (zumindest größtenteils) auf Spielfilme beschränken soll; trotzdem will ich es einfach mal versuchen, und dafür bietet sich gleich das kommende Wochenende hervorragend an. Meine Auswahl ist logischerweise rein subjektiv getroffen und soll im Normalfall nur Filme beinhalten, die ich bereits selbst gesehen habe und daher aus erster Hand beurteilen kann. Allerdings möchte ich nur ungern Werke empfehlen, die nur geschnitten gezeigt werden (wie am Sonntag mal wieder "From Dusk Till Dawn", den ich deshalb nicht aufliste).

Samstag, 1. August:
ZDF Neo, 20.15 Uhr: "Arlington Road" (1999)
Im Kino floppte der raffinierte Psycho-Thriller von Mark Pellington trotz seiner Starbesetzung (Jeff Bridges, Tim Robbins), dabei ist die Geschichte eines Uni-Dozenten (Bridges), der den freundlichen neuen Nachbarn (Robbins) verdächtigt, in Wirklichkeit ein Terrorist zu sein, richtig gut.

Servus TV, 22.10 Uhr: "Monster's Ball" (2001)
Für dieses bewegende Drama erhielt Halle Berry 2002 ihren OSCAR, und er war absolut verdient. Marc Forsters Geschichte der Witwe eines hingerichteten Verbrechers (Sean "P. Diddy" Combs), die eine verzweifelte Beziehung mit einem ebenfalls traumatisierten Mann eingeht (Billy Bob Thornton), von dem sie nicht weiß, daß er die Hinrichtung ihres Gatten leitete, ist ganz schwere Kost, kein Zweifel. Doch allein die leidenschaftliche Darstellungskunst von Berry und Thornton reicht vollkommen aus, um diesen Film lange nicht zu vergessen.

RTL II, 22.50 Uhr: "Scream – Schrei!" (1996)
Wes Cravens vorübergehende Wiederbelebung der Slasherfilme im Stil der 1980er Jahre durch den Einbezug einer höchst amüsanten selbstironischen und selbstreferentiellen Note ist häufig im Programm zu finden. Dieses Mal könnte es allerdings eine Premiere geben, denn während im Free-TV bislang stets eine geschnittene Version zu sehen war, könnte nach der kürzlichen Änderung der Altersfreigabe auf FSK16 erstmals die unzensierte Version des Films mit Neve Campbell, Drew Barrymore und Liev Schreiber zu sehen sein! Gleich im Anschluß zeigt RTL II übrigens auch den ebenfalls sehr sehenswerten zweiten und den noch akzeptablen dritten Teil.

ZDF, 23.35 Uhr: "Léon – Der Profi" (1994)
Luc Bessons frühes Meisterwerk darf sich mit Fug und Recht als Klassiker des Gangsterfilms bezeichnen. Und doch ist Besson mit seinem Werk weit mehr als "nur" noch ein Gangsterfilm gelungen. Denn neben der actionreichen Geschichte des im Zentrum stehenden Anti-Helden Léon, der seine Brötchen als Auftragskiller in New York verdient und ins Visier eines ebenso korrupten wie skrupellosen Bundesagenten (Gary Oldman) gerät, steht ganz besonders die ungewöhnliche Beziehung zwischen Léon und der frühreifen 12-jährigen Mathilda im Zentrum, derer sich der Killer nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern widerwillig annimmt. Und das ist so gefühlvoll inszeniert und von den beiden Hauptdarstellern Jean Reno und Natalie Portman (für die ihre Rolle den frühen Durchbruch zum Star bedeutete) so wunderbar gespielt, daß man die Erzählung auch gut und gerne ein Dutzend Mal ansehen kann, ohne ihrer überdrüssig zu werden. Kurzum: Ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte (und der nicht ohne Grund in der IMDb Top250 der besten Filme aller Zeiten aktuell auf Platz 27 steht)!

3sat, 0.10 Uhr: "Devil's Backbone" (2001)
Das Frühwerk des mexikanischen "Pans Labyrinth"-Regisseurs Guillermo del Toro ist ein ungemein atmosphärischer Gruselfilm über einen Jungen, der in den 1930er Jahren während des spanischen Bürgerkrieges in ein Waisenhaus kommt, in dem es offenbar spukt.

Außerdem:
21 Jump Street (Actionkomödie mit Channing Tatum und Jonah Hill, RTL um 20.15 Uhr)
My Week with Marilyn (Tragikomödie mit Michelle Williams, Eddie Redmayne und Kenneth Branagh, VOX um 20.15 Uhr) 
Excision (schwarzhumoriges Horror-Familiendrama mit AnnaLynne McCord, 3sat um 3.10 Uhr nachts)

Sonntag, 2. August:
Arte, 20.15 Uhr: "Lockende Versuchung" (1956)
Wer das schwelgerisch inszenierte und im ländlichen England spielende erste Filmdrittel von Steven Spielbergs "Gefährten" mochte, der sollte sich dieses für sechs OSCARs nominierte Epos aus der Goldenen Ära Hollywoods nicht entgehen lassen: Gary Cooper verkörpert darin den friedliebenden Familienvater Jesse, der mit seiner Familie ein idyllisches Leben als Farmer führt. Bis der Bürgerkrieg beginnt. Da Jesse und seine Familie Quäker sind, verbietet ihnen ihre Religion die Gewaltanwendung; doch als eine Truppe der Südstaaten sich der Farm nähert, muß jeder für sich eine Entscheidung treffen zwischen religiösen und moralischen Prinzipien und purem Überlebenswillen. William Wyler verstand es wie kaum ein anderer Regisseur, abenteuerliche Geschichten mit Herz und Anspruch in monumentale Breitwandbilder zu kleiden – "Lockende Versuchung" zählt noch nicht einmal zu seinen allerbesten Filmen (kein Wunder, wenn man außerdem Klassiker wie "Ben-Hur", "Weites Land", "Ein Herz und eine Krone", "Mrs. Miniver", "Infam" oder "Die besten Jahre unseres Leben" zu seiner Filmographie zählen kann ...) und kommt aus heutiger Sicht vielleicht etwas naiv daher, ist aber trotzdem immer noch ein richtig schönes Abenteuer, wie es heute gar nicht mehr gedreht wird.

BR, 22.10 Uhr: "Zwei hinreißend verdorbene Schurken" (1988)
Sir Michael Caine und Steve Martin verkörpern die Titelrollen in dieser leichten, aber extrem witzigen Gaunerkomödie, die übrigens das Remake eines Films von 1964 mit Marlon Brando ist. Die beiden charmanten Schurken starten einen Wettstreit, mit dem sie endgültig klären wollen, wer von ihnen mehr drauf hat: Wem es gelingt, eine reiche Erbin nach allen Regeln der Kunst auszunehmen, der hat gewonnen. Und die Bemühungen, deren Vertrauen zu gewinnen und den jeweiligen Konkurrenten immer wieder zu übertrumpfen, hat Regisseur Frank Oz so spritzig und rasant in Szene gesetzt, daß man aus dem Lachen oder zumindest Schmunzeln kaum herauskommt.

3sat, 0.20 Uhr: "Donnie Darko" (2001)
Kaum zu glauben, daß es schon 14 Jahre her ist, daß Jake Gyllenhaal als Hauptdarsteller dieses skurrilen Genremixes so richtig die Bühne der Filmwelt betrat. Leider konnte Regisseur und Autor Richard Kelly das qualitative Versprechen, das er mit diesem mal witzigen, mal verstörenden, aber immer faszinierenden Meisterwerk rund um einen Teenager, dem von einem Plüschhasen in Menschengröße das Ende der Welt prophezeit wird, gab, mit seinen folgenden Filmen ("Southland Tales", "The Box") nicht ansatzweise halten. Aber eine Warnung: Wer Geschichten ohne eindeutiges Ende nicht ausstehen kann, der sollte um "Donnie Darko" einen weiten Bogen machen; denn mit der Deutung dieses Films kann man Stunden, Tage, Wochen oder gar Monate verbringen, ohne zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen ...

Außerdem:
The Descendants (Tragikomödie mit George Clooney und Shailene Woodley, ZDF um 15.15 Uhr)
Mission: Impossible – Phantom Protokoll (Actionfilm mit Tom Cruise, Pro7 um 20.15 Uhr)
Beasts of the Southern Wild (OSCAR-nominiertes Independent-Drama, Servus TV um 23.05 Uhr)

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