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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 30. Dezember 2014

MAGIC IN THE MOONLIGHT (2014)

Regie und Drehbuch: Woody Allen
Darsteller: Colin Firth, Emma Stone, Eileen Atkins, Simon McBurney, Jacki Weaver, Hamish Linklater, Marcia Gay Harden, Catherine McCormack, Erica Leerhsen, Jeremy Shamos, Lionel Abelanski, Ute Lemper, Wolfgang Pissors
 Magic in the Moonlight
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 52% (5,8); weltweites Einspielergebnis: $51,0 Mio.
FSK: 0, Dauer: 98 Minuten.

Wir schreiben das Jahr 1928: Der Brite Stanley Crawford (Colin Firth, "A Single Man") ist ein sehr populärer Showmagier, der als chinesischer Illusionist Wei Ling Soo auftritt und soeben in Berlin eine erfolgreiche Tour abgeschlossen hat. Eigentlich will er nun mit seiner Verlobten Olivia (Catherine McCormack, "Braveheart") in Urlaub auf die Galapagos-Inseln fahren, jedoch fängt ihn nach seiner letzten Show sein alter Schulfreund Howard Burkan (Simon McBurney, "Dame, König, As, Spion") ab, der ebenfalls ein Showmagier ist, wenn auch nicht so berühmt wie Stanley. Freunde in Frankreich haben Howard gebeten, das vorgebliche Medium Sophie Baker (Emma Stone, "Einfach zu haben") zu entlarven, das in deren Anwesen an der Côte d'Azur die reiche Witwe Grace (Jacki Weaver, "Silver Linings") und ihren Sohn Brice (Hamish Linklater, TV-Serie "The Crazy Ones") in ihren Bann gezogen hat. Da es Howard partout nicht gelingt, Sophie und ihre Manager-Mutter (Marcia Gay Harden, "Mystic River") des Betruges zu überführen, bittet er seinen alten Freund Stanley um Hilfe – denn der überzeugte Snob hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, magische Künste und sonstiges Übernatürliches mit Fakten und wissenschaftlichen Methoden als Nonsens zu enthüllen. An Sophie scheint sich Stanley allerdings die Zähne auszubeißen; schlimmer noch: Er droht sich in die hübsche junge Frau zu verlieben …

Kritik:
Obwohl selbst ein großer Skeptiker, was alles (vermeintlich oder tatsächlich) Übernatürliche oder Religiöse betrifft, scheint die Thematik Woody Allen doch sehr zu interessieren – oder ihm zumindest geeignet als Grundstoff für seine Komödien zu sein. Der Tod beispielsweise hatte schon in mehreren seiner Filme einen Auftritt ("Die letzte Nacht des Boris Gruschenko"), auch Geister kamen schon vor ("Scoop"), Zeitreisen ("Midnight in Paris"), ein fieser Hypnotiseur ("Im Bann des Jade Skorpions"), eine Wahrsagerin ("Ich sehe den Mann Deiner Träume") – und nun ist ein angebliches Medium an der Reihe. Es läßt sich kaum ein Urteil fällen, ob Allen das Übernatürliche besonders gut oder schlecht liegt, denn die Qualität der sich damit befassenden Werke variiert stark: "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" (eine zum Brüllen komische Parodie auf "Krieg und Frieden" und ähnliche russische Literaturklassiker) ist mein persönlicher Lieblingsfilm des Meisters, "Midnight in Paris" ist ebenfalls hervorragend, "Im Bann des Jade Skorpions" ist einer der lustigsten Filme des "späten" Woody Allen – dagegen ist "Scoop" eher mittelmäßig geraten und "Ich sehe den Mann deiner Träume" sogar verhältnismäßig schwach. "Magic in the Moonlight" reiht sich irgendwo in der Mitte ein: Es ist eine leise, unspektakuläre romantische Komödie, die nur wenige echte Lacher hervorbringt (Stanleys Reaktion auf seinen mißglückten Versuch, einen defekten Automotor zu reparieren, ist einfach herrlich), aber immer wieder zum Schmunzeln einlädt. Die Massen (oder die OSCAR-Juroren) begeistert man damit nicht, die meisten Fans des Filmemachers sollten sich aber ordentlich unterhalten fühlen.

Eröffnet wird "Magic in the Moonlight" mit einem Prolog in Berlin, womit – sofern mich mein Gedächtnis nicht trügt – erstmals ein Woody Allen-Film in Deutschland spielt; allerdings mit der Einschränkung, daß die entsprechenden Szenen nicht in Deutschland, sondern in einem französischen Hotel gedreht wurden. Immerhin darf Musical-Weltstar Ute Lemper ein deutsches Lied vortragen ("Alles Schwindel", das eigentlich erst 1931 veröffentlicht wurde). Nach einem kurzen Zwischenstop in London, der mich mit einem – leider auf nur eine Szene beschränkten – willkommenen Wiedersehen mit der einstigen tragischen "Braveheart"-Schönheit Catherine McCormack (die sich in den letzten Jahren sehr rar gemacht hat) erfreut hat, geht es auch schon weiter zum Haupt-Schauplatz von "Magic in the Moonlight": der idyllischen Côte d'Azur im Süden Frankreichs, die Kameramann Darius Khondji ("To Rome with Love") ausreichend Gelegenheit für einige schöne Panoramaaufnahmen gibt.

Während wir bis dahin den brillanten, aber sehr überheblichen Stanley näher kennenlernen durften, kommt nun nun das schöne Medium Sophie Baker ins Spiel – und wie erhofft führt der Zusammenprall der vermeintlich übernatürlich Begabten mit dem überzeugten Skeptiker und Wissenschafts-Anhänger zu einigen schlagfertigen Dialogen. Aber alles in allem geht das Kennenlernen erstaunlich harmonisch über die Bühne, da Sophie sich sehr verständnisvoll gibt und auch die übrigen Anwesenden sich nicht wirklich brüskiert fühlen durch Stanleys wenig einfühlsames Verhalten. Da wird sicher einiges an humoristischem Potential liegengelassen – es wird aber auch schnell offenbar, daß für Woody Allen bei diesem Film gar nicht die Komik im Vordergrund steht, sondern eher das Gefühl. Nun mag man die sich anbahnende Romanze angesichts des Altersunterschieds von fast 30 Jahren zwischen den Schauspielern Firth und Stone unrealistisch finden oder auch nicht, aber man nimmt den beiden die sich entwickelnden Gefühle füreinander durchaus ab. Es ist ja auch nicht so, als ob es solche Beziehungen in der Realität nicht gäbe; und daß Sophie sich durch den gebildeten, hochintelligenten, berühmten, recht wohlhabenden und nicht zuletzt gutaussehenden Stanley angezogen fühlt, kann man psychologisch schon nachvollziehen. Daß umgekehrt die bloße Tatsache, daß Sophie ein ausgesprochen hübsches junges Ding ist, schon ausreicht, um Stanley zu betören, dürfte erst recht glaubwürdig sein. Ja, wir Männer sind nunmal (manchmal? oft?) so einfach gestrickt …

Filme über die Liebe sind bekanntlich nichts Neues für Woody Allen, dennoch ist "Magic in the Moonlight" ein wenig anders als das, was man von ihm gewohnt ist. Überraschend harmonisch und vergleichsweise arm an Zynismus präsentiert Allen diese zarte Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, was Herkunft, Weltsicht und Bildung betrifft. Man könnte fast meinen, der Meister wäre altersmilde geworden. Ob das Publikum von dieser Altersmilde profitiert, darüber läßt sich vortrefflich streiten. Im Vergleich zu den großen Klassikern der romantischen Komödie kommt "Magic in the Moonlight" doch arg bieder daher, wirklich magische Momente gelingen kaum einmal. Das kann Allen deutlich besser, wenn er in den Dialogen seine bissigere Seite auslebt, wie er es von "Der Stadtneurotiker" über "Vicky Cristina Barcelona" oder "Whatever Works" bis hin zu "Midnight in Paris" wieder und wieder bewiesen hat. Zumal die Auflösung der Medium-Geschichte zumindest für all jene extrem offensichtlich sein dürfte, die sich mit den Werken Woody Allens auskennen. Dennoch kann man diesem Film kaum böse sein; ja, er könnte temporeicher sein, witziger, bissiger, auch romantischer – aber auch so, wie er ist, bietet er angenehm leichten Sehgenuß.

Für Colin Firth ist der überhebliche Stanley Crawford eine Paraderolle, für die er sich vermutlich nicht mal sonderlich anstrengen mußte. Schließlich hat er ähnliche Figuren in Filmen, die in der Vergangenheit spielen, schon oft gespielt – vor allem sein Mr. Darcy in der BBC-Mini-Serie "Stolz und Vorurteil" kommt einem da in den Sinn, aber auch Jack Worthing in der vortrefflichen Oscar Wilde-Adaption "Ernst sein ist alles". Schauspielerisch wird Firth hier ebenso wie seine Leinwandpartnerin Emma Stone nur begrenzt gefordert, aber das ist auch gar nicht nötig. Die beiden harmonieren ganz gut miteinander, und damit funktioniert diese romantische Komödie. Schade ist dagegen, daß die Nebendarsteller – die sowohl bei Woody Allen als auch generell in romantischen Komödien oft einen sehr wichtigen humoristischen Part einnehmen – kaum erinnerungswürdig gestaltet sind. Am ehesten kann noch Simon McBurney als Stanleys alter Freund Howard punkten, Hamish Linklater hat als verliebter Ukulele-spielender Brice zumindest ein paar ganz nette Szenen als Witzfigur; speziell OSCAR-Gewinnerin Marcia Gay Harden ist als Sophies Mutter hingegen komplett verschenkt, was bei einer Schauspielerin ihren Formats eine echte Schande ist.

Fazit: "Magic in the Moonlight" ist für Woody Allens Verhältnisse ein durchschnittlicher und recht gemächlicher Film, der aber als charmante romantische Komödie allemal gut eineinhalb Stunden kurzweiliger Unterhaltung bietet.

Wertung: 6 Punkte.


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