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Montag, 3. Februar 2014

Media Monday #136 In Memoriam Philip Seymour Hoffman


Eigentlich wollte ich diese Woche auf die Teilnahme am Media Monday verzichten, weil ich nach zwei gestern verfaßten Nachrufen zu großartigen Schauspielern wirklich nicht in der Stimmung für Frage- und Antwort-Spielchen bin. Aber da die Ausgabe 136 von Wulf vom Medienjournal ausdrücklich Philip Seymour Hoffman gewidmet ist, paßt es ja doch irgendwie:

1. Philip Seymour Hoffman wird mir zuvorderst in seiner Rolle als Father Brendan Flynn in John Patrick Shanleys "Glaubensfrage" in bester Erinnerung bleiben, weil er die ambivalente Rolle des gutmütigen, aber ohne jede Beweise des sexuellen Mißbrauchs von Kindern verdächtigten Priesters extrem nuanciert und einfühlsam und einfach brillant verkörpert hat und vor allem die eloquenten, explosiven Rededuelle mit seiner Film-Antagonistin Meryl Streep ein Fest der Schauspielkunst sind.
2. Aber auch der Film "Tödliche Entscheidung" von Sidney Lumet unter Beteiligung von Hoffman ist ein äußerst sehenswerter Film, weil sich die im Kern simple und sperrig erzählte Thriller-Geschichte auch dank Hoffmans intensiver Darbietung neben Ethan Hawke und Marisa Tomei zu einer Tragödie beinahe altgriechischen Ausmaßes entwickelt. Selbstverständlich sollte man auch Hoffmans OSCAR-Rolle als "Capote" nennen, aber den Film an sich fand ich gar nicht so großartig.
3. Letzte Worte zum Tod eines – meiner Meinung nach – großartigen Schauspielers, der es noch weit hätte bringen können und wie so viele leider viel zu früh gehen musste: Da verweise ich auf meinen noch in der Nacht verfaßten Nachruf.
4. Während die Todesursache noch längst nicht offiziell mitgeteilt worden ist, wird allerorten bereits heiter spekuliert und von einer Überdosis Drogen ausgegangen. Ob richtig oder nicht, tut so eine öffentliche Zurschaustellung, so ein Breittreten der mutmaßlichen Todesumstände einer Person des öffentlichen Lebens wirklich not? Wie ist eure Meinung? Grundsätzlich hat die Öffentlichkeit kein Anrecht auf eine solche Information, aber wenn es wirklich Drogen waren, dann könnte eine breite Berichterstattung vielleicht wenigstens eine gewisse abschreckende Wirkung erzielen. Wobei das bei Heath Ledger und all den anderen, die an den Folgen ihres Drogenkonsums viel zu jung gestorben sind, natürlich auch nicht funktioniert hat. Zumindest nicht längerfristig.
5. Fernab jeder Pietätlosigkeit schreibt allerdings – wie ich finde – ________ oft sehr schöne Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie zum Beispiel ________ . Ich lese zwar immer wieder mal gelungene Nachrufe, aber entweder achte ich da nie auf die Autoren oder sie stammen aus unterschiedlichen Federn. Jedenfalls ist mir bisher niemand im Gedächtnis geblieben.
6. Kommt nur mir das so vor, oder häufen sich in der letzten Zeit die tragischen Todesfälle? Oder liegt es vielleicht vielmehr an der wachsenden Verbreitung Sozialer Netze, dass man derartige Nachrichten ganz anders oder unmittelbarer wahrnimmt? Was meint ihr dazu? Die prominenten Todesfälle, gerade wenn es Leute aus der Filmbranche betrifft, scheinen wirklich oft in Wellen zu kommen. Ich sehe das aber nüchtern und betrachte es als puren Zufall. Ich glaube auch nicht, daß das Internet da größere Bedeutung hat. Wenn es weltweite Stars betrifft, würde sich das auch ohne Internet schnell verbreiten; und wenn es nicht ganz so bekannte Leute sind, dann ist es "dem Internet" auch egal (oder habe ich etwa die Aufregung um die Tode von Giuliano Gemma oder Georges Lautner in den letzten Monaten nur verpaßt?) ...
7. Meine zuletzt gesehener Film mit Philip Seymour Hoffman war "Catching Fire" und der war deutlich besser als der erste Teil "The Hunger Games", weil trotz einer leicht repetitiven Story erfreulicherweise größeres Augenmerk auf die gesellschaftliche und politische Situation gelegt wird und sich das Ganze deshalb viel stärker wie eine erwachsene Dystopie als wie ein Teeniefilm in dezenter Endzeitatmosphäre anfühlt.

Kommentare:

  1. Zu 4.: Man kann halt schwer ermitteln, ob Berichterstattung über Drogentode einzelne positive Schicksalswendungen zur Folge haben oder nicht. Auch wenn man es statistisch nicht nachweisen kann, heisst das nicht, dass es sie vereinzelt nicht gibt. Wenn man pathetisch werden wollen würde, könnte man jetzt hier das berühmte "Schindlers Liste"-Zitat anbringen.

    "Glaubensfrage" ist mir auch in Erinnerung geblieben. Ziemlich einfach inszeniert, aber gerade deswegen funktioniert er so gut. "Tödliche Entscheidung" habe ich vor rund 2 Jahen mal gesehen, aber ich könnte jetzt nichtmal mehr sagen, um was es geht. Der war dann aus meiner Sicht vermutlich nicht so denkwürdig. ;)

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    1. "Tödliche Entscheidung" war vielen wohl einfach zu spröde inszeniert, zumal er erst gegen Ende richtig Fahrt aufnimmt. Aber das letzte Drittel und die Schauspielleistungen insgesamt fand ich grandios. Ich bin aber halt einfach ein großer Fan von "Schauspieler-Filmen", da sehe ich dann auch über manche erzählerische Schwäche hinweg ...

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