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Donnerstag, 5. Dezember 2013

BURN AFTER READING (2008)

Regie und Drehbuch: Joel und Ethan Coen, Musik: Carter Burwell
Darsteller: Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich, George Clooney, Tilda Swinton, Richard Jenkins, J.K. Simmons, Elizabeth Marvel, David Rasche, Olek Krupa, Kevin Sussman, Jeffrey DeMunn, Dermot Mulroney
 Burn After Reading
(2008) on IMDb Rotten Tomatoes: 78% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $163,7 Mio.
FSK: 12, Dauer: 96 Minuten.

Als die nicht allzu hellen Fitneßstudio-Angestellten Chad (Brad Pitt, "World War Z") und Linda (Frances McDormand, "Fargo") eines Tages in den Umkleideräumen eine CD finden, auf der sich die Memoiren des Ex-CIA-Agenten Osbourne Cox (John Malkovich, "Eragon") befinden, glauben sie, hochbrisantes Material in Händen zu halten – und wollen Cox damit erpressen. Der denkt gar nicht daran zu zahlen, doch da sich nach und nach eine ganze Reihe weiterer Personen in die Angelegenheit einmischt – darunter Osbournes Noch-Ehefrau (Tilda Swinton, "Moonrise Kingdom") und ihr Geliebter (George Clooney, "The Ides of March") – wird die Situation immer komplizierter und letztlich auch blutiger ...

Kritik:
Wie so viele Filme der Coen-Brüder ("The Big Lebowski", "A Serious Man", "Fargo") bezieht auch die amüsante Spionage-Komödie "Burn After Reading" einen Gutteil ihres Reizes aus den höchst skurrilen Charakteren. In diesem Fall liegt der Witz vor allem darin, daß erwachsene und eigentlich ziemlich lebenserfahrene Männer und Frauen die ganze Zeit über handeln wie ein durchschnittlicher Teenager: wenig nachvollziehbar, dafür einhundertprozentig hormongetrieben (Lindas Motivation für die gefährliche Erpressung ist es beispielsweise, endlich genügend Geld für eine Schönheits-OP aufzutreiben). Das eineinhalb Stunden lang mitanzusehen ist mitunter etwas anstrengend und ganz sicher nicht so intelligent wie manch anderes Coen-Werk, aber über weite Strecken einfach trotzdem sehr witzig.

Besonders interessant wird das fast durch die Bank weg unterbelichtete Figurenensemble naturgemäß durch die hochkarätige Besetzung. Brad Pitt beispielsweise verriet in Interviews, daß er zunächst etwas beleidigt gewesen sei, als ihm von den Coens eine Rolle als tumber Schönling angeboten wurde – entspricht diese doch genau den Vorurteilen, die zu Beginn seiner Karriere gegen ihn gepflegt wurden. Glücklicherweise sah er auch die parodistischen Möglichkeiten einer solchen Figur, sagte deshalb zu und interpretiert seine Rolle nun mit sichtlicher Begeisterung. Ähnlich ist es bei George Clooney, der im Grunde genommen seine OSCAR-prämierte "Syriana"-Rolle als taffer CIA-Agent parodiert. Eindeutiges Highlight der Besetzung ist für mich allerdings John Malkovich in der Hauptrolle. Malkovich paßt dermaßen perfekt zum schrägen Humor der Coen-Brüder, daß man sich nur fragen kann, warum es so lange bis zu ihrer ersten Zusammenarbeit gedauert hat.

Das einzige Problem von "Burn after Reading" ist, daß die Handlung mit der Figurenzeichnung und dem Humor leider nicht Schritt hält. Offensichtlich ist die absurde Story klar vom in den USA breit diskutierten (vermeintlichen) CIA-Versagen vor und nach den 9/11-Terroranschlägen geprägt und sorgt in dieser Hinsicht auch für so manchen bösen Lacher. Insgesamt ist die von Carter Burwells verspielter Musik passend untermalte Geschichte jedoch sehr dünn und verläßt sich zu sehr auf die Figuren und ihre Darsteller, nimmt zudem erst gegen Ende deutlich an Fahrt auf. Angesichts dessen ist "Burn After Reading" zwar wieder einmal amüsantes Starkino der Coens, kommt aber nicht an frühere Meisterwerke der Brüder heran.

Fazit: "Burn After Reading" ist eine schwarzhumorige, aber doch vergleichsweise harmlose Spionage-Komödie, die vor allem von ihren unkonventionellen, da herrlich doofen Figuren und der äußerst spielfreudigen, hochkarätigen Besetzung lebt.

Wertung: 7,5 Punkte.


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