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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 13. März 2013

KINOVORSCHAU SOMMER 2013 (TEIL 1)

Letztes Update vom 18. Mai 2013: Neu am 13. Juni ist der britische Arthouse-Horrorfilm "Berberian Sound Studio".

Auch wenn gefühlt (und kalendarisch) noch nicht einmal der Frühling begonnen hat und in den nächsten Wochen noch einige interessante Filme starten: In nicht einmal zwei Monaten steht bereits die neue Kino-Sommersaison bevor. Zwar fehlen 2013 absolute Franchise-Highlights á la "The Avengers" oder "The Dark Knight Rises", aber mit unter anderem einem neuen "Star Trek"-Film, einem "Superman"-Reboot und dem Finale der "Hangover"-Trilogie werden die Kassen mit Sicherheit auch in diesem Jahr wieder kräftig klingeln. In diesem ersten Teil meiner Sommervorschau für Deutschland widme ich mich den Monaten Mai und Juni, Juli und August werden dann voraussichtlich kommende Woche in Teil 2 folgen.

Eine kurze Erläuterung zu meiner Filmauswahl (den gesamten Startplan ohne Ausführungen zu einzelnen Werken gibt es bei InsideKino): Grundsätzlich gibt es drei Kategorien von Filmen, die ich hier aufliste: Erstens die namhaften Produktionen, die in einer solchen Übersicht einfach nicht fehlen dürfen, egal wie uninteressant ich selbst sie eventuell finde; zweitens solche, die in anderen Ländern bereits gelaufen sind und dabei gute Kritiken erhalten haben; und drittens kleinere Filme, die ich persönlich wegen ihrer Thematik und/oder ihrer Besetzung/Regie sehr vielversprechend finde. Eventuelle Terminänderungen oder kurzfristig angesetzte Filme werde ich in der Regel samstags in Form von Updates in diese Vorschau einpflegen.

2. Mai:
Der zweite Teil der Abenteuer des von Robert Downey Jr. in seiner gewohnt verschmitzten Art und Weise verkörperten exzentrischen Unternehmers und Superhelden Tony Stark hinterließ einen leicht fahlen Nachgeschmack. Doch durch den letztjährigen Über-Blockbuster "The Avengers" sollte sich das kaum auf die Nachfrage nach dem dritten Solo-Auftritt von Iron Man auswirken. Zwar ist Jon Favreau, Regisseur der ersten beiden Filme, diesmal nur noch als Schauspieler in seiner Nebenrolle als "Happy" Hogan mit dabei, doch sein Nachfolger im Regiestuhl läßt auf Großes hoffen: Shane Black (der gemeinsam mit Drew Pearce auch das Drehbuch beigesteuert hat) hat sich als Schöpfer der kultigen "Lethal Weapon"-Reihe bereits vor fast 30 Jahren (damals als Mittzwanziger!) seinen Platz in der Kinohistorie verdient, 2005 zeigte er mit seinem Regiedebüt "Kiss Kiss Bang Bang", daß er in der Zwischenzeit nichts verlernt hat. Da diese launige schwarze Komödie nebenbei auch das unglaubliche Comeback von Hauptdarsteller Downey nach diversen Drogen- und Alkoholeskapaden (die vorübergehend seine Versicherungssumme in dermaßen astronomische Höhen katapultierten, daß er als nahezu unvermittelbar galt) einläutete, ist Black eine umso logischere Wahl als neuer starker Mann hinter den Kulissen von "Iron Man". Ob er diesen Vorschußlorbeeren gerecht werden kann, wird sich Anfang Mai erweisen, denn "Iron Man 3" ist der inoffizielle Eröffnungsfilm der Blockbuster-Saison 2013. Inhaltlich wird mit Informationen wieder einmal sehr knauserig umgegangen, klar ist jedoch, daß es mit dem von Sir Ben Kingsley gespielten Terroristen "The Mandarin" einen mächtigen neuen Antagonisten für Tony Stark geben wird, der von dem Wissenschaftler Aldrich Killian (Guy Pearce, "Memento") unterstützt wird. Gastauftritte von anderen "Avengers" wurden keine angekündigt, aber man weiß ja nie ...

"Saiten des Lebens":
Als Gegenprogramm zum (voraussichtlichen) Spezialeffektgewitter in "Iron Man 3" bekommen Arthouse-Freunde diese leise Tragikomödie des israelisch-amerikanischen Regisseurs Yaron Zilberman geboten. Erzählt wird die Geschichte eines weltbekannten, aber nicht mehr ganz jungen Streichquartetts, dessen ältestes Mitglied an Parkinson erkrankt und deshalb nach 25 Jahren die Gruppe verlassen will. Die grandiose Besetzung umfaßt Christopher Walken ("7 Psychos"), Philip Seymour Hoffman ("Glaubensfrage"), Catherine Keener ("Being John Malkovich") und Mark Ivanir ("Der gute Hirte") als Mitglieder des Quartetts sowie Imogen Poots ("28 Weeks Later") und Wallace Shawn ("Die Braut des Prinzen"). In Nordamerika tourte "Saiten des Lebens" recht erfolgreich durch diverse Herbstfestivals und wurde mit überwiegend guten Kritiken bedacht.

"Passion":
Einst war Brian De Palma mit Filmen wie "Scarface", "Carrie", "Die Verdammten des Krieges" oder "Die Unbestechlichen" einer der heißesten Regisseure in Hollywood. Nach "Mission: Impossible" aus dem Jahr 1996 konnte er mit seinen Filmen (darunter "Mission to Mars" und "Black Dahlia") aber künstlerisch nicht mehr so richtig und kommerziell fast gar nicht mehr überzeugen. Vielleicht gelingt ihm ja mit diesem (auf dem französischen "Liebe und Intrigen" aus dem Jahr 2010 basierenden) Erotik-Thriller ein Comeback, der thematisch immerhin an seine innovativen Anfänge in den 1970er Jahren ("Die Schwestern des Bösen", "Dressed to Kill") erinnert. Die Besetzung der Hauptrollen mit Rachel McAdams ("Midnight in Paris"), Noomi Rapace ("Prometheus") und Karoline Herfurth ("Das Parfum") klingt vielversprechend, die frühen Kritiken nach der Vorführung auf den Festivals in Venedig, Toronto und New York fielen allerdings gemischt aus.

9. Mai:
Nach J.J. Abrams unerwartet erfolgreichem Reboot des altehrwürdigen "Star Trek"-Franchise im Jahr 2009 wird die geheimnisumwitterte Fortsetzung, von der man nicht viel mehr weiß, als daß die Erde zum Ziel eines verheerenden Angriffs wird, besonders heiß erwartet. Alle (überlebenden) essentiellen Figuren aus dem Vorgänger sind wieder mit von der Partie – abgesehen vom alten Spock –, dazu gesellen sich Neuzugänge wie Benedict Cumberbatch ("Dame, König, As, Spion", TV-Serie "Sherlock") als voraussichtlicher Hauptantagonist, Peter Weller ("RoboCop") sowie Alice Eve ("Men in Black 3") als Dr. Carol Marcus. Da Dr. Marcus bereits in "Star Trek II: Der Zorn des Khan" eine Rolle spielte, wurden sofort Spekulationen laut, daß auch J.J. Abrams und seine drei Drehbuch-Autoren Captain Kirk und Co. in ihrem zweiten Leinwandabenteuer auf den ikonischen Bösewicht Khan treffen lassen würden – das wurde von Abrams zwar wiederholt dementiert, gleichzeitig endet der hervorragende Trailer für "Star Trek Into Darkness" aber mit einer unverkennbaren Anspielung auf "Der Zorn des Khan" ...

Park Chan-wook ("Oldboy", "Durst"), einer der einflußreichsten asiatischen Regisseure dieser Zeit, feiert sein englischsprachiges Debüt mit einem Psychothriller nach einem Drehbuch von "Prison Break"-Star Wentworth Miller. Nach dem Unfalltod ihres Vaters zieht der mysteriöse Onkel Charlie (Matthew Goode, "Match Point", "Watchmen") bei India (Mia Wasikowska, "Jane Eyre", "Alice im Wunderland") und ihrer mental angeschlagenen Mutter Evie (OSCAR-Gewinnerin Nicole Kidman) ein. India ist fasziniert von dem ihr bis dahin unbekannten Onkel, doch schon bald beginnt sie seine Motive zu hinterfragen. Dieses Handlungsgerüst mag relativ unspektakulär klingen, doch Millers – nach eigener Aussage vor allem von Hitchcocks "Im Schatten des Zweifels" und (obwohl keine Vampire vorkommen) Bram Stokers "Dracula" inspiriertes – Drehbuch erfuhr von Experten viel Anerkennung. Wenn Park seine großen Qualitäten ausspielt, dann könnte mit "Stoker" auch angesichts der hochkarätigen Besetzung ein potentielles Arthouse-Highlight bevorstehen – die US-Kritiken fielen allerdings "nur" ganz gut aus.

"Smashed":
In James Ponsoldts Tragikomödie geht es um ein junges Ehepaar, dessen Beziehung vor allem darauf fußt, daß beide gerne Spaß haben und reichlich dem Alkohol zusprechen. Als Kate beschließt, dem Alkohol abzuschwören, stellt das ihre Ehe vor eine harte Probe. Die Kritiker loben an dem beim Sundance Filmfestival preisgekrönten Film vor allem die großartige schauspielerische Leistung von Hauptdarstellerin Mary Elizabeth Winstead ("Stirb Langsam 4.0", "Death Proof"), aber auch Aaron Paul (Jesse in der TV-Serie "Breaking Bad") und OSCAR-Gewinnerin Octavia Spencer ("The Help") lassen eindrucksvolles Schauspielerkino erhoffen.

"Hanni & Nanni 3":
Der dritte Teil der erfolgreichen und in den Erwachsenen-Nebenrollen wiederum namhaft besetzten (Katharina Thalbach, Justus von Dohnányi, Hannelore Elsner, Barbara Schöneberger, Konstantin Wecker) Kinder-/Jugendbuchverfilmungen, basierend auf den Romanen von Enid Blyton.

"Schimpansen":
Tierdokus erfreuen sich regelmäßig großer Beliebtheit, vielleicht schafft es auch diese von den "Unsere Erde"-Regisseuren Alastair Fothergill und Mark Linfield zum Genrehit – in den USA gelang das mit einem bemerkenswerten Einspielergebnis von knapp $30 Mio. jedenfalls.

16. Mai:
Der Australier Baz Luhrmann läßt sich ziemlich viel Zeit mit seinen Filmen, die dann aber immer für Aufsehen sorgen – und polarisieren. Ob der Tanzfilm "Strictly Ballroom", die moderne Shakespeare-Adaption "Romeo + Julia", das grandiose Musical "Moulin Rouge!" oder das kommerziell unter den Erwartungen gebliebene Epos "Australia": Luhrmanns ganz eigener, schwelgerischer und extravaganter Stil ist unverkennbar. Sein neuestes Projekt ist eine Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds gesellschaftskritischem Literaturklassiker "Der große Gatsby", dessen letzte Kinoadaption aus dem Jahr 1974 (mit Robert Redford in der Titelrolle) mittlerweile doch reichlich Staub angesetzt hat. Obwohl die Story des jungen Multi-Millionärs Jay Gatsby im Kern bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat, behält Luhrmann glücklicherweise das 1920er Jahre-Setting der Geschichte bei. Glücklicherweise deshalb, weil der vor allem visuell grandiose Trailer andeutet, daß "Der große Gatsby" mit seiner ungemein aufwendig ausgestatteten Bebilderung der "Roaring Twenties" gar zum neuen Maßstab in Sachen 3D werden könnte. Und die Besetzung mit Leonardo DiCaprio ("Django Unchained"), Carey Mulligan ("Drive"), Tobey Maguire ("Spider-Man"), Jason Clarke ("Zero Dark Thirty"), Joel Edgerton ("Animal Kingdom"), Adelaide Clemens ("Silent Hill: Revelation") und Isla Fisher ("Die Hochzeits-Crasher") läßt ebenfalls kaum Wünsche offen. Die erste Ehre hat Baz Luhrmann für sein neues Werk bereits erhalten: Es wurde als Eröffnungsfilm der renommierten Filmfestspiele in Cannes ausgewählt.

Lange haben Fans von Sam Raimis berühmter "The Evil Dead"-Trilogie (im deutschsprachigen Raum auch als "Tanz der Teufel" bekannt) rund um den schusseligen Antihelden Ash (Bruce Campbell, "Die fantastische Welt von Oz") auf eine Fortsetzung gehofft. Als stattdessen dieses Remake des ersten Films angekündigt wurde, war die Enttäuschung zunächst groß. Immerhin sind Raimi und Campbell als Produzenten aktiv an der Neufassung beteiligt, Raimi hat zudem am Drehbuch mitgeschrieben (ebenso wie "Juno"-Autorin Diablo Cody). Campbell hat sich öffentlich sogar regelrecht begeistert von dem gezeigt, was der junge uruguayische Regisseur Fede Alvarez mit seinem jungen Cast (darunter Jane Levy aus der Sitcom "Suburgatory" und Lou Taylor Pucci aus "Carriers") geschaffen hat. Angesichts seiner Produzenten-Tätigkeit dürfte Campbell zwar kaum völlig unvoreingenommen sein, erste Testscreenings scheinen seine Euphorie jedoch zu bestätigen. Das offizielle Poster spricht jedenfalls für ein äußerst gesundes Selbstvertrauen der Filmemacher:

"Epic – Verborgenes Königreich" (3D):
In dem neuen Animationsfilm von "Ice Age"-Regisseur Chris Wedge geht es um ein junges Mädchen namens Mary Katherine (in der Originalfassung gesprochen von Amanda Seyfried), das mit seinem Vater, einem Wissenschaftler, in einer Hütte tief im Wald lebt. Als ihr Vater eines Tages von einem Ausflug in die Umgebung nicht zurückkehrt, macht sich Mary Katherine auf die Suche nach ihm, wird dabei auf wundersame Weise geschrumpft und lernt die (für Menschen normaler Größe) winzigen "Leafmen" kennen, die den Wald gegen die bösen "Boggans" verteidigen. Es ist davon auszugehen, daß "Epic" genau wie die anderen Filme der Blue Sky Studios (neben der "Ice Age"-Reihe auch "Robots") humorvolle und kindgerechte Familienunterhaltung bieten wird. Da zum Voice Cast (neben Christoph Waltz und Colin Farrell) die Sänger Steven Tyler (Aerosmith) und Pitbull zählen, wird es vermutlich auch ein paar Songs geben.

23. Mai:
"Fast & Furious 6":
Im sechsten Teil der unerwartet langlebigen Actionreihe wird die bereits umfangreiche bisherige Besetzung rund um Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne "The Rock" Johnson und Jordana Brewster ergänzt durch die Neulinge Gina Carano ("Haywire"), Joe Taslim ("The Raid") und Luke Evans ("Die drei Musketiere"). Worum es diesmal geht? Na, um Autos natürlich (und eine böse Söldnergruppe)!

"Der Dieb der Worte":
In diesem Mystery-Thriller der Regiedebütanten Brian Klugman und Lee Sternthal spielt Bradley Cooper ("Silver Linings") einen Schriftsteller, der nach langen erfolglosen Jahren endlich einen gefeierten Hit veröffentlicht – den er allerdings gar nicht geschrieben, sondern als Manuskript in einem Antiquitätenladen gefunden hat. Die Kritiker haben diesen trotz Starbesetzung (neben Cooper spielen u.a. Jeremy Irons, Dennis Quaid, Zoe Saldana, J.K. Simmons, Olivia Wilde und John Hannah mit) für schlanke $6 Mio. produzierten Thriller mit drei Handlungsebenen als überkonstruiert und unglaubwürdig verrissen, beim zahlenden Publikum kam er jedoch recht gut an.

"Die Ostsee von oben":
Der Titel dieses Dokumentarfilms auf den Spuren von "Die Erde von oben", "Deutschland von oben", "Mittelerde von oben" und "Die Nordsee von oben" (hmm, einer aus dieser Aufzählung klingt irgendwie falsch ...) sollte selbsterklärend sein.

30. Mai:
"Hangover 3":
Falls es jemandem noch nicht aufgefallen sein sollte: Sommerzeit ist Fortsetzungszeit! Da macht natürlich auch das partysüchtige "Wolfpack" keine Ausnahme, das nach dem Ausflug nach Thailand im zweiten Teil nun im großen Finale von Todd Philipps' "Hangover"-Trilogie wieder Las Vegas unsicher macht. Entsprechend treffen Bradley Cooper, Zach Galifianakis, Ed Helms und Justin Bartha erneut auf Heather Graham aus dem ersten Film, neu dabei sind außerdem John Goodman ("Flight"), Melissa McCarthy ("Brautalarm") und Jamie Chung ("Sucker Punch").

"The Big Wedding":
"Das Beste kommt zum Schluß"-Drehbuch-Autor Justin Zackham führt diesmal auch Regie bei diesem hochkarätig besetzten Remake der französischen Komödie "Wie eine richtige Familie" von 2006. Robert De Niro ("Der Sternwanderer") und Diane Keaton ("Der Stadtneurotiker") spielen ein seit langem geschiedenes Ehepaar, das bei der Hochzeit seines Adoptivsohnes Alejandro (Ben Barnes, "Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia") vorspielen muß, noch immer verheiratet zu sein. Denn dummerweise ist die leibliche Mutter Alejandros, die ebenfalls zur Hochzeit eingeladen ist, eine Hardcore-Katholikin, die entsetzt wäre, würde sie von der Scheidung von Alejandros Adoptiveltern erfahren. Die Story klingt arg weit hergeholt, aber angesichts der tollen Besetzung (neben den Genannten sind noch Amanda Seyfried, Susan Sarandon, Robin Williams, Katherine Heigl und Topher Grace mit an Bord) reicht es hoffentlich zumindest zu einer unterhaltsamen Komödie ohne größeren Tiefgang.

Regie-Exzentriker Terrence Malick ("Der schmale Grat", "The Tree of Life") bringt mit "To the Wonder" ein elegisches Liebesdrama mit Ben Affleck ("Argo"), Rachel McAdams ("Sherlock Holmes"), Javier Bardem ("Skyfall") und Olga Kurylenko ("Centurion") in die Kinos, das seine Premiere in Venedig feierte, dort aber kaum für Aufsehen sorgte. Selbst für Malicks Verhältnisse scheint dieser Film ungewöhnlich nihilistisch ausgefallen zu sein und polarisiert deshalb wieder einmal Kritiker und Zuschauer. Da der Filmstart mehrfach verschoben wurde, könnte es allerdings durchaus sein, daß Malick noch einmal in den Schnittraum ging und sein Werk deutlich verändert hat – so geschehen vor einigen Jahren bei seiner Pocahontas-Geschichte "The New World".

6. Juni:
"After Earth":
Der indische Regisseur M. Night Shyamalan hat in den letzten Jahren mit Machwerken wie "The Happening" oder "Die Legende von Aang" fast den gesamten Kredit aufgebraucht, den er sich ab Ende der 1990er Jahre vor allem mit "The Sixth Sense", aber auch mit "Unbreakable" und "Signs" erarbeitet hatte. Sein neuester Versuch, zurück zu alter Form zu finden, ist der Science Fiction-Film "After Earth", in dem in der fernen Zukunft das kleine Raumschiff des legendären Generals Cypher (Will Smith) und seines Sohnes Kitai (Jaden Smith, "Das Streben nach Glück") auf der 1000 Jahre zuvor evakuierten Erde abstürzt.

"Snitch – Ein riskanter Deal":
Regisseur und Drehbuch-Autor Ric Roman Waugh (in den 1980er und 1990er Jahren ein gut beschäftigter Stuntman) hat 2008 mit seinem gelungenen Gefängnisthriller "Felon" mit Stephen Dorff ("Alone in the Dark") und Val Kilmer ("Heat") für ein wenig Aufsehen gesorgt. Nun präsentiert er mit "Snitch" einen Actionthriller mit Ex-Wrestler Dwayne "The Rock" Johnson in der Hauptrolle, der ebenfalls für Genreverhältnisse gute Kritiken vorweisen kann und sich in den USA sogar zu einem kleinen Kassenhit entwickelte. Johnson spielt hier den unbescholtenen Familienvater John, der nach der ungerechtfertigten Drogenverurteilung seines Sohnes Jason einen Deal mit der Staatsanwältin (Susan Sarandon, "Cloud Atlas") eingeht: Wenn John für die DEA als Undercover-Agent arbeitet und so dabei hilft, einen Drogenring zu sprengen, kommt Jason frei.

Arthouse-Fans und Romantiker warten gespannt auf diese Fortsetzung von Richard Linklaters wunderbaren Filmen "Before Sunrise" (1995) und "Before Sunset" (2004), die im Januar bei der Berlinale ihre gefeierte Premiere hatte. Noch immer stehen der Amerikaner Jesse (Ethan Hawke, "Daybreakers") und die Französin Celine (Julie Delpy, "Killing Zoe") im Mittelpunkt, die inzwischen seit Jahren zusammen sind und sogar eine Familie mit zwei gemeinsamen Töchtern gegründet haben. Mit ganz normalen Beziehungsproblemen hat allerdings selbst dieses Traumpaar der Kinogeschichte zu kämpfen. Beim Rezensionsaggregator Rotten Tomatoes steht zum US-Start Ende Mai bei 97% positiven Kritiken eine schier unglaubliche Durchschnittsbewertung von 9 von 10 Punkten zu Buche!

"Das wundersame Leben des Timothy Green":
Die Tragikomödie von Peter Hedges ("Pieces of April", "Dan – Mitten im Leben!") handelt von dem Ehepaar Green (Jennifer Garner und Joel Edgerton), das keine Kinder bekommen kann und irgendwann als Akt der Verzweiflung einen Wunschzettel im Garten vergräbt, in dem beschrieben wird, wie ihr Kind sein sollte. Am nächsten Morgen steht der 10-jährige Timothy vor der Tür. Er entspricht genau ihrer Beschreibung und behauptet, ihr Sohn zu sein. Die Greens sind natürlich verwirrt, aber auch überglücklich; auch wenn Timothy Zweige aus den Beinen herauswachsen ... Die Kritiker sind von dem sentimentalen Feelgood-Movie nicht wirklich begeistert, beim US-Publikum kam die märchenhafte Geschichte aber gut an.

"Der letzte Exorzismus 2":
Der Titel klingt leicht paradox, aber von einem Found-Footage-Horrorfilm muß man ja auch nicht unbedingt allerhöchste Glaubwürdigkeit erwarten. In den USA konnte diese Fortsetzung jedenfalls bei weitem nicht an den ordentlichen kommerziellen Erfolg des Vorgängers anknüpfen – wenn man den Kritikern glauben darf (die den ersten Teil insgesamt sehr positiv besprachen), vollkommen zurecht.

13. Juni:
Gleich zwei Filme dieses Sommers handeln von einem terroristischen Angriff aus das Weiße Haus. Im September startet Roland Emmerichs Version "White House Down" mit Jamie Foxx und Channing Tatum, ein paar Monate früher ist "Olympus Has Fallen" von "Training Day"-Regisseur Antoine Fuqua dran. Hier spielt Aaron Eckhart ("The Dark Knight") den US-Präsidenten, der von einem Ex-Secret Service-Agenten (Gerard Butler, "RocknRolla") im Alleingang vor nordkoreanischen Terroristen beschützt werden muß. Erwartungsgemäß zeigten sich die Kritiker von diesem patriotisch angehauchten Action-Kracher im "Stirb Langsam"-Stil nicht sehr angetan, an den US-Kinokassen kam er jedoch sehr gut an. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das angesichts der sehr amerikanischen Thematik auch außerhalb Nordamerikas funktionieren kann.

"The Place Beyond the Pines":
In Derek Cianfrances ("Blue Valentine") Krimi geht es um einen Motorrad-Stuntfahrer (Ryan Gosling, "Crazy, Stupid, Love."), der zur Versorgung seiner jungen Familie ein Verbrechen begehen will und damit einem Politiker und Ex-Cop (Bradley Cooper) in die Quere kommt. Viel mehr ist zur Story noch nicht bekannt, aber Regisseur und Besetzung (neben Gosling und Cooper auch noch Rose Byrne, Eva Mendes, Ray Liotta und Bruce Greenwood) lassen auf anspruchsvolle Krimiunterhaltung hoffen.

"Seelen":
Einer von mehreren Anwärtern auf die inoffizielle "Twilight"-Nachfolge hat eine besondere Berechtigung für diese Ambitionen vorzuweisen: "Seelen" (im Original: "The Host") stammt von "Twilight"-Autorin Stephenie Meyer. Hier erzählt sie allerdings eine in der Zukunft angesiedelte Geschichte, in der der 19-jährigen Rebellin Melanie (Saoirse Ronan, "Abbitte", "Violet & Daisy") eine "Seele" – eigentlich ein außerirdischer Parasit – eingepflanzt wird. Eine Story, die durchaus ein breiter gefaßtes Publikum als die "Twilight"-Filme ansprechen könnte, zumal mit Andrew Niccol ein renommierter und dystopieerfahrener Regisseur ("Gattaca") verpflichtet wurde. Neben Ronan und dem männlichen Hauptdarsteller Max Irons ("Red Riding Hood") spielen William Hurt ("Der unglaubliche Hulk") und Diane Kruger ("Troja") tragende Rollen. In den USA ist "Seelen" allerdings bereits zu katastrophalen Kritiken gestartet und auch beim Publikum krachend durchgefallen. Fortsetzung fraglich.

"The Purge – Die Säuberung":
Der Horrorthriller von James DeMonaco ("Staten Island") wartet mit einer vielleicht nicht sehr glaubwürdigen, aber umso interessanteren Prämisse auf: In der nahen Zukunft sind die amerikanischen Gefängnisse dermaßen hoffnungslos überfüllt, daß die Regierung eine jährliche 12-Stunden-Phase eingerichtet hat, in der alles erlaubt ist. Ob Diebstahl, Vergewaltigung oder Mord – niemand wird für seine Taten zur Rechenschaft gezogen, Polizei und Krankenhäuser dürfen nicht helfen. Entsprechend verbarrikadieren sich die braven Bürger für diesen halben Tag, so gut es geht. So auch die Familie von James Sandin (Ethan Hawke). Doch dann läßt eines seiner Kinder einen um Hilfe bittenden Fremden ins Haus ...

"Berberian Sound Studio":
Ein psychologischer Horror-Thriller des britischen Regisseurs Peter Strickland, der von den italienischen "Giallo"-Filmen der 1960er und 1970er Jahre inspiriert ist. Toby Jones ("My Week with Marilyn") spielt den renommierten Tontechniker Gilderoy, der angeheuert wird, um einen italienischen Horrorfilm zu vertonen. Allerdings erweist sich der Auftrag als weit komplizierter als angenommen und schon bald kann Gilderoy nicht mehr zuverlässig zwischen Film und Realität unterscheiden. In England wurde der Arthousefilm mit guten Kritiken bedacht.

20. Juni:
Im Jahr 2006 zeitigte Bryan Singers Versuch, den Comic-Helden Superman alias Clark Kent erfolgreich zurück auf die globalen Kinoleinwände zu bringen, in so ziemlich jeder Hinsicht ein eher mittelmäßiges Resultat. Newcomer Brandon Routh wurde zwar für seine Darstellung des unverwundbaren Kryptoniers in "Superman Returns" ebenso gelobt wie Kevin Spacey für seine schön diabolische Verkörperung des ewigen "Superman"-Antagonisten Lex Luthor; doch der Film insgesamt geriet zu langatmig und zu wenig spektakulär für einen teuren Sommer-Blockbuster dieser Art. Entsprechend wurde "Superman Returns" auch kommerziell nur zu einem mittelmäßigen Erfolg ohne reelle Aussichten auf eine direkte Fortsetzung. Doch nach dem gigantischen Erfolg von Christopher Nolans "Batman"-Reboot-Trilogie war ein neuer Superman-Film nahezu unvermeidlich, und in Zeiten von "Batman Begins", "X-Men: Erste Entscheidung" oder "Planet der Affen: Prevolution" kann es kaum überraschen, daß auch "Man of Steel" die Geschichte seines Protagonisten noch einmal ganz von vorne erzählt. Das birgt natürlich ein gewisses Risiko, weil zumindest Teile der ureigenen Superman-Story bereits weithin bekannt sind und kaum variiert werden können. Andererseits liegt "Superman" mit dem inzwischen verstorbenen Christopher Reeve auch schon über 30 Jahre in der Vergangenheit (und die TV-Serie "Smallville" hat im Lauf der Jahre zahlreiche Abweichungen entwickelt), da macht solch ein Reboot auf jeden Fall mehr Sinn als beispielsweise vergangenen Sommer bei "The Amazing Spider-Man". Besonderen Anlaß zur Hoffnung gibt, daß Christopher Nolan als Produzent und Co-Drehbuch-Autor aktiv in die Produktion involviert war und Regisseur Zack Synder ("Watchmen", "300") generell beratend zur Seite stand. Und auch die Besetzung kann sich sehen lassen: "Krieg der Götter"-Held Henry Cavill ist der neue Superman, Russell Crowe ("Les Misérables") spielt seinen Vater Jor-El, OSCAR-Nominee Michael Shannon ("Zeiten des Aufruhrs") gibt den Bösewicht General Zod, Amy Adams ("Die Muppets") verdreht Clark Kent als Reporterin Lois Lane den Kopf und Laurence Fishburne ("Predators") ist ihr Chef Perry White.

"Die Monster Uni" (3D):
In der Vorgeschichte des Pixar-Hits "Die Monster AG" lernen jedermanns beliebteste Monster Sulley und Mike auf der Monster-Universität ihr (gar nicht so) schreckliches Handwerk und treiben dabei allerhand Unsinn – typische Studenten halt!

"Gambit – Der Masterplan":
Ethan und Joel Coen ("The Big Lebowski") haben das Drehbuch für diese Gaunerkomödie von Michael Hoffman ("Ein russischer Sommer") geschrieben, die lose auf dem 1960er Jahre-Klassiker "Das Mädchen aus der Cherry-Bar" mit Michael Caine und Shirley MacLaine basiert. Hier spielt Colin Firth ("Tatsächlich ... Liebe") den Kunstexperten Harry, der sich an seinem fiesen Boß (Alan Rickman, "Sweeney Todd") rächen will, indem er diesen dazu bringt, ein gefälschtes Monet-Gemälde zu kaufen. Zur Seite steht ihm Cameron Diaz ("Bad Teacher") als exzentrische Rodeo-Reiterin PJ. Leider sprechen die Kritiken aus England (wo der Film im November anlief) dafür, daß sich "Gambit" in die lange Reihe enttäuschender Remakes einreihen wird. Vielleicht sollten sich die Coens in Zukunft einfach von Remakes fernhalten, denn bereits 2004 blieben sie mit dem von ihnen selbst inszenierten "Ladykillers" weit unter ihrem gewohnten Qualitätsniveau.

"Promised Land":
Der neue Film des notorisch unberechenbaren Regisseurs Gus van Sant ("Good Will Hunting", "Elephant") erzählt die Geschichte zweier von Co-Autor Matt Damon ("True Grit") und Frances McDormand ("Fargo") verkörperter Verkäufer eines Gasunternehmens, die in einer von der Wirtschaftskrise gebeutelten Kleinstadt Bohrrechte günstig erwerben wollen. Bei den Kritikern errang van Sant mit seinem gesellschaftskritischen Drama – das auch im Wettbewerb der Berlinale lief und immerhin einen Silbernen Bären gewann – zwar Respekt für seine ernsthafte Behandlung der Thematik, vor allem mangels ausgefeilter Figuren und eines unbefriedigenden Endes aber auch nicht viel mehr.

"The Sapphires":
Eine ungewöhnliche australische Tragikomödie über vier Aborigine-Frauen, die 1968 von einem Talentscout (Chris O'Dowd, "Radio Rock Revolution") entdeckt und als "The Sapphires" zu einer Soul-Band gemacht werden. Ihr erster großer Auftritt: Vor den US-amerikanischen Truppen im Vietnam-Krieg. Die Kritiken lassen auf einen zwar vorhersehbaren, aber sehr unterhaltsamen Gute-Laune-Film schließen.

27. Juni:
Im Jahr 2003 gelang Max Brooks, Sohn der Comedylegende Mel Brooks ("Spaceballs"), mit seinem Buch "Der Zombie Survival Guide" ein Überraschungshit. Der gerade ob seiner demonstrativen Ernsthaftigkeit so humorige Überlebensratgeber für den Fall einer Zombieplage galt seitdem als heißer Kandidat für eine Verfilmung – auch wenn niemandem so ganz klar war, wie genau man ein solches Buch adaptieren sollte. Das ist wohl auch der Grund, warum wir bis heute auf "Zombie Survival Guide – Der Film" warten müssen. Aber immerhin schafft nun die Buch-Fortsetzung "World War Z" den Sprung auf die Leinwand, obwohl sie kaum weniger schwierig zu verfilmen ist als der Vorgänger. Denn auch "World War Z" liefert keineswegs eine durchgehende Erzählung ab, sondern setzt sich aus zahlreichen Augenzeugenberichten von Überlebenden der Zombieepidemie zusammen. Insofern ist (auch angesichts dessen, was im gelungenen Trailer zu sehen ist) zu erwarten, daß der Film des schweizerischen Regisseurs Marc Forster ("Ein Quantum Trost") eine relativ lose Adaption ist. Hauptdarsteller ist jedenfalls Brad Pitt ("Inglourious Basterds"), der einen UNO-Mitarbeiter spielt, dessen Aufgabe es ist, auf der ganzen Welt Informationen zu sammeln, wie die ausgebrochene Zombieplage noch besiegt werden kann. Fans zünftiger Genrefilme macht jedoch die unerwartet niedrige US-Altersfreigabe "PG-13" skeptisch. Auch Berichte über massive Nachdrehs stimmten nicht allzu optimistisch, doch erste Kritiken sind überraschend positiv ausgefallen.

"The Grandmaster":
Der legendäre Martial Arts-Lehrer Ip Man, zu dessen Schülern auch Bruce Lee zählte, ist in den letzten Jahren ein ausgesprochen beliebtes Subjekt für chinesische Filme. Wilson Yip erzählte, mit Donnie Yen in der Hauptrolle, in "Ip Man" und "Ip Man 2" von den frühen Jahren des Meisters, während sich Herman Yau in "Ip Man Zero" zunächst ebenfalls dem Aufstieg Ip Mans widmete und 2013 mit "Ip Man: The Final Fight" die Klammer schließen möchte. Und dann gibt es noch "The Grandmaster" von Regielegende Wong Kar-Wai ("Chungking Express", "In the Mood for Love"), Eröffnungsfilm der Berlinale 2013. Hier ist es Tony Leung Chiu Wai ("A Chinese Ghost Story III", "Hard Boiled", "Chungking Express", "Infernal Affairs"), einer der besten chinesischen Schauspieler dieser Zeit, der die Martial Arts-Legende verkörpert. Wie bei diesem Regisseur nicht anders zu erwarten, steht die Kampfkunst in "The Grandmaster" etwas weniger im Mittelpunkt als in den genannten anderen Filmen, stattdessen konzentriert er sich stärker auf die beiden zentralen Figuren (neben Ip Man die von Zhang Ziyi aus "Tiger & Dragon" gespielte Gong Er, Tochter eines rivalisierenden Kampfkunstmeisters) und schwelgt dabei wie gewohnt in wunderschönen, elegischen und oft melancholischen Bildern.

"The Deep":
Der Isländer Baltasar Kormákur ist international bekannt geworden als Hauptdarsteller des Thrillers "Rejkjavik Rotterdam" sowie als Regisseur von dessen erfolgreichem Hollywood-Remake "Contraband". In seinem neuen Film "The Deep" erzählt er auf Grundlage realer Geschehnisse den Überlebenskampf eines Fischers, dessen Boot im eisigen Meer vor Islands Südküste kentert. Die dramatische Geschichte war der isländische OSCAR-Beitrag des Jahres 2012 und hat unter anderem beim Festival in Toronto gute Kritiken erhalten.


Soviel also zu den namhaftesten und vielversprechendsten deutschen Kinostarts der Monate Mai und Juni. Im zweiten Teil meiner Sommervorschau befasse ich mich mit Juli und August.

Bei Gefallen an meinem Blog würde ich mich über die Unterstützung von "Der Kinogänger" mittels etwaiger amazon.de-Bestellungen über einen der Links in der rechten Spalte freuen.

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