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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Montag, 3. März 2014

OSCAR-GEWINNER 2014

Die Gewinner der 86. OSCAR-Verleihung:

Bester Film: "12 Years a Slave"
Darsteller: Matthew McConaughey, "Dallas Buyers Club"
Darstellerin: Cate Blanchett, "Blue Jasmine"
Nebendarsteller: Jared Leto, "Dallas Buyers Club"
Nebendarstellerin: Lupita Nyong'o, "12 Years a Slave"
Regie: Alfonso Cuarón, "Gravity"
Originaldrehbuch: Spike Jonze, "Her"
Adaptiertes Drehbuch:
John Ridley, "12 Years a Slave"
Animationsfilm: "Die Eiskönigin Völlig unverfroren"
Fremdsprachiger Film: "La Grande Bellezza", Italien
Kamera: Emmanuel Lubezki, "Gravity"
Schnitt: Mark Sanger und Alfonso Cuarón, "Gravity"
Ausstattung: Catherine Martin und Beverley Dunn, "Der große Gatsby"
Kostüme: Catherine Martin, "Der große Gatsby"
Makeup und Hairstyling: Adruitha Lee und Robin Mathews, "Dallas Buyers Club"
Musik: Steven Price, "Gravity"
Filmsong: "Let It Go" von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez, gesungen von Idina Menzel, "Die Eiskönigin
Völlig unverfroren"
Ton: Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro, "Gravity"
Tonschnitt: Glenn Freemantle, "Gravity"
Visuelle Effekte: Timothy Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould, "Gravity"
Dokumentarfilm: "20 Feet from Stardom"
Kurz-Dokumentation: "The Lady in Number 6: Music Saved my Life"
Animations-Kurzfilm: "Mr. Hublot"
Kurzfilm: "Helium"
 
Die Academy Awards verteilen sich damit dieses Jahr wie folgt:
 
Gravity: 7 OSCARs
12 Years a Slave: 3 OSCARs
Blue Jasmine: 1 OSCAR
Her: 1 OSCAR

Der Mexikaner Alfonso Cuarón ist der erste Lateinamerikaner überhaupt, der die Regie-Sparte gewann. Dank des zusätzlichen Schnitt-Sieges sind Cuarón und Catherine Martin (Kostüme und Ausstattung von "Der große Gatsby") mit je zwei Trophäen die erfolgreichsten Personen des Abends.

Kommentar:
Dafür, daß das OSCAR-Rennen 2014 als eines der spannendsten seit langem galt, fiel die eigentliche OSCAR-Verleihung bemerkenswert überraschungsarm aus. Zwar gab es viele enge Kategorien, aber in fast allen gewann letztlich jener Film, der als leichter Favorit galt. Einzige Ausnahme (neben vielleicht Spike Jonzes Drehbuch-Sieg für "Her", der zumindest nicht ganz selbstverständlich war) war "Bester Schnitt", wo "Gravity" etwas überraschend gegen "Captain Phillips" gewann (der damit unverdienterweise komplett leer ausging). Zu diesem Zeitpunkt war ich fast überzeugt, daß der Weltraum-Thriller auch "Bester Film" werden würde; am Ende konnte sich dann aber doch Steve McQueens "12 Years a Slave" durchsetzen. Zweifellos ein würdiger Sieger – trotz wie bereits letztes Jahr bei "Argo" insgesamt nur 3 OSCARs –, aber ein wenig wurmt es mich angesichts der Fülle von Trophäen für "Gravity" in den Nebenkategorien doch, daß die Academy sich wieder einmal nicht durchringen konnte, den "mainstreamigeren", aber eben auch visionäreren Kandidaten mit dem Hauptpreis zu bedenken. Angesichts des Mangels an Überraschungen war der erstaunlichste Sieger diesmal tatsächlich in den Kurzfilm-Kategorien zu finden, denn daß der sehr gute Micky Maus-Kurzfilm "Get a Horse!" gegen den (immerhin als Außenseitertip gehandelten) dänischen Beitrag "Helium" verlieren würde, das hatten die wenigsten erwartet. Als Verlierer des Abends muß David O. Russells Gaunerfarce "American Hustle" gelten, die mit zehn die meisten OSCAR-Nominierungen erhielt (gemeinsam mit "Gravity"), aber komplett leer ausging. Das ist zwar nicht völlig überraschend, da der Film in keiner Kategorie der absolute Topfavorit war, aber mit einer totalen Nullnummer mußte man auch nicht wirklich rechnen. Mit "Captain Phillips" (sechs Nominierungen), "Nebraska" (sechs) und "The Wolf of Wall Street" (fünf) gingen drei weitere Hochkaräter ohne Preis nach Hause.

Die Show selbst war sehr solide und wurde von Ellen DeGeneres routiniert über die Bühne gebracht. Der Auftaktmonolog – oft genug das Highlight der OSCAR-Verleihung – fiel eher enttäuschend aus, dafür gab es im Lauf der Veranstaltung immer wieder mal witzige Ideen wie die für das Publikum bestellten Pizzas, deren Bezahlung DeGeneres unter anderem bei Produzentenlegende Harvey Weinstein und Brad Pitt (der außerdem die Servietten verteilte) eintrieb. Der beste "Gag" des Abends, der nicht von DeGeneres kam, war allerdings vermutlich gar nicht geplant: John Travolta präsentierte die spätere Filmsong-Gewinnerin Idina Menzel (ein in den USA sehr bekannter Broadway-Star) als "Adele Dazeem". Ob das nun ein Witz war oder nur extrem schlechte Vorbereitung – who knows? Die imaginäre Dame hatte jedenfalls bereits Minuten später einen eigenen Twitter-Account ...

Die beste Dankesrede gab es gleich zu Beginn, sie kam von Musiker-Schauspieler Jared Leto. Und die Academy war sogar taktvoll genug, seine sehr lange Ansprache nicht durch die obligatorische "Verschwinde von der Bühne!"-Musik abzuwürgen. Eine gute Figur bei ihren Reden machten auch (wenig überraschend) Cate Blanchett sowie Lupita Nyong'o und das Filmsong-Sieger-Ehepaar Lopez, das eine witzige, schön einstudierte "Synchron-Ansprache" hielt. Die Show war insgesamt sehr musiklastig, was höchstwahrscheinlich der Nominierung der Weltstars von U2 in der Song-Kategorie geschuldet ist, die die Academy-Organisatoren voll auskosten wollten. Ich werde mich nicht darüber beschweren, denn daß alle nominierten Songs in voller Länge von ihren Interpreten vorgetragen werden dürfen (was nicht jedes Jahr der Fall ist!), halte ich eigentlich für eine Selbstverständlichkeit. Und auch die Auftritte von Pink (mit einer "Der Zauberer von Oz"-Hommage) und Bette Midler waren hörenswert. Letztere sang für die verstorbenen Filmschaffenden der vergangenen 12 Monate "Wind Beneath my Wings", was etwas darüber hinwegtröstete, daß die "In Memoriam"-Sektion relativ schnell abgehandelt wurde. Das war sicherlich unter anderem der traurigen Tatsache geschuldet, daß darin so viele Verstorbene wie selten zuvor genannt werden mußten, dennoch hätte ich es angesichts der betroffenen Schauspielkaliber schön gefunden, wenn bei einigen von ihnen zusätzlich zur Bildeinblendung noch ein paar ihrer bekanntesten Szenen eingespielt worden wären, wie es in früheren OSCAR-Shows bereits praktiziert wurde. Bei Peter O'Toole, Maximilian Schell, Joan Fontaine oder Philip Seymour Hoffman hätte sich das eigentlich angeboten. Immerhin gelang es Bill Murray, als Präsentator des Kamera-OSCARs eine kleine Hommage an seinen erst letzte Woche verstorbenen Freund und Weggefährten Harold Ramis unterzubringen.
 
Abschließend noch ein kurzer Blick auf meine Prognosen: Nachdem ich letztes Jahr gute 17 von 24 Kategorien richtig getippt hatte, komme ich heuer sogar auf 18. Meine "Risiko-Tips" gingen leider fast komplett daneben, sonst hätte ich die 20 knacken können. Na, vielleicht nächstes Jahr, denn nach der OSCAR-Verleihung ist bekanntlich vor der OSCAR-Verleihung ...

Quelle:
 
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