Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 28. Februar 2014

OSCAR-Vorschau 2014 – Die Nebenkategorien

Wie jedes Jahr wage ich auch 2014 wenige Tage vor der OSCAR-Verleihung, die in der Nacht von Sonntag auf Montag in Los Angeles stattfinden wird (und in Deutschland wieder live von Pro7 übertragen wird), eine ausführliche OSCAR-Vorschau samt Analyse und Prognose aller Kategorien. Als Basis für meine Einschätzung der Favoritenlage dienen dabei vor allem die bisherigen Preisverleihungen seit Ende November 2013 sowie amerikanische OSCAR-Blogs wie Gurus o´ Gold (eine Gruppe renommierter Filmkritiker und -blogger) und Indiewire.
Letztes Jahr habe ich immerhin 17 von 24 Kategorien korrekt getippt und lag bei fast allen Nebenkategorien richtig, bei den Hauptkategorien aber ziemlich daneben. Steigerungspotential ist also allemal noch vorhanden.

Kamera:
- Philippe Le Sourd, "The Grandmaster"
- Emmanuel Lubezki, "Gravity"
- Bruno Delbonnel, "Inside Llewyn Davis"
- Phedon Papamichael, "Nebraska"
- Roger A. Deakins, "Prisoners"

Davon habe ich gesehen (und kann daher selbst beurteilen): Alle außer "Nebraska".
Favorit: Gleich zu Beginn eine der am leichtesten zu tippenden Kategorien, denn Emmanuel Lubezki hat für seine herausragende Kameraarbeit beim Weltraum-Thriller "Gravity" so ziemlich jeden Preis in der Awards Season abgestaubt. Alles andere als ein Sieg bei den OSCARs wäre eine Sensation. Die übrigen vier Nominierten sind allesamt ebenfalls sehr würdige Anwärter, einen Geheimfavoriten kann ich darunter aber beim besten Willen nicht erkennen.

Gewinnen sollte: Emmanuel Lubezki.
Gewinnen wird: Emmanuel Lubezki für "Gravity".

Kostüme:
- Michael Wilkinson, "American Hustle"
- William Chang Suk Ping, "The Grandmaster"
- Catherine Martin, "Der große Gatsby"
- Michael O'Connor, "The Invisible Woman"
- Patricia Norris, "12 Years a Slave"

Gesehen: Alle außer "The Invisible Woman".
Favorit: "Der große Gatsby". Bei der Preisverleihung der Kostümbildner-Gilde gewann zwar überraschend "12 Years a Slave" den Preis in der "Period"-Kategorie (die Sieger der beiden anderen Kategorien, "Blue Jasmine" und "Catching Fire", sind hier gar nicht erst nominiert), dennoch erwarten die meisten Branchenkenner einen Sieg von "Der große Gatsby", wobei "12 Years a Slave" und "American Hustle" keineswegs chancenlos sind. Baz Luhrmanns opulente Fitzgerald-Adaption wäre die offensichtlichste Wahl, weil die Kostüme ziemlich spektakulär sind. Andererseits hat "American Hustle" durch die herrlichen 1970er Jahre-Outfits fast mehr Schlagzeilen gemacht als durch seinen Inhalt. Aber auch die drei weiteren Nominierten haben in dieser offenen und traditionell durchaus überraschungsfreudigen Kategorie die Möglichkeit zu einem Außenseitersieg.

Gewinnen sollte: "The Grandmaster".
Gewinnen wird: Catherine Martin für "Der große Gatsby".

Spezialeffekte:
- Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould, "Gravity"
- Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton und Eric Reynolds, "Der Hobbit – Smaugs Einöde"
- Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash und Dan Sudick, "Iron Man 3"
- Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams und John Frazier, "Lone Ranger"
- Roger Guyett, Patrick Tubach, Ben Grossmann und Burt Dalton, "Star Trek Into Darkness" 

Gesehen: Alle.
Favorit: "Gravity", ganz eindeutig. Am ehesten könnte ihm noch "Smaugs Einöde" gefährlich werden. Aber nicht wirklich.

Gewinnen sollte: "Gravity".
Gewinnen werden: Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould für "Gravity".

Musik:
- John Williams, "Die Bücherdiebin"
- Steven Price, "Gravity"
- William Butler und Owen Pallett (Arcade Fire), "Her"
- Alexandre Desplat, "Philomena"
- Thomas Newman, "Saving Mr. Banks" 

Gehört: Nur "Gravity".
Favorit: "Gravity". Steven Prices eindrucksvoller Score war mir persönlich phasenweise etwas zu wenig subtil, aber bei den bisherigen Preisverleihungen schnitt er klar am besten ab. Die OSCAR-Academy hat bei der Musik aber schon oft einen ganz eigenen Geschmack bewiesen, vor allem sind die stimmberechtigten Mitglieder sehr treu, wie die fast jährlichen Nominierungen für Altmeister John Williams beweisen. Sein Sieg wäre also keine ganz große Sensation, auch wenn ihn kaum jemand auf der Rechnung hat. Alexandre Desplat kommt bei der Academy ebenfalls immer gut an und gilt dieses Mal als derjenige, der Price am ehesten gefährlich werden könnte. Der "Her"-Soundtrack von der Band Arcade Fire dürfte wohl zu unkonventionell sein, um echte Siegchancen zu haben, auch "Saving Mr. Banks" sollte ziemlich chancenlos sein.

Gewinnen wird: Alexandre Desplat für "Philomena".

Filmsong:
- "Alone Yet Not Alone", gesungen von Joni Eareckson Tada, "Alone Yet Not Alone" (disqualifiziert wegen Regelverstoßes bei der Werbung um Stimmen)
- "Happy" von Pharrell Williams, "Ich – Einfach unverbesserlich 2"
- "Let It Go", gesungen von Idina Menzel, "Die Eiskönigin – Völlig unverfroren"
- "The Moon Song" von Karen O, "Her"
- "Ordinary Love" von U2, "Mandela: Der lange Weg zur Freiheit" 

Gehört: Alle.
Favoriten: Auch vor der vieldiskutierten Disqualifikation von "Alone Yet Not Alone" war klar: Gewinnen können hier eigentlich nur "Let It Go" oder "Ordinary Love". "Let It Go", der zentrale Song aus dem Disney-Musical "Die Eiskönigin", wäre die logische und mehr oder weniger traditionelle Wahl. Aber "Ordinary Love" stammt von U2, und die irische Band hat bekanntlich sehr, sehr viele Fans – vielleicht auch in der Academy? Minimale Außenseiterchancen könnte vielleicht Karen O mit ihrem recht ungewöhnlichen und unspektakulären, aber bezaubernden "Moon Song" haben, dessen Nominierung schon eine große Überraschung war.

Gewinnen sollte: "Let It Go".
Gewinnen wird: Idina Menzel mit "Let It Go" aus "Die Eiskönigin", komponiert von Robert Lopez und Kristen Anderson-Lopez.

Ton:
- Chris Burdon, Mark Taylor, Mike Prestwood Smith und Chris Munro, "Captain Phillips"
- Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro, "Gravity"
- Christopher Boyes, Michael Hedges, Michael Semanick und Tony Johnson, "Der Hobbit – Smaugs Einöde"
- Skip Lievsay, Greg Orloff und Peter F. Kurland, "Inside Llewyn Davis"
- Andy Koyama, Beau Borders und David Brownlow, "Lone Survivor" 

Gehört: Alle außer "Lone Survivor".
Favorit: "Gravity". Wie in fast allen technischen Kategorien scheint "Gravity" auch hier fast unschlagbar zu sein; es wäre keine Sensation, sollte sich "Captain Phillips" durchsetzen. Da Kriegsfilme in den Ton-Kategorien oft gut abschneiden, läßt sich auch "Lone Survivor" nicht völlig ausschließen. Und als Musikfilm könnte sich sogar "Inside Llewyn Davis" durchsetzen. Aber eigentlich spricht alles für "Gravity".

Gewinnen sollte: "Gravity".
Gewinnen werden: Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro für "Gravity".

Tonschnitt:
- Steve Boeddeker und Richard Hymns, "All Is Lost"
- Oliver Tarney, "Captain Phillips"
- Glenn Freemantle, "Gravity"
- Brent Burge, "Der Hobbit – Smaugs Einöde"
- Wylie Stateman, "Lone Survivor" 

Gehört: "Captain Phillips", "Gravity" und "Der Hobbit 2".
Favorit: Überraschung: "Gravity"! Hier gilt das Gleiche wie beim Ton: "Captain Phillips" und "Lone Survivor" sind nicht chancenlos, auch "All is Lost" könnte überraschen, aber eigentlich sollte kein Weg an "Gravity" vorbeiführen. Alfonso Cuaróns Film ist in technischer Hinsicht einfach ein Meilenstein der Filmgeschichte.

Gewinnen sollte: "Gravity".
Gewinnen wird: Glenn Freemantle für "Gravity".

Ausstattung:
- Judy Becker und Heather Loeffler, "American Hustle"
- Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard, "Gravity"
- Catherine Martin und Beverley Dunn, "Der große Gatsby"
- K.K. Barrett und Gene Serdena, "Her"
- Adam Stockhausen und Alice Baker, "12 Years a Slave"

Gesehen: Alle außer "Her".
Favoriten: "Der große Gatsby" und "Gravity". Wie bereits bei den Kostümen gilt: Dank der spektakulären, opulenten Ausstattung wäre "Der große Gatsby" der offensichtlichste Sieger, der auch schon einige Preise abgestaubt hat. Aber auch "Gravity" ist natürlich wieder gut im Rennen und als Geheimfavorit wird Spike Jonzes futuristische Romanze "Her" gehandelt. Insgesamt eine recht offene Kategorie, in der eigentlich jeder nominierte Film gewinnen kann. Gerade deshalb könnte sie auch ein Wegweiser für die Hauptkategorien sein, denn sollte hier "Gravity", "American Hustle" oder "12 Years a Slave" gewinnen, wäre das ein frühes Zeichen dafür, daß der jeweilige Sieger insgesamt gut im Rennen liegt.

Gewinnen sollte: "Der große Gatsby".
Gewinnen wird: Catherine Martin und Beverley Dunn für "Der große Gatsby".
 
Schnitt:
- Jay Cassidy, Crispin Struthers und Alan Baumgarten, "American Hustle"
- Christopher Rouse, "Captain Phillips"
- John Mac McMurphy und Martin Pensa, "Dallas Buyers Club"
- Alfonso Cuarón und Mark Sanger, "Gravity"
- Joe Walker, "12 Years a Slave" 

Gesehen: Alle.
Favoriten: "Gravity" und "Captain Phillips". Noch so eine Wegweiser-Kategorie, aber vielleicht eher im umgekehrten Sinne: Sollte "Gravity" nicht gewinnen, würden die Chancen auf einen "Best Picture"-Sieg deutlich abnehmen, zumal die Sieger dieser beiden so unterschiedlichen Kategorien in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich oft identisch waren. Daß "American Hustle" oder "12 Years a Slave" gewinnen, erscheint unrealistisch, sollte einem von ihnen jedoch der Coup gelingen, wäre es ein umso bedeutenderer Sieg.

Gewinnen sollte: "Captain Phillips".
Gewinnen werden: Alfonso Cuarón und Mark Sanger für "Gravity".

Makeup und Hairstyling:
- Adruitha Lee und Robin Mathews, "Dallas Buyers Club"
- Stephen Prouty, "Jackass Presents: Bad Grandpa"
- Joel Harlow und Gloria Pasqua-Casny, "Lone Ranger"

Gesehen: Alle außer "Jackass".
Favorit: "Dallas Buyers Club" (da der erwartete Mitfavorit "American Hustle" gar nicht nominiert wurde). "Lone Ranger" dürfte chancenlos sein, aber so ungern ich es zugebe: Ein Sieg von "Jackass" wäre keine Sensation.

Gewinnen sollte: "Dallas Buyers Club".
Gewinnen wird: Stephen Prouty für "Jackass Presents: Bad Grandpa".

Dokumentarfilm:
- The Act of Killing
- Cutie and the Boxer
- Dirty Wars
- The Square
- 20 Feet from Stardom

Gesehen: Keinen. 
Favoriten: "The Act of Killing" und "20 Feet from Stardom". Nach der überraschenden Nicht-Nominierung von Sarah Polleys "Stories We Tell" schien der Weg frei für Joshua Oppenheimers vieldiskutierte Doku "The Act of Killing" über von der indonesischen Militärdiktatur in den 1960er Jahren verübte Massaker an der Zivilbevölkerung. Da die Academy in dieser Kategorie aber häufig "leichtere" Themen auszeichnet, könnte die Feelgood-Doku "20 Feet from Stardom" über Background-Musiker daraus Profit schlagen. Oder "The Square" über die ägyptische Revolution als Mittelding.

Gewinnen wird: "20 Feet from Stardom".

Kurzdoku:
- CaveDigger
- Facing Fear
- Karama Has No Walls
- The Lady in Number 6: Music Saved My Life
- Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall 

Gesehen: Keinen.
Favorit: "The Lady in Number 6: Music Saved My Life". Bei den drei Kurzfilm-Kategorien ist es immer besonders schwierig, eine echte Favoritenlage ausfindig zu machen, schließlich gibt es kaum Preisverleihungen vor den OSCARs, in denen auch Kurzfilme berücksichtigt werden. In diesem Fall sind sich aber fast alle einig, daß die Kurz-Dokumentation über die älteste noch lebende Holocaust-Überlebende gewinnen wird. Zumal besagte Dame letzte Woche gestorben ist ...

Gewinnen wird: "The Lady in Number 6: Music Saved My Life".

Kurzfilm:
- Aquel No Era Yo (That Wasn't Me)
- Avant Que De Tout Perdre (Just Before Losing Everything)
- Helium
- Pitääkö Mun Kaikki Hoitaa? (Do I Have to Take Care of Everything?)
- The Voorman Problem 

Gesehen: Keinen.
Favorit: Am ehesten "Helium" und "The Voorman Problem". "The Voorman Problem" ist mit Martin "Bilbo" Freeman prominent besetzt (und zudem der einzige englischsprachige Kandidat), was in einem sehr offenenen Feld vielleicht entscheidend sein könnte, dennoch gilt der dänische "Helium" als leicht favorisiert. Letztlich kann man hier fast nur raten.

Gewinnen wird: "Avant Que De Tout Perdre" ("Just Before Losing Everything").

Animierter Kurzfilm:
- Feral
- Get a Horse!
- Mr. Hublot
- Possessions
- Room on the Broom 

Gesehen: "Get a Horse!".
Favorit: "Get a Horse!" (Vorfilm von "Die Eiskönigin"). Es ist Disney. Es ist ein technisch toll gemachter und sehr witziger Kurzfilm, der Vergangenheit und Gegenwart des Animationskinos vereint. Und noch nie gewann ein Micky Maus-Kurzfilm einen OSCAR, nicht einmal in den 1930er oder 1940er Jahren. Dennoch sind und bleiben die Kurzfilm-Kategorien nun einmal unberechenbar, als ernsthafteste Konkurrenten von "Get a Horse!" gelten der französisch-luxemburgische "Mr. Hublot" und der britisch-deutsche "Room on the Broom" (deutscher Titel: "Für Hund und Katz ist auch noch Platz").

Gewinnen wird: "Get a Horse!".

Zu meiner Prognose für die Hauptkategorien.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen