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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 27. Juni 2013

DAS PHANTOM DER OPER (2004)

Originaltitel: The Phantom of the Opera
Regie: Joel Schumacher, Drehbuch: Andrew Lloyd Webber, Joel Schumacher, Musik: Andrew Lloyd Webber
Darsteller: Gerard Butler, Emmy Rossum, Patrick Wilson, Minnie Driver, Miranda Richardson, Ciarán Hinds, Kevin McNally, Simon Callow, Jennifer Ellison, Victor McGuire, Murray Melvin
 The Phantom of the Opera
(2004) on IMDb Rotten Tomatoes: 32% (5,0); weltweites Einspielergebnis: $154,6 Mio.
FSK: 6, Dauer: 142 Minuten.

Im Jahr 1870 erhält das Pariser Opernhaus eine neue Leitung. Da die Star-Sopranistin Carlotta (Minnie Driver, "Barney's Version") mit ihrem divenhaften Verhalten Schwierigkeiten macht, rückt die junge Sängerin Christine (Emmy Rossum, "Poseidon") stärker in den Vordergrund; letztlich erhält aber doch Carlotta die Hauptrolle in der nächsten großen Bühnenaufführung. Diese Entscheidung zeitigt unerwartet heftige Konsequenzen, da "Das Phantom" (Gerard Butler, "Olympus Has Fallen"), ein traumatisierter und aufgrund einer Entstellung maskierter Mann, der es sich seit Jahren heimlich unterhalb des Operngebäudes eingerichtet hat, im Lauf der Zeit eine Obsession für die schöne Christine entwickelt hat. Als diese ihre Hauptrolle an Carlotta verliert, schreibt das Phantom mehrere Drohbriefe an die Operndirektoren, die aber ignoriert werden. Durch das Eingreifen des Phantoms verliert Carlotta kurz vor der Premiere ihre Stimme – Christine ersetzt sie und die Vorstellung wird ein Triumph. Doch Christine verliebt sich in ihren Freund aus Kindertagen Raoul (Patrick Wilson, "Little Children"), einen reichen Adligen, der nun als Gönner des Opernhauses auftritt. Das Phantom reagiert wenig begeistert und so entwickelt sich ein erbitterter Kampf um Christines Herz ...

Kritik:
Andrew Lloyd Webbers Kult-Musical über den entstellten Musikliebhaber und Schrecken der Pariser Oper habe ich nie gesehen, allerdings kenne und schätze ich Arthur Lubins 1943er Verfilmung von Gaston Leroux' gleichnamigem Roman mit Claude Rains in der Titelrolle. Auch Brian De Palmas "Phantom of the Paradise" ist deutlich von Leroux' Erzählung inspiriert, man kann insgesamt also sagen, daß ich mit der Handlung vertraut bin, obwohl ich weder das Buch gelesen noch die Bühnenversion gesehen habe. Angesichts dieses Hintergrunds fällt mein Urteil über diese Adaption von Webbers Musical deutlich aus: "Das Phantom der Oper" ist ein langweiliger Blender und eine riesengroße Enttäuschung.

Dabei fängt doch alles so vielversprechend an: Ein melancholischer Prolog in schwarz-weiß, dann der fließende Übergang zur Haupthandlung mit beeindruckenden Kostümen, pompöser Musik und einer schwelgerischen Kamerafahrt durch den opulent ausgestatteten Opernsaal. Erster Gedanke: Wow! Keine 30 Minuten später hatte ich große Schwierigkeiten, die Augen offenzuhalten, so sehr wurde ich von Langeweile überwältigt. Die Handlung in dieser behäbigen Inszenierung von Joel Schumacher ("Batman & Robin") als solche zu bezeichnen, ist eigentlich schon übertrieben. Die tragische Geschichte des Phantoms, die in Leroux' Buchvorlage sicher spannend zu lesen ist und in Lubins Film aus dem Jahr 1943 vortrefflich zur Geltung kommt, wird zugunsten der Musikeinlagen sträflich vernachlässigt. Natürlich ist es keine Überraschung, daß eine Musicaladaption musiklastig ausfällt; doch im Gegensatz zu anderen, weit besseren Genrevertretern wie "Moulin Rouge" oder auch "Chicago" findet Schumacher niemals auch nur ansatzweise die rechte Balance zwischen Story und Musik.

Überhaupt wirkt Schumachers "Das Phantom der Oper" mitunter wie ein lustloses Abfilmen einer Bühnenaufführung, die Möglichkeiten des Mediums Film werden höchstens ansatzweise ausgereizt. Stattdessen läuft es in etwa so ab: Jemand trällert ein bißchen, dann taucht das Phantom auf und erschreckt alle, und schon wird wieder weiter geträllert. Dann kommt wieder das Phantom und sorgt für ein bißchen Panik, worauhin – Überraschung! – wieder geträllert wird. Und so weiter. Und so fort. Sehr viel belangloser kann man eine eigentlich epische Liebesgeschichte kaum in Szene setzen. Zugegeben: daß ich, der ich sowieso kein großer Fan von Andrew Lloyd Webber bin, etlichen Songs nur wenig abgewinnen kann, ist für mein Filmvergnügen nicht gerade hilfreich. Ein paar sind wirklich gut (allen voran das zentrale "The Phantom of the Opera" und "The Music of the Night"), aber unter dem Strich hatte ich auch musikalisch mehr erwartet. Wer die Bühnenversion bereits kennt und schätzt, der wird jedoch vermutlich auch mit dieser Verfilmung besser zurechtkommen (wenngleich ich einen Musical-Darsteller kenne, der sie ähnlich schlimm findet wie ich ...). Ein komplett neues Lied hat Webber übrigens auch komponiert, das von Carlotta vorgetragene "Learn to Be Lonely".

Trotz allem könnte der Film angesichts der unbestreitbar gelungenen Schauwerte noch einigermaßen funktionieren, wenn nicht fast alle Darsteller erschreckend blaß blieben. Da die Besetzung keineswegs schlecht ist, muß man das wohl einer mangelhaften Schauspieler-führung durch Regisseur Schumacher anlasten. Höchstens Minnie Driver in ihrer allerdings auch dankbaren Nebenrolle als überkandidelte Primadonna Carlotta und mit etwas gutem Willen vielleicht noch Patrick Wilson als edelmütiger Schönling Raoul stechen ein wenig aus dem Mittelmaß heraus. Doch ausgerechnet die Hauptdarsteller Gerard Butler und die damals erst 17-jährige Emmy Rossum bleiben absolut austauschbar; die Obsession des Phantoms für Christine kann Butler ebenso wenig glaubhaft zum Ausdruck bringen wie Rossum die innere Zerrissenheit ihrer Figur zwischen dem Phantom und Raoul. Damit ist "Das Phantom der Oper" zwar kein richtig schlechter Film, aber schrecklich belanglos und über weite Strecken schlicht langweilig. Ich kann mich nur wiederholen: Wie man eine so emotionale, leidenschaftliche und vielfach erprobte Geschichte dermaßen lust- und einfallslos in den Sand setzen kann, ist mir ein Rätsel.

Wenigstens die Künstler hinter den Kulissen demonstrieren, was möglich wäre, denn die opulente Ausstattung des Films ist schlicht phantastisch, die Kostüme sowie die (ebenso wie die Ausstattung und der neue Song) OSCAR-nominierte Kameraarbeit von John Mathieson ("Gladiator") stehen dem kaum nach. Könnte man das doch nur auch über Regie, Drehbuch und Schauspiel sagen ...

Fazit: "Das Phantom der Oper" ist eine Musicalverfilmung, die sensationell gut aussieht und dank der beliebten Songs der Vorlage auch gut klingt – doch eine unerklärlich schnarchige, uninspirierte Inszenierung im Verbund mit emotional wenig überzeugenden, schlecht geführten Hauptdarstellern sorgt dafür, daß das Potential der bewährten Geschichte nahezu unangetastet bleibt.

Wertung: 4 Punkte. 


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