Originaltitel: Quantum of Solace
Regie: Marc Forster, Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade,
Paul Haggis, Musik: David Arnold
Darsteller: Daniel Craig, Dame Judi Dench, Mathieu Amalric,
Jeffrey Wright, Olga Kurylenko, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jesper
Christensen, David Harbour, Anatole Taubman, Rory Kinnear, Joaquín Cosío, Tim
Pigott-Smith, Stana Katic, Neil Jackson, Simon Kassianides

Nach den dramatischen Ereignissen aus "Casino
Royale" ist der britische Geheimagent James Bond (Daniel Craig, "Skyfall", "Verblendung") auf Rache aus. Er entführt Mr. White (Jesper Christensen, "Melancholia"), der ein führendes
Mitglied der Verbrecherorganisation "Quantum" ist, und bringt ihn zum
Verhör nach London. Doch White kann fliehen und Bond macht sich im Auftrag von
Geheimdienstchefin M (Dame Judi Dench, "Jane Eyre") wieder auf die Jagd nach den
Bösewichten. Dabei stößt er schon bald auf den sinistren, nur vordergründig wohltätigen Unternehmer Dominic Greene
(Mathieu Amalric, "Schmetterling und Taucherglocke") sowie auf dessen
heißblütige Geliebte Camille (Olga Kurylenko, "Oblivion"). Und auch der CIA-Agent Felix Leiter (Jeffrey Wright, "The Ides of March", "Extrem Laut & Unglaublich Nah") kreuzt erneut Bonds blutgetränkten Weg ...
Kritik:
Nach Daniel Craigs spektakulärem 007-Debüt in Martin
Campbells "Casino Royale" waren die Erwartungen an die Fortsetzung –
denn es handelt sich tatsächlich erstmals in der Historie der Bond-Filme um eine
direkte Fortsetzung des Vorgängers, die zeitlich unmittelbar an dessen Finale anschließt – sehr hoch. Als Regisseur wurde der
Schweizer Marc Forster engagiert, der sich vor allem mit sensiblen Dramen wie
"Monster's Ball", "Wenn Träume fliegen lernen" oder
"Drachenläufer" einen guten Namen in Hollywood erworben hat. Doch es
ist immer ein Wagnis, einem solchen klassischen Arthouse-Filmemacher die
ungewohnte Leitung eines großen Action-Blockbusters zu überlassen. Lobenswerter
Hintergedanke der Produzenten ist es dann in der Regel, eine Großproduktion zu
erschaffen, bei der das Publikum auch ab und zu mal das Gehirn benutzen darf –
Paradebeispiel dafür sind die Filme von Christopher Nolan. Manchmal geht ein
solches Wagnis gut, manchmal nicht. Bei "Ein Quantum Trost"
eher nicht.
Dabei ist es schwer zu beurteilen, welches Maß an Verantwortung
Forster für das Scheitern auf hohem Niveau seines Bond-Abenteuers wirklich
trägt. Eine schwerwiegende, vielleicht sogar entscheidende Problematik, mit der
der Schweizer völlig unverschuldet konfrontiert wurde, sind nämlich die Folgen des Streiks der Drehbuch-Autoren im Jahr 2007. Dieser führte dazu, daß die Dreharbeiten
von "Ein Quantum Trost" mit einer suboptimalen, von OSCAR-Gewinner Paul Haggis ("L.A. Crash") auf den letzten Drücker vor Beginn des Streiks fertiggestellten Drehbuch-Überarbeitung begonnen werden
mußten, an der während der Produktion ständig von Regisseur und Hauptdarsteller
herumgedoktert wurde – ein "echter" Autor durfte nicht ran, solange der Streik andauerte. Diese Umstände kann man Forster schwerlich anlasten, letztlich mußte
er Schadensbegrenzung leisten und das Beste aus dem herausholen, was ihm von
den eigentlich hochkarätigen Autoren Purvis, Wade und Haggis geliefert wurde.
Allerdings sind auch einige handwerkliche Schwächen des an ein Projekt dieses Genres und dieser Größenordnung nicht gewöhnten Regisseurs schwer zu übersehen. Beispielsweise ist der häufige
Einsatz der wackligen Handkamera offenkundig vom großen Kassenerfolg der
"Bourne"-Filme inspiriert, paßt zum Spion mit der Lizenz zum Töten aber nicht so richtig
und wirkt zudem recht ungelenk in Szene gesetzt. Nur in den wenigen ruhigeren Momenten
der grimmigen Handlung gelingt es Forster, seine Fähigkeiten als
Autorenfilmer auszuspielen, besonders augenfällig zu Beginn der Sequenz rund um
die Seebühne Bregenz. Leider paßt vor allem im ersten Filmdrittel die
Erzählstruktur nicht wirklich: Eine Actionszene reiht sich an die nächste, ohne
große Erklärungen, manchmal gar scheinbar ohne echten (für das Publikum
ersichtlichen) Sinn. Erst nach etwa einer halben Stunde beruhigt sich alles ein
wenig und die typischen Stärken eines 007-Films können sich zumindest einigermaßen
entfalten. Generell fallen die Actionsequenzen jedoch für Bond-Verhältnisse eher zahm aus. Das wäre kein großes Problem, solange Marc Forster sein vielfach nachgewiesenes Können in Sachen Dramaturgie, Schauspielerführung
und Figurenzeichnung ausspielen könnte. Doch genau das verhindert eben zumindest
teilweise das maue Drehbuch.
Vor allem der Oberbösewicht Dominic Greene leidet hierunter, denn trotz Mathieu Amalrics intensiver Darstellung bleibt der Ökoterrorist mangels spannender Dialoge oder Charakterzüge erstaunlich blaß und dürfte als einer der langweiligsten Bondschurken in die Geschichte der Filmreihe eingehen. Andere haben es etwas besser getroffen: Olga Kurylenko gefällt als toughe und vergleichsweise komplex gezeichnete Camille, Gemma Arterton ("Prince of Persia", "Kampf der Titanen") läßt als auf den schönen Namen "Strawberry Fields" hörende britische Konsulatsangehörige wünschen, sie wäre ein größerer Bestandteil der ziemlich düsteren Story und die "Casino Royale"-Rückkehrer Jeffrey Wright und Giancarlo Giannini (als Agent René Mathis) bauen ihre Rollen gekonnt aus. Daniel Craig, der diesen neuen Bond als getriebenen, durch die trüben Grauzonen der Moralität lavierenden Mann porträtiert, und Dame Judi Dench wissen natürlich ebenfalls wiederum zu überzeugen, auch wenn das Skript ihren Figuren dieses Mal bei weitem nicht so viel Entwicklungsspielraum gewährt wie im Vorgänger.
Fazit: "Ein Quantum Trost" – mit einer Laufzeit von 106 Minuten übrigens der bis dahin kürzeste Bond-Film – wird aufgrund eklatanter Drehbuchschwächen als einer der schwächeren Beiträge zur populären Geheimagenten-Reihe in Erinnerung bleiben. Aber dank der traditionell guten Besetzung und der soliden Inszenierung ist selbst ein enttäuschender Bond-Film immer noch ein akzeptabler Actionfilm.
Vor allem der Oberbösewicht Dominic Greene leidet hierunter, denn trotz Mathieu Amalrics intensiver Darstellung bleibt der Ökoterrorist mangels spannender Dialoge oder Charakterzüge erstaunlich blaß und dürfte als einer der langweiligsten Bondschurken in die Geschichte der Filmreihe eingehen. Andere haben es etwas besser getroffen: Olga Kurylenko gefällt als toughe und vergleichsweise komplex gezeichnete Camille, Gemma Arterton ("Prince of Persia", "Kampf der Titanen") läßt als auf den schönen Namen "Strawberry Fields" hörende britische Konsulatsangehörige wünschen, sie wäre ein größerer Bestandteil der ziemlich düsteren Story und die "Casino Royale"-Rückkehrer Jeffrey Wright und Giancarlo Giannini (als Agent René Mathis) bauen ihre Rollen gekonnt aus. Daniel Craig, der diesen neuen Bond als getriebenen, durch die trüben Grauzonen der Moralität lavierenden Mann porträtiert, und Dame Judi Dench wissen natürlich ebenfalls wiederum zu überzeugen, auch wenn das Skript ihren Figuren dieses Mal bei weitem nicht so viel Entwicklungsspielraum gewährt wie im Vorgänger.
Fazit: "Ein Quantum Trost" – mit einer Laufzeit von 106 Minuten übrigens der bis dahin kürzeste Bond-Film – wird aufgrund eklatanter Drehbuchschwächen als einer der schwächeren Beiträge zur populären Geheimagenten-Reihe in Erinnerung bleiben. Aber dank der traditionell guten Besetzung und der soliden Inszenierung ist selbst ein enttäuschender Bond-Film immer noch ein akzeptabler Actionfilm.
Wertung: 6,5 Punkte.
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