Regie: Shawn Levy, Drehbuch: Matt Lieberman und Zak Penn, Musik:
Christophe Beck
Darsteller: Ryan
Reynolds, Jodie Comer, Joe Keery, Taika Waititi, Lil Rel Howery,
Mike Devine, Utkarsh Ambudkar, Britne Oldford, Camille Kostek, Aaron
Reed, Matty Cardarople, Channing Tatum, Hugh Jackman (Stimme), Dwayne
Johnson (Stimme), John Krasinski (Stimme), Tina Fey (Stimme), Lara
Spencer, Alex Trebek, Chris Evans
FSK: 12, Dauer: 115
Minuten.

Der stets
gutgelaunte Guy (Ryan Reynolds, "Killer's Bodyguard") führt
ein zufriedenes Leben als Bankangestellter in Free City. Na schön,
seine Bank wird mehrmals täglich überfallen und auf den Straßen
von Free City gibt es ständig Schießereien und Verfolgungsjagden und
hin und wieder treibt sogar ein Panzer oder ein Riesenroboter sein
Unwesen – aber man gewöhnt sich schließlich an alles, oder nicht? Eines Tages ändert sich jedoch alles für den hoffnungslosen
Romantiker Guy, als er auf der Straße endlich der Frau seiner Träume
begegnet, der resoluten Molotovgirl (Jodie Comer, "The Last
Duel"). Dadurch ändert sich alles für Guy – allerdings nicht
nur im herkömmlichen romantischen Sinne, sondern vor allem deshalb,
weil er im Zuge dieses zufälligen Aufeinandertreffens erkennen muß,
daß er gar kein normaler Mensch ist, sondern ein Nicht-Spieler-Charakter (NPC) im global erfolgreichen
Multiplayer-Spiel "Free City"! Molotovgirl hingegen ist
sehr wohl ein Mensch respektive ein von der Programmiererin Millie
gesteuerter Avatar. Millie verfolgt eine besondere Mission: Sie
sucht den Beweis dafür, daß der schillernde Unternehmenschef Antwan
(Taika Waititi, "Jojo Rabbit") Free City
illegal auf Grundlage eines Spielecodes entwickelt hat,
den er von Millie und ihrem (inzwischen für Antwan arbeitenden) Ex-Partner
Keys (Joe Keery, Netflix-Serie "Stranger Things") gestohlen
hat. Doch dafür benötigt sie dringend die Hilfe von Guy, der in der
Zwischenzeit als vermeintlicher Spielercharakter "Blue Shirt
Guy" weltweite Aufmerksamkeit ergattert hat, weil er Punkte sammelt, indem er Gutes tut anstatt Banken
auszurauben, sich Schießereien mit der Polizei zu liefern oder
unschuldigen NPCs ins Gesicht zu boxen ...
Kritik:
Dem gebürtigen
Kanadier Ryan Reynolds wird in den letzten Jahren gerne vorgeworfen,
er spiele immer die gleiche Rolle. Das ist zugegebenermaßen nicht
völlig von der Hand zu weisen, denn seit dem Megaerfolg als
Anti-Superheld "Deadpool" ist die Variabilität seiner
Rollenwahl in der Tat signifikant zurückgegangen. Andererseits ist
das aber verständlich, denn wenn man erst einmal seine persönliche
Erfolgsformel gefunden hat, warum sollte man sie dann nicht weidlich ausnutzen? Zumal dieser Rollentyp zwar stark überzeichnet, aber offensichtlich ziemlich nahe an Reynolds' echter Persönlichkeit
ist und er noch offensichtlicher einen Riesenspaß daran hat, diesen
Typ in immer neuen Variationen auszuleben. Auch sein Guy in der
einfallsreichen Actionkomödie "Free Guy" seines
Landsmannes Shawn Levy ("Nachts im Museum") kommt einem
recht schnell bekannt vor, unterscheidet sich aber mit seiner ebenso
unaufdringlichen wie konsequenten (und leicht naiven)
Liebenswürdigkeit doch deutlicher von Deadpool und Co. als die
meisten Rollen, die Reynolds in den letzten Jahren verkörperte. Seinen
Fans ist das offenbar recht, denn trotz der Veröffentlichung während
der Corona-Pandemie entwickelte sich "Free Guy" zu einem
Überraschungserfolg, der etwa das Dreifache seiner
Produktionskosten einspielte. Und das völlig verdient, denn Levy
und Reynolds haben eine liebevoll gestaltete Spieltwelt voller
witziger Gags und häufig cleverer popkultureller Anspielungen
geschaffen, die in erster Linie eines leistet: Sie verbreitet richtig
gute Laune!
Natürlich muß man
nicht selbst Computer- oder Videospiele spielen, um "Free Guy"
schätzen zu können, aber es hilft mit Sicherheit. Ich selbst bin
seit jeher reiner PC-Spieler und habe mich nie für
Multiplayer-Spiele wie das in "Free Guy" interessiert,
weshalb mir vermutlich ein paar Anspielungen entgangen sind (darunter
einige Cameos offenbar sehr bekannter Streamer) – geschadet hat das
aber nicht. Das gilt erst recht, zumal sich die popkulturellen
Referenzen nicht auf Spiele beschränken, sondern –
ähnlich wie in Spielbergs "Ready Player One" – auch auf
Filme und TV-Serien erstrecken. Die Bandbreite reicht von
äußerst subtilen Anspielungen (eingespielte Melodien, kurze Zitate,
eine im Hintergrund auftauchende TARDIS aus "Doctor Who")
über deutlich von bekannten Vorlagen inspirierte Szenen und teilweise
rein stimmliche Superstar-Cameos bis hin zur an "Ralph reichts"
erinnerenden sehr direkten Einbeziehung von ikonischen Figuren und
Gegenständen aus dem reichhaltigen Disney- und Fox-Universum (z.B. diverse
"Avengers"-Utensilien). Dabei ist "Free Guy" aber
keineswegs eine reine Zitatenparade und hält sich dahingehend im
Vergleich zu "Ready Player One" durchaus zurück, auch wenn
die äußerst liebevoll und detailverliebte Spielwelt definitiv zu
den großen Stärken des Films gehört. Es sei aber dringend
angeraten, stets den Hintergrund der Szenen im Auge behalten, da
passiert nämlich speziell in der ersten Filmhälfte fast immer etwas Interessantes (manchmal sogar ein Glitch …).
Die
Story von "Free Guy" ist zwar nicht nobelpreisverdächtig,
erfüllt aber bei aller strukturellen Einfallslosigkeit ihren Zweck,
der vor allem darin besteht, Guys unwahrscheinliche Heldenreise an
der Seite der von Jodie Comer sehr sympathisch verkörperten
Molotovgirl voranzutreiben. Hilfreich sind neben den oft
cleveren Dialogen auch die amüsant gezeichneten Nebenfiguren, wobei
vor allem der hauptberufliche Filmemacher Taika Waititi
offensichtlich großen Spaß dabei hatte, den eigentlich sehr
klischeehaften Unternehmer-Bösewicht Antwan teils bis ins Groteske
übertrieben darzustellen. In der zweiten Hälfte rücken die
Anspielungen zugunsten der Story und ausgedehnter
Action vorübergehend etwas in den Hintergrund, das wird aber durch den ebenso
witzigen und temporeichen wie einfallsreichen Showdown locker
wettgemacht. Bei dem geht "Free Guy" noch einmal aufs Ganze
und präsentiert neben aufregend choreographierten und mit
spektakulären Effekten versehenen Actionsequenzen (für die
visuellen Effekte gab es sogar eine OSCAR-Nominierung) eine bunte
Melange aus Anspielungen und witzigen Einfällen, die der
Videospiel-Prämisse auf so originelle wie lustige Art und Weise
gerecht werden. Genau so macht man einen familienfreundlichen
Blockbuster ohne großen Anspruch, aber dafür mit umso höherem
Unterhaltungswert und einem kräftigen Schuß Selbstironie. Eine
Fortsetzung wurde bereits kurz nach dem Release von "Free Guy"
angekündigt.
Fazit:
Shawn Levys "Free Guy" ist eine nicht allzu anspruchsvolle,
aber lustige Actionkomödie für die ganze Familie, die mehr mit
ihrer liebevoll gestalteten Videospielwelt überzeugt als mit der
eher zweckmäßigen Handlung.
Wertung:
8 Punkte.
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