Originaltitel:
Moana
Regie: Ron
Clements und John Musker, Drehbuch: Jared Bush, Musik: Mark Mancina, Opetaia Foa'i und Lin-Manuel
Miranda
Sprecher der Originalfassung: Auli'i Cravalho, Dwayne
Johnson, Jemaine Clement, Temuera Morrison, Rachel House, Nicole Scherzinger,
Alan Tudyk
FSK: 0, Dauer: 107 Minuten.
Etwa 3000 Jahre vor unserer Zeit wächst Vaiana (in der
Originalfassung gesprochen von Auli'i Cravalho, TV-Serie "Rise") als
Tochter des Häuptlings (Temuera Morrison, "Green Lantern") des Volks
der polynesischen Insel Motunui auf. Seit ihrer frühesten Kindheit fühlt sich Vaiana
auf magische Weise vom Ozean angezogen, doch ist es allen Bewohnern
strengstens untersagt, das die Insel schützend umgebende Riff zu überqueren.
Als aber die Fische verschwinden und die Pflanzen verrotten, wird klar, daß
etwas nicht stimmt. Von ihrer Großmutter (Rachel House, "Thor 3")
erfährt Vaiana die Wahrheit über die Herkunft ihres einstmals seefahrenden Stammes
sowie über den wahrscheinlichen Grund der ihr Volk nun bedrohenden Plage. Der
prahlerische Halbgott Maui (Dwayne Johnson, "Hercules") stahl der
Göttin Te Fiti vor langer Zeit ihr Herz – in der Form eines grünen Edelsteins. Um ihr
Volk zu retten, muß Vaiana aufbrechen, Maui finden und ihn dazu bewegen, das
Herz Te Fiti zurückzugeben. Leichter gesagt als getan, denn Maui ist
zwar recht schnell gefunden, er hat aber wenig Interesse daran, das Herz
zurückzubringen, denn dafür müßte er zunächst den vulkanischen Dämon Te Kā
besiegen. Und um gegen den überhaupt eine Chance zu haben, müßten Maui und
Vaiana erstmal Mauis verlorengegangenen magischen Haken finden, der ihm von
den Göttern überreicht wurde und mit dessen Hilfe er die Gestalt verändern
kann …
Kritik:
Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte Pixar den
alteingesessenen Trickfilm-Spezialisten von Disney ziemlich den Rang abgelaufen
(und wurde dafür schließlich von Disney aufgekauft). Während Pixar zu Beginn
des 21. Jahrhunderts mit originellen Ideen und hoher Qualität bei Filmen wie
"Findet Nemo", "Ratatouille", "WALL*E" oder
"Oben" glänzte, gelang es Disney nach dem Übergang vom Zeichentrick
zur Computeranimation nur noch selten, für Begeisterung zu sorgen – was sich
auch in den weltweiten Einspielergebnissen bemerkbar machte. In den 2010er Jahren glichen sich
Pixar und Disney qualitativ allerdings wieder zunehmend an, wobei Pixar durch
zu viele (bis auf "Toy Story 4" inhaltlich nur bedingt überzeugende)
Fortsetzungen bei nur noch gelegentlichen neuen Stoffen ("Alles steht Kopf", "Coco") etwas von seinem Glanz verlor. Disney hingegen
schaffte es immer öfter, mit gefeierten Highlights wie dem Megahit "Die Eiskönigin",
"Baymax" oder "Zoomania" an glorreiche
Zeiten anzuknüpfen. In diese Reihe von Hits paßt auch das schwungvolle
Südseeabenteuer "Vaiana" (der Originaltitel "Moana" konnte
außerhalb der USA in vielen Ländern aus lizenzrechtlichen Gründen nicht
verwendet werden), das mit zwei auf jeweils ganz eigene Art und Weise sympathischen Protagonisten, viel Humor und Songs von
"Hamilton"-Schöpfer Lin-Manuel Miranda begeistert.
Wie so häufig bei US-Animationsfilmen – besonders bei
solchen, in denen gesungen wird – möchte ich betonen, daß sich meine Kritik
ausdrücklich auf die Originalfassung bezieht. Mag sein, daß
auch die deutsche Sychronfassung für sich genommen überzeugt, aber alleine die
Tatsache, daß der von Actionstar und Ex-Wrestler Dwayne Johnson gesprochene
flegelhafte Halbgott Maui hierzulande von dem Sänger Andreas Bourani vertont wurde,
dürfte ausreichend Beleg dafür sein, daß die deutsche Version eigene Akzente
setzt. Es ist schwer vorstellbar, daß Bourani an Johnsons Leistung
heranreicht, denn der paßt optisch und akustisch perfekt zu der
schwergewichtigen und scharfzüngigen mythologischen Figur (nach der bekanntlich
auch eine der Inseln von Hawaii benannt wurde). Bis Maui ins Spiel kommt,
dauert es allerdings eine Weile, denn der erste Akt von "Vaiana"
gehört ganz der Titelfigur. Dabei gestaltet sich der Auftakt durchaus etwas zäh, denn
daß die lebhafte junge Frau mit dem unstillbaren Verlangen nach dem Ozean sich
erst gegen den Widerstand ihrer Familie (in diesem Fall: abgesehen von
ihrer Großmutter) durchsetzen muß, um ihrer Bestimmung folgen zu können, ist
nun wahrlich kein neuer Ansatz bei Disney- oder Pixar-Filmen (siehe
"Merida", "Die Eiskönigin", "Rapunzel" oder –
mit einem männlichen Protagonisten – "Coco"). "Vaiana"
kann dieser bekannten Trope nicht wirklich etwas Neues abgewinnen, was aber
wohl auch dem Regie-Duo Ron Clements und John Musker ("Aladdin",
"Küß den Frosch") klar wurde, denn die meisten der letztlich doch nicht im Film
verwendeten Szenen hätten in dieser Phase gespielt und sie somit noch deutlich
in die Länge gezogen.
Stattdessen geht die Geschichte recht schnell in den zweiten
Akt über, der sich mit Vaianas Reise übers Meer und ihrem nicht ganz leichten
Versuch, Maui davon zu überzeugen, das Herz zurückzubringen, als klarer
Höhepunkt des Films erweist. Die schlagfertigen Dialoge zwischen
den trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft auf Augenhöhe agierenden Vaiana und
Maui sorgen für viele Lacher, das Erzähltempo ist rasant und es gibt etliche
richtig gute Einfälle. Zu denen zählt neben Mauis lebender Tätowierung (die
fast wie sein Gewissen agiert und damit eher auf Vaianas Seite steht) eine
herrlich bescheuerte Sequenz mit Kakamoras – Kokosnuß-Piraten (!) –, die man
sich genau so in einem der "Pirates of the Caribbean"-Filme
vorstellen könnte. Und auch die besten Songs finden sich in diesem bärenstarken
Mittelteil. Kurioserweise zeichnet für die jedoch nicht die Newcomerin Auli'i
Cravalho verantwortlich – die ist zwar klar die beste Sängerin im Ensemble und
darf das OSCAR-nominierte und in der Tat gelungene "How Far I'll Go"
zum Besten geben, meinen Musikgeschmack treffen jedoch zwei andere Lieder besser: Mauis "You're Welcome" ist ein ungemein eingängiger, von
Johnson mit Verve vorgetragener Ohrwurm, während das von Jemaine Clement
(TV-Serie "Flight of the Conchords") als fiese Riesenkrabbe Tamatoa
gesungene "Shiny" sehr ungewöhnlich, komplex strukturiert und dabei
äußerst hörenswert ist. Alle drei Songs wurden übrigens von Lin-Manuel Miranda
komponiert, wohingegen für die meisten anderen, stärker an traditioneller
polynesischer Musik orientierten Lieder der samoanische Musiker Opetaia Foa'i
verantwortlich zeichnet.
Den extrem hohen Unterhaltungswert des Mittelteils kann das
Finale des abzüglich des sehr langen Abspanns nur gut 90 Minuten langen
"Vaiana" nicht ganz halten. Das hat ebenso mit dem Fehlen eines
richtigen Bösewichts zu tun – daß der schön schaurig aussehende Vulkan-Dämon Te
Kā nicht sprechen kann, ist in dieser Hinsicht nicht hilfreich – wie mit einem recht kurz gehaltenen, etwas antiklimaktischen Showdown. Wobei der
dahingehend ein Lob verdient, daß er nicht das auch in vielen Animationsfilmen
übliche actionreiche Finale anbietet, sondern einen etwas anderen,
einfallsreicheren – dafür relativ unspektakulären – Weg einschlägt. Die
größte Stärke von "Vaiana" sind und bleiben aber sowieso seine beiden
Protagonisten, die von Cravalho und Johnson toll vertont wurden und sich
wunderbar die Bälle zuspielen, wobei Maui einige nette Disney-Seitenhiebe
einbaut. Beispiel gefällig? Als Maui seine neue Reisegefährtin als
"Prinzessin" bezeichnet, protestiert diese, sie sei keine Prinzessin,
sondern die Tochter des Chiefs. Worauf Maui trocken (aber sehr treffend)
entgegnet: "Du trägst ein Kleid, singst viel und sprichst mit Tieren. Ganz
klar: Prinzessin!" Apropos Tiere: Ja, natürlich hat auch Vaiana einen
animalischen Sidekick in dem von "Firefly"-Star Alan Tudyk ge-, äh,
gackerten verrückten schielenden Huhn Heihei – dessen Rolle fällt eher
klein und eindimensional, aber durchaus amüsant aus. Insgesamt macht
der auch optisch überzeugende "Vaiana" großen Spaß und so ist es definitiv eine gute
Nachricht, daß Ende 2019 durchsickerte, es werde eine Fortsetzung vorbereitet.
Ich freu' mich drauf.
Fazit: "Vaiana" ist ein phantasievolles und
sehr witziges Südseeabenteuer, das sein Publikum mit zwei sehr sympathischen
und toll vertonten Hauptfiguren, viel Humor und einigen starken Songs für sich
einnimmt.
Wertung: 8,5 Punkte.
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