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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Dienstag, 25. Juni 2019

GODZILLA II: KING OF THE MONSTERS (3D, 2019)

Regisseur: Michael Dougherty, Drehbuch: Zach Shields und Michael Dougherty, Musik: Bear McCreary
Darsteller: Kyle Chandler, Vera Farmiga, Millie Bobby Brown, Ken Watanabe, Charles Dance, Bradley Whitford, Zhang Ziyi, Sally Hawkins, Thomas Middleditch, Aisha Hinds, Joe Morton, David Strathairn, O'Shea Jackson Jr., Anthony Ramos, Elizabeth Faith Ludlow, CCH Pounder, Kelli Garner
 Godzilla II: King of the Monsters (2019) on IMDb Rotten Tomatoes: 42% (5,2); weltweites Einspielergebnis: $386,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 132 Minuten.

Als im Jahr 2014 der Kampf von Godzilla gegen die Mutos San Francisco zerstörte, ging dabei auch die Wissenschaftler-Familie Russell zu Bruch, denn der kleine Sohn Andrew starb dabei. Während Vater Mark (Kyle Chandler, "Carol") sich mit viel Alkohol tröstete, trennte sich Mutter Emma (Vera Farmiga, "Conjuring") von ihm und widmete sich fortan ganz der Erforschung von Godzilla und anderen "Titanen" im Auftrag der multinationalen Geheimorganisation Monarch – ihre aufgeweckte Tochter Madison (Millie Bobby Brown aus der Netflix-Serie "Stranger Things") nahm sie mit. Doch eines Tages wird die Monarch-Station im chinesischen Yunnan-Waldgebiet vom britischen Öko-Terroristen Alan Jonah (Charles Dance, "The Imitation Game") und seinen Männern überfallen, die alle Monarch-Mitarbeiter bis auf Emma und Madison töten. Daß Mutter und Tochter verschont werden, hat einen Grund: Emma hat eine "Orca" genannte Maschine geschaffen, mit der man die Titanen wohl bis zu einem gewissen Grad beherrschen und lenken kann und deren Handhabung nur sie beherrscht! Als Mark über die Entführung informiert wird, arbeitet er mit weiteren Monarch-Wissenschaftlern und -Soldaten rund um Dr. Ishiro Serizawa (Ken Watanabe, "Batman Begins"), Dr. Vivienne Graham (Sally Hawkins, "Shape of Water"), Dr. Rick Stanton (Bradley Whitford, "The Cabin in the Woods") und Dr. Ilene Chen (Zhang Ziyi, "The Grandmaster") zusammen, um die beiden zu retten und Jonah aufzuhalten. Doch der hat mit "Orca" bereits den mächtigen dreiköpfigen Drachen King Ghidorah geweckt und ab diesem Moment läuft alles komplett aus dem Ruder, denn King Ghidorah scheint alle schlummernden Urzeitkreaturen zu wecken und zu sich zu rufen …

Kritik:
Als im Jahr 2014 Gareth Edwards für das auf Genrestoffe spezialisierte Studio Legendary eine neue Hollywood-Version der japanischen Kaiju-Ikone "Godzilla" in die Kinos brachte, fielen die Kritiken überwiegend positiv aus – die Zuschauerreaktionen hingegen erheblich zwiespältiger. Einig waren sich Kritiker und "normale" Kinobesucher (und auch ich) weitgehend darin, daß die Teile des Films, die sich um die menschlichen Protagonisten drehen, mittelmäßig ausfielen und in erster Linie als Füllmaterial zwischen den Monstersequenzen dienen, derentwegen die Zuschauer überhaupt in solche Filme gehen. Uneinigkeit herrschte jedoch hinsichtlich besagter Monsterszenen – die wurden für viele Godzilla-Fans nämlich zu sparsam eingesetzt. Für mich war dieser Vorwurf nie wirklich nachvollziehbar, denn gerade weil Gareth Edwards nach dem klassischen "Vorfreude ist die schönste Freude"-Prinzip Godzillas Erscheinen lange geschickt andeutete und zunächst lediglich einzelne Körperteile des Giganten zeigte, funktionierte die finale Enthüllung in seiner ganzen Pracht umso besser. Trotzdem kamen die Einwände vieler Fans offensichtlich bei den Entscheidungsträgern an, denn die erst fünf Jahre später folgende Fortsetzung "Godzilla II: King of the Monsters" hat den Monsteranteil deutlich ausgeweitet und den für Genreverhältnisse recht bodenständigen Storyansatz des Vorgängers zu Gunsten einer abrupten Hinwendung zum selbstbewußten B-Movie á la "Pacific Rim" beiseitegefegt. Jenen, die Edwards' "Godzilla" nicht mochten, scheint diese inhaltliche und stilistische Kehrtwende im Großen und Ganzen zu gefallen, bei den Kritikern kam sie hingegen überhaupt nicht gut an. Und erneut stimme ich den Kritikern zu: "Godzilla II: King of the Monsters" bietet zwar reichlich Monster-Action, hat unter dem neuen kreativen Team um den Regisseur und Koautor Michael Dougherty ("Trick 'r Treat") jedoch das Gespür für den effektiven Einsatz der Kreaturen verloren und gestaltet die "Menschenpassagen" noch weniger überzeugend als der Vorgänger.

"Zu viele Monster verderben den Brei", könnte man in Anlehnung an ein altes Sprichwort sagen, denn genau das ist eines der Probleme von "King of the Monsters". Wo Edwards Godzilla und seine beiden damaligen Monster-Gegenspieler (die Mutos) so einsetzte, wie sie es verdient haben – als majestätische Geschöpfe, deren Auftauchen jedes einzelne Mal Ehrfurch gebietet und einen "sense of wonder" hervorruft –, sorgt die Monster-Anhäufung bei Dougherty dafür, daß man es schnell nur noch mit einem Schulterzucken quittiert, wenn die nächste aus der jahrzehntealten japanischen Reihe bekannte Kreatur ihren Auftritt hat. Den Kreaturendesignern ist wohlgemerkt kein Vorwurf zu machen, denn die Kaiju sehen ausnahmslos beeindruckend und ästhetisch sehr ansprechend aus. Aber es gibt einfach zu wenige Szenen, in denen diese Titanen wirklich gut zur Geltung kommen. Das Gespür für ihre majestätische Erscheinung geht Dougherty im Vergleich zu Edwards deutlich ab, außerdem wirkt der Film generell nie wirklich harmonisch. Die sowieso ziemlich austauschbare Story wirkt nie wie aus einem Guß und der Spannungsbogen ist kaum vorhanden, denn durch die vielen Monster folgt ein "Höhepunkt" so schnell auf den nächsten, daß sie jedwedes Alleinstellungsmerkmal verlieren und irgendwann nur noch langweilen – was selbstredend das genaue Gegenteil jener Reaktion ist, die eigentlich hervorgerufen werden sollte. Die allen Kaiju-Filmen immanente Ökobotschaft ist natürlich auch bei "King of the Monsters" vorhanden und grundsätzlich lobenswert, doch ist sie für meinen Geschmack ein bißchen dick aufgetragen – das funktioniert im bodenständigeren Vorgänger (wie fast alles) besser. Die Figurenzeichnung ist dabei ähnlich rudimentär ausgefallen wie in "Godzilla", wobei für meinen Geschmack ein richtiger Hauptdarsteller fehlt, wie es dort Aaron Taylor-Johnson war.

"King of the Monsters" verteilt die Last der Handlung auf viele Schultern, wenn die glaubwürdig zerrissene Familie Russell auch im Mittelpunkt steht. Für fehlende Charaktertiefe entschädigt wenigstens die gute Besetzung, denn Vera Farmiga, der dank Peter Jacksons "King Kong" monstererfahrene Kyle Chandler und Millie Bobby Brown verkörpern die Russells überzeugend und werden von dem von Ken Watanabe, Bradley Whitford und Zhang Ziyi sehr sympathisch verkörperten Wissenschaftler-Trio gut ergänzt. Vor allem die ausgebaute Rolle für den bereits im ersten Teil in Erscheinung getretenen Watanabe ist eine gute Entscheidung, wohingegen die beiden anderen (menschlichen) Rückkehrer Sally Hawkins und David Strathairn (Admiral Stenz) nur wenig zu tun bekommen. Ein paar nette Ansätze birgt die Handlung in sich, beispielsweise mit einer an H.P. Lovecrafts Geschichten erinnernden Unterwasserstadt, aber insgesamt fällt sie leider ziemlich austauschbar, klischeehaft und konstruiert (z.B. mit technischen Problemen sehr offensichtlich im genau "richtigen" Moment, um die Laufzeit zu strecken und den Figuren etwas zu tun zu geben) aus; manche Dialogzeilen kommen zudem ziemlich wenig durchdacht daher (wenn laut einer geäußerten Theorie der Mensch die Infektion ist und die Titanen das reinigende Fieber sind, warum wollen dann manche Titanen, allen voran Godzilla, die Menschen beschützen?). Das wäre in einem Monsterfilm verschmerzbar, wenn dafür die Monsterpassagen gut funktionieren würden. Aber das tun sie eben nur bedingt, da die Monster lediglich im gut inszenierten Endkampf (der jedoch immer noch Steigerungspotential offenbart und teils etwas unübersichtlich ist) wirklich Eindruck schinden. Einen noch schlechteren Eindruck verhindert übrigens die klangvolle, abwechslungsreiche Musik des eigentlichen TV-Serien-Experten Bear McCreary ("The Walking Dead", "Battlestar Galactica"), die neben Eigenkompositionen auch einige Monster-Leitmotive von Akira Ifukube aus den alten japanischen Filmen verarbeitet und für mich das stärkste Element von "King of the Monsters" ist. Der grandiose Song "Godzilla" von Serj Tankian (ein Cover des mir bis dahin unbekannten Blue Öyster Cult-Songs von 1977) während des Abspanns rundet das erstklassige Klangerlebenis hervorragend ab und verkürzt nebenbei die Wartezeit auf eine leider eher verzichtbare zusätzliche Szene nach dem Abspann. Ob die einen möglichen dritten "Godzilla"-Teil vorbereiten soll oder bereits zum 2020 folgenden "Godzilla vs. Kong" überleitet (auch der in den 1970er Jahren spielende "Kong: Skull Island" ist Teil von Legendarys MonsterVerse, mit dem dort von Corey Hawkins, in "King of the Monsters" von Joe Morton gespielten Dr. Brooks gibt es sogar eine direkte Verbindung), ist nicht ganz klar, vermutlich aber Letzteres. Angesichts der enttäuschenden Einspielergebnisse für "King of the Monsters" ist es sowieso fraglich, ob es noch einen dritten "Solofilm" geben wird – einzig das starke chinesische Resultat (wohl zum Teil der Mitwirkung von Zhang Ziyi in einer großen Nebenrolle zu verdanken) könnte Legendary final an einem Verlustgeschäft vorbeischrammen lassen.

Fazit: "Godzilla II: King of the Monsters" ist ein generischer Monsterfilm mit austauschbarer Story, der zwar jede Menge Monsterszenen und -kämpfe bietet, diese aber bei weitem nicht so eindrucksvoll in Szene zu setzen weiß wie der Vorgänger.

Wertung: 6 Punkte.


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