Mittwoch, 27. März 2024

BULLET TRAIN (2022)

Regie: David Leitch, Drehbuch: Zak Olkewicz, Musik: Dominic Lewis
Darsteller: Brad Pitt, Aaron Taylor-Johnson, Brian Tyree Henry, Joey King, Sandra Bullock, Michael Shannon, Hiroyuki Sanada, Andrew Koji, Benito A Martínez Ocasio (aka Bad Bunny), Zazie Beetz, Logan Lerman, Masi Oka, Karen Fukuhara, Pasha D. Lychnikoff, Ryan Reynolds, Channing Tatum, David Leitch
Bullet Train (2022) on IMDb Rotten Tomatoes: 54% (5,6); weltweites Einspielergebnis: $239,3 Mio.
FSK: 16, Dauer: 127 Minuten.
"Ladybug" ist der Deckname eines US-amerikanischen Auftragskillers (Brad Pitt, "Ad Astra"), der sich selbst vom Pech verfolgt wähnt und deshalb eine Auszeit von seinem Job genommen hat. Nach – angeblich – erfolgreicher Psychotherapie meldet Ladybug sich zurück zum Dienst und bekommt von seiner Handlerin Maria (Sandra Bullock, "Ocean's 8") zum Wiedereinstieg einen vermeintlich einfachen Auftrag in Tokio: Er soll einen Aktenkoffer aus dem legendären japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen – auch als "Bullet Train" bekannt – stehlen. Natürlich hat die Sache einen Haken, denn in besagtem Aktenkoffer befindet sich das Lösegeld für den Sohn (Logan Lerman, "Vielleicht lieber morgen") des Yakuza-Bosses "Der weiße Tod" (Michael Shannon, "Zeiten des Aufruhrs"), weshalb er von zwei weiteren Auftragskillern mit den Decknamen Lemon (Brian Tyree Henry, "Hotel Artemis") und Tangerine (Aaron Taylor-Johnsen, "Anna Karenina") bewacht wird. Was die Sache noch weiter verkompliziert: An Bord des Zuges befindet sich der Yakuza Kimura (Andrew Koji, "Snake Eyes"), welcher jene Person sucht, die seinen nun schwer verletzten Sohn von einem Dach gestoßen hat. Zu seinem Erstaunen ist die Übeltäterin eine harmlos wirkende junge Frau (Joey King, "The Princess"), deren eigentliches Ziel wiederum die Tötung von des "weißen Todes" ist ...

Kritik:
Brad Pitt hat spätestens mit dem OSCAR für Tarantinos "Once Upon a Time in … Hollywood" eine Phase seiner Karriere erreicht, in der er im Grunde genommen machen kann, was er will. Und das nutzt er weidlich aus. Er gibt spaßige Cameos ("Deadpool 2"), macht auch mal drei Jahre lang Pause und sucht sich offensichtlich Rollen und Filme aus, die nach besonders viel Spaß klingen. Glücklicherweise überträgt sich dieser Spaß in der Regel auf das Publikum und das trifft auch auf "Bullet Train" zu, eine Actionkomödie, die auf einem Roman des japanischen Autors Kōtarō Isaka basiert. An seiner Seite agiert dabei mit Sandra Bullock (die die meiste Zeit über nur übers Telefon zu hören ist) übrigens eine Frau, die sich in einer ganz ähnlichen Karrierephase befindet. Mit seinem originellen, begrenzten Setting und einem Schwerpunkt auf schräge, tarantinoeske Figuren betont "Bullet Train" mehr die Komödien- als die Actionanteile und Realitätsnähe steht angesichts einiger wenig glaubwürdiger Wendungen auch nicht gerade an erster Stelle. Das macht aber nichts, denn "Bullet Train" erfreut Anhänger des Genres mit viel Witz, einem tollen Schauspiel-Ensemble inklusive hochkarätiger Cameos und spektakulär in Szene gesetzten Kampfsequenzen.

Daß die Handlung selbst trotz besagter Wendungen ziemlich dünn ausfällt, kommt nicht ganz überraschend und stört auch gar nicht allzu sehr. Das Tempo und die Gagdichte sind einfach zu hoch, um auch nur ansatzweise Langeweile aufkommen zu lassen – oder zumindest gilt das für die erste Hälfte des Zweistünders, der aber in der zweiten Hälfte die Qualität nicht ganz halten kann und dann doch ein paar kleinere Längen überbrücken muß. Das gelingt vor allem mit den amüsant-absurden Dialogen, die deutlich von Tarantino oder auch den Coen-Brüdern inspiriert sind, aber nicht einfach wie ein billiger Abklatsch wirken, sondern überwiegend gut zu unterhalten wissen (auch wenn nicht jeder Gag zündet). Das hängt damit zusammen, daß sie von echten Könnern vorgetragen werden: Nicht nur Pitt hat sichtlich viel Freude an seiner Rolle als nach seiner Auszeit noch leicht verunsicherter Profikiller, der trotz seines Berufs ein wenig wie ein klassischer, arglos in eine brenzlige Geschichte geratender Hitchcock-Held wirkt. Auch Brian Tyree Henry (der als Tangerine mit dessen Obsession für die Kinderserie "Thomas, die kleine Lokomotive" für einen witzigen Running Gag sorgt), Aaron Taylor-Johnson oder Joey King erfüllen ihre genüßlich überzeichneten Figuren sehenswert mit Leben. Und Michael Shannons "weißer Tod" als Hauptantagonist tritt zwar erst recht spät auf den Plan, gibt jedoch einen würdigen Gegenspieler für Pitts Ladybug ab.

Eine große Rolle spielt in "Bullet Train" die Musik. Auch wegen coronabedingter Verzögerungen bekam der junge britische Filmkomponist Dominic Lewis ("The King's Man: The Beginning") viel Zeit und künstlerische Freiheit und nutzte diese für einen außergewöhnlichen Soundtrack. Das betrifft den naheliegenderweise von japanischen Einflüssen geprägten Score, noch mehr aber die Songauswahl. Diese beinhaltet sowohl japanische Popsongs der 1960er Jahre als auch neu eingespielte, originelle Coverversionen westlicher Hits. Dazu zählen etwa japanischsprachige Cover des Bee Gees-Megasellers "Stayin' Alive" oder Bonnie Tylers "Holding Out for a Hero", aber auch eine Neuaufnahme des 1919 erstmals veröffentlichten Liedes "I'm Forever Blowing Bubbles" durch die britische Musiker-Legende Engelbert Humperdinck – und zwar im Stil der 1960er Jahre. Das klingt alles sehr wild, funktioniert im Zusammenspiel aber erstaunlich gut und gibt "Bullet Train" eine ganz eigene, unverwechselbare akustische Note. Insgesamt ist "Bullet Train" ein wenig anspruchsvolles oder gar originelles, jedoch ungemein unterhaltsames Kino-Vergnügen, das durch seine Edel-Besetzung und die glänzende Chemie zwischen Brad Pitt und Sandra Bullock noch vergrößert wird.

Fazit: "Bullet Train" ist eine vergnügliche Actionkomödie mit hochkarätiger Besetzung, die zwar keine Originalitätspreise gewinnt, aber Genrefreunde zwei Stunden lang richtig gut unterhält.

Wertung: 7,5 Punkte.
 
 
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