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Dienstag, 2. Januar 2018

KILLER'S BODYGUARD (2017)

Originaltitel: The Hitman's Bodyguard
Regie: Patrick Hughes, Drehbuch: Tom O'Connor, Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Salma Hayek, Élodie Jung, Yuri Kolokolnikov, Joaquim de Almeida, Tine Joustra, Richard E. Grant, Rod Hallett, Marko Mandic, Sam Hazeldine, Barry Atsma, Mounir Margoum, Joséphine de La Baume
 Killer's Bodyguard
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 40% (5,2); weltweites Einspielergebnis: $176,6 Mio.
FSK: 16, Dauer: 119 Minuten.

Der skrupellose weißrussische Diktator Dukhovich (Gary Oldman, "Dame, König, As, Spion") ist vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Völkermordes angeklagt, doch Beweise gibt es wenige und die Zeugen gegen Dukhovich sterben weg wie die Fliegen, ehe sie aussagen können. Der allerletzte Trumpf der Anklage ist der in Manchester inhaftierte Elite-Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson, "Kong: Skull Island"), den Dukhovich einst anheuern wollte. Kincaid ist im Austausch für die Freiheit seiner ebenfalls festgenommenen Ehefrau Sonia (Salma Hayek, "Savages") zur Aussage bereit – doch dafür muß er erst lebendig nach Den Haag gebracht werden. Mit der Überführung beauftragt Interpol-Vizedirektor Foucher (Joaquim del Almeida, TV-Serie "Queen of the South") ein Team um die junge Agentin Amelia (Élodie Yung, "G.I. Joe – Die Abrechnung"). Als der Konvoi von Dukhovichs Schergen attackiert wird und sich Amelia nur knapp mit Kincaid in Sicherheit bringen kann, ist klar: Es muß einen Maulwurf geben. Also ruft sie den einzigen um Hilfe, dem sie in einer solchen Situation vertraut: ihren Ex-Freund Michael Bryce (Ryan Reynolds, "Deadpool"), von Beruf Personenschützer. Der allerdings ist gar nicht gut auf Kincaid zu sprechen, denn mit dem Auftragsmörder stieß er im Rahmen seiner Tätigkeit schon häufig zusammen …

Kritik:
Nachdem der australische Regisseur Patrick Hughes mit "The Expendables 3" einen soliden Hollywood-Einstand feierte (für die Problematik mit der von Reihenschöpfer Sylvester Stallone angestrebten niedrigen Altersfreigabe, die zum Boykott speziell der US-Fans und damit einem mittelmäßigen Einspielergebnis führte, konnte er nichts), legt er mit "Killer's Bodyguard" eine weitere Actionkomödie nach, die mit einer sogar noch hochkarätigeren Besetzung protzen kann. Dummerweise kommt davon aber nur die Hälfte zur Geltung, denn das sehr generisch geratene Drehbuch von Tom O'Connor ("Fire with Fire") konzentriert sich fast komplett auf das charismatische Hauptdarsteller-Duo Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson. Das ist zwar nicht die dümmste Idee, denn tatsächlich harmonieren Reynolds und Jackson gut und sind somit letztlich der mit Abstand beste Grund, sich "Killer's Bodyguard" anzuschauen. Wirklich mehr als ein mittelmäßiger Genrebeitrag ist zwar trotzdem nicht herausgekommen, das Duo sorgt aber zumindest dafür, daß man ihn sich schmerzfrei anschauen kann und sich trotz der vielen Mängel sogar leidlich gut unterhalten fühlt.
Die Prämisse ist ebenso altbekannt wie bewährt: Zwei starke, jedoch höchst unterschiedliche Persönlichkeiten sind dazu gezwungen, zusammenzuarbeiten, um die Bösen zur Strecke zu bringen. In diesem Fall sind das der von Reynolds verkörperte mürrische Bodyguard Bryce, der alles haarklein vorausplant, und Jacksons implusiver Auftragskiller Kincaid, der am liebsten improvisiert. Zugegeben, daß eine Hälfte des ungleichen Duos hier ein Auftragsmörder ist, das ist dann doch eher ungewöhnlich (in "Nur 48 Stunden" mußte Cop Nick Nolte zumindest mit dem Kleinkriminellen Eddie Murphy kooperieren, aber ein Killer ist natürlich schon noch mal eine andere Hausnummer); die praktischen Auswirkungen sind jedoch minimal, zumal Kincaid sich selbst wegen seiner strengen Kriterien, welche Aufträge er annimmt, sowieso als einen von den Guten betrachtet. Trotzdem streiten und frotzeln sie natürlich ständig, was zwar – wie der gesamte Film – nicht sonderlich originell ist, aber ziemlich amüsant. Immerhin ein paar ungewöhnlichere Ideen hat das Drehbuch auch zu bieten, speziell überzeugen die vereinzelten, sehr gewalthaltigen "Liebes-Rückblenden" beider Männer, die umso witziger sind, als sie mit besonders schwülstigen Lovesongs unterlegt sind (Lionel Richies "Hello" respektive Foreigners "I Want to Know What Love Is" – ich mag übrigens beide Songs, das mit dem "schwülstig" ist also gar nicht negativ gemeint!).
Damit wären wir bei den beiden Damen des Films angelangt, deren Rollen sich allerdings leider größtenteils auf ihren Status als Love Interest beschränken. Vor allem Salma Hayek ist als Kincaids Ehefrau Sonia sträflich unterbeschäftigt, macht aber definitiv das Beste aus der Rolle: Ja, die heißblütige Latina ist ein arges Klischee, aber wenn es so hinreißend dargeboten wird wie hier von Salma Hayek, dann nimmt das sehr gerne in Kauf. Die Französin Élodie Yung hat als Bryces Ex-Freundin und Interpol-Agentin Amelia deutlich mehr zu tun, bleibt nach einem vielversprechenden Auftakt enttäuschenderweise aber letztlich doch gutaussehende Staffage. Ähnlich sieht es mit dem großen bösen Wolf der Geschichte aus: Auch wenn er seine wenigen Szenen gekonnt nutzt, um den skrupellosen Diktator Dukhovich so bösartig und hassenswert wie nur irgend möglich zu charakterisieren, fragt man sich unweigerlich, was Gary Oldman wohl geritten hat, eine dermaßen stereotype und oberflächliche Rolle zu akzeptieren – alleine der Gehaltsscheck wird es kaum gewesen sein, vielleicht hatte er ganz einfach Zeit zwischen zwei Filmen, die ihm wirklich am Herzen lagen, und dachte sich, ein paar Drehtage in Europa mit netten Kollegen kommen genau richtig? Aber wie dem auch sei: So bedauerlich es ist, einen Hochkaräter wie Gary Oldman so klar zu unterfordern, so ist er doch zweifellos trotzdem eine Bereicherung.
Generell ist die sowieso sehr dünne Handlung von "Killer's Bodyguard" ähnlich ausgelutscht und uninspiriert wie Bösewicht Dukhovich. Die stark an Filme wie Clint Eastwoods "Der Mann, der niemals aufgibt" oder "16 Blocks" mit Bruce Willis erinnernde Story des wichtigen Zeugen, der gegen alle Widerstände rechtzeitig zu seiner Aussage vor Gericht gebracht werden muß, ist nun wirklich nicht einfallsreich und selbst die Frage nach der Identität des Maulwurfs sorgt nicht für Spannung, da die dem Zuschauer erstaunlich früh offenbart wird. Und über diverse, für das Genre recht typische Logik- und Glaubwürdigkeitsprobleme (wie die Tatsache, daß immer genau so viele von Dukhovichs Schergen auftauchen, daß Bryce und Kincaid sie noch relativ problemlos abfertigen können, anstatt daß es mal einen wirklich massierten Angriff gäbe) will ich gar nicht großartig reden. So bleiben letztlich eben die beständigen Frotzeleien zwischen den spielfreudigen Reynolds und Jackson als der große Pluspunkt des Films – und natürlich die zahllosen Actionsequenzen, die von rasanten Schußwechseln und Nahkämpfen bis hin zu Verfolgungsjagden zu Fuß, im Auto und sogar á la James Bond im Boot alles abdecken. Das ist trotz eines überschaubaren Budgets von $30 Mio. größtenteils grundsolide choreographiert und angemessen spektakulär in Szene gesetzt, wenn "Killer's Bodyguard" auch kaum etwas zu bieten hat, das Genrefreunde nicht bereits mehrfach anderswo gesehen hätten.

Fazit: "Killer's Bodyguard" ist eine solide Actionkomödie nach Schema F, die sich durch die hochkarätige Besetzung und dabei speziell die gut aufgelegten Hauptdarsteller Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson leicht oberhalb des Mittelmaßes einrangiert.

Wertung: 6,5 Punkte.


"Killer's Bodyguard" ist im Vertrieb von EuroVideo seit 30. Dezember 2017 digital erhältlich, auf DVD und Blu-ray erscheint er am 12. Januar 2018. Eine Rezensionsmöglichkeit wurde mir von EuroVideo freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


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