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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 30. August 2016

KINOVORSCHAU HERBST 2016 (Teil 1)

Letztes Update vom 1. Oktober: Der hervorragend rezensierte Thriller "Hell or High Water" mit Jeff Bridges und Chris Pine wurde vom 20. Oktober auf den 12. Januar 2017 verschoben.

Gerade noch rechtzeitig und deshalb ohne große Vorrede präsentiere ich die große Vorschau auf die Kinomonate September und Oktober:

1. September:
"Ben Hur" (3D):
Der neueste Beitrag zur (mäßig) beliebten Reihe "Remakes, die die Welt nicht braucht" ist in den USA bereits zu einem der größten kommerziellen Flops der letzten Jahre avanciert – den Kritikern zufolge nicht ganz zu Unrecht. Zwar soll es sich bei Timur Bekmambetovs ("Night Watch") mit einer Laufzeit von zwei Stunden deutlich verkürzten Neuverfilmung des mit elf OSCARs ausgezeichneten Charlton Heston-Epos aus dem Jahr 1959 gar nicht um einen richtig schlechten Film handeln, aber um einen völlig belang- und seelenlosen. Die von ihrem besten Freund betrogene jüdische Titelfigur, die zu Jesu Christi Lebzeiten über einen Umweg als Galeerensklave nach Rache an dem Verräter und den Römern dürstet, wird diesmal von Jack Huston ("American Hustle") gespielt, während Morgan Freeman einmal mehr die Mentorenrolle übernimmt.

"Mike and Dave Need Wedding Dates":
In der derben, mit überraschend guten Kritiken ausgestatteten US-Komödie spielen Zac Efron ("Bad Neighbors 2") und Adam Devine ("Pitch Perfect") ein nicht eben handzahmes Brüderpaar, das unbedingt zwei vorzeigbare Begleiterinnen für die Hochzeit seiner Schwester benötigt. Die beiden Damen der Wahl (gespielt von Anna Kendrick und Aubrey Plaza) erweisen sich jedoch als mindestens ebenso partygeil wie ihre Dates …

Die Wiederaufführung des obskuren, aber auch ziemlich genialen japanischen Animationsfilms mit Psychedelic-Soundtrack aus dem Jahr 1973 kann ich nur jedem ans Herz legen, der einen Stoff sucht, der so weit wie nur möglich vom Hollywood-Mainstream entfernt ist (siehe meine verlinkte Klassiker-Rezension).

"Mein ziemlich kleiner Freund":
Eine französische romantische Komödie mit Virginie Efrra ("Birnenkuchen mit Lavendel") und Jean Dujardin ("The Artist"), der – dank raffinierter Kameratricks – einen 1,36m kleinen Anwalt verkörpert. Es handelt sich um ein Remake des argentinischen Hits "Heart of a Lion" aus dem Jahr 2013.

8. September:
"The Light Between Oceans":
In dem romantischen Drama von Derek Cianfrance ("Blue Valentine") finden Leuchtturmwärter Tom (Michael Fassbender) und seine Frau Isabel (Alicia Vikander) eines Tages am Strand einen toten Mann und ein lebendes Baby in einem Boot. Tom und Isabel, die sich schon lange ein Kind wünschen, beschließen kurzerhand, das Findelkind aufzunehmen und als ihr eigenes auszugeben. Das geht gut, bis irgendwann Hannah (Rachel Weisz) auftaucht, die angebliche leibliche Mutter des Mädchens …

"Männertag":
Eine deutsche Komödie über fünf Schulfreunde (gespielt u.a. von Tom Beck, Axel Stein und Milan Peschel), die für immer einmal im Jahr feucht-fröhlichen "Männertag" feiern wollen. Mit dem Erwachsenwerden gerät diese Tradition allerdings in Vergessenheit – bis einer von ihnen stirbt und die Verbleibenden zu seinen Ehren noch einmal die Sau rauslassen wollen.

Einer von vielen Überraschungshits des Jahres in den USA aus dem Horrorgenre: Regisseur Fede Alvarez schickt seine bewährte "Evil Dead"-Hauptdarstellerin Jane Levy diesmal in ein etwas geerdeteres Szenario: Sie spielt die Einbrecherin Rocky, die mit zwei Kumpanen in das falsche Haus einsteigt – das eines blinden Kriegsveteranen ("Avatar"-Bösewicht Stephen Lang), der deutlich wehrhafter ist als erwartet. Laut den Kritikern holt der Film aus der simplen "Home Invasion"-Prämisse wesentlich mehr heraus als man annehmen würde.

"Der Landarzt von Chaussy":
"Ziemlich beste Freunde"-Star François Cluzet spielt in der französischen Tragikomödie einen allseits beliebten alleinstehenden Landarzt, der nach einer vorübergehenden Erkrankung einen Kleinkrieg mit seiner Vertreterin anfängt, die er als Bedrohung für seine angesehene Stellung betrachtet.

"Absolutely Fabulous – Der Film":
Die Kinofassung der schrillen, satirischen und zumindest in ihrer Heimat kultigen britischen Comedy-Serie über zwei Frauen aus der Londoner Oberschicht.

"Nerve":
Ein vor allem an Teenager gerichteter US-Thriller über ein illegales und riskantes Internet-Spiel. Emma Roberts ("Scream 4") und Dave Franco ("Bad Neighbors") agieren als zwei der jungen Teilnehmer dieses Spiels.

"Dragonball Z: Resurrection F":
Der 19. Film der beliebten Anime-Reihe kommt auch in Deutschland in ausgewählte Kinos.

15. September:
"The Purge 3: Election Year":
Die Entwicklung dieser Horrorfilm-Reihe ist absolut ungewöhnlich: Als der erste Film von James DeMonaco (mit Ethan Hawke und Lena Headey in den Hauptrollen) 2013 in die Kinos kam, startete er dank der ungewöhnlichen Prämisse – in der nahen Zukunft ist in den USA in einer Nacht im Jahr alles erlaubt, inklusive Mord! – und einer cleveren Marketing-Strategie famos. Schnell sprach sich jedoch herum, daß der Film nicht einmal ansatzweise halten konnte, was er versprach, vielmehr ziemlich mies war. Die geringen Produktionskosten und der Monsterstart reichten aber ganz locker aus, um noch schnell eine Fortsetzung gleich für das nächste Jahr nachzuschieben – typische Abzockermentalität, wie man sie aus diesem Genre zu Genüge kennt. Dachte so ziemlich jeder. Doch als "The Purge: Anarchy" (diesmal mit Frank Grillo als Star) startete, fielen die Kritiken deutlich besser aus, auch die Einspielergebnisse verbesserten sich weiter. Man darf gespannt sein, ob DeMonaco diesen Aufwärtstrend beibehält – jedenfalls ist es durchaus clever, den dritten Teil (mit Grillo sowie Elizabeth Mitchell, die als Senatorin das Spektakel abschaffen will) als böse Satire auf den realen US-Präsidentschaftswahlkampf anzulegen. Und mal ehrlich: Würde man manchem republikanischen Kandidaten die Einführung einer solchen "Purge" nicht sogar fast zutrauen?

"Tschick":
Nach einigen weniger erfolgreichen Filmen meldet sich Fatih Akin ("Gegen die Wand") mit der Verfilmung des gleichnamigen preisgekrönten Beststellers von Wolfgang Herrndorf zurück. In dem Jugenddrama geht es um den 14-jährigen Maik, Sohn reicher, ihn aber vernachlässigender Eltern, der sich in den Sommerferien mit dem gleichaltrigen russischstämmigen Herumtreiber Tschick anfreundet – gemeinsam machen sie sich auf eine Reise durch Ostdeutschland …

"SMS für dich":
Das Regiedebüt von Karoline Herfurth ("Fack ju Göhte") ist eine auf dem Bestseller von Sofie Cramer basierende romantische Komödie, in der sie selbst die weibliche Hauptrolle der Clara spielt. Die ist seit dem Unfalltod ihres Freundes in Trauer versunken und schickt noch immer ständig SMS an das Handy ihrer großen Liebe. Was sie nicht weiß: Dessen Nummer wurde mittlerweile neu vergeben und so ist es Journalist Mark (Friedrich Mücke), der ihre Nachrichten erhält und sich neugierig auf die Suche nach der Absenderin macht. In weiteren Rollen sind Nora Tschirner, Friederike Kempter und Frederick Lau zu sehen.

"My First Lady":
Barack Obamas achtjährige Amtszeit als US-Präsident ist fast vorbei, quasi zum Abschied kommt diese Romanze in die Kinos, die vom Beginn der Liebe zwischen Barack und Michelle Obama handelt. Irgendwie faszinierend, daß sowas in den USA tatsächlich als Filmstoff taugt – man stelle sich mal sowas hierzulande über Angela Merkel oder Gerhard Schröder vor … Doch Überraschung: Den Kritikern zufolge soll Richard Tannes überwiegend mit wenig bekannten Darstellern besetzter Independent-Film richtig gut geworden sein!

"The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years":
Der OSCAR-gekrönte Regisseur Ron Howard ("A Beautiful Mind", "Rush") bringt diesen neuen Dokumentarfilm über die Beatles in die Kinos, der sich auf ihre frühen Tourneen konzentriert und dabei bislang unbekanntes Bildmaterial ans Licht des Tages bringt.

22. September:
Viel bessere Erfolgschancen als der neue "Ben Hur" dürfte dieses Remake von John Sturges' Westernklassiker von 1960 (der wiederum ein loses Remake von Akira Kurosawas Meisterwerk "Die sieben Samurai" ist) besitzen. Einmal, weil aufwendig produzierte Western immer noch selten genug in die Kinos kommen, um die geballte Aufmerksamkeit der zahlreichen Fans des Genres auf sich zu ziehen. Aber auch, da die zentrale, eigentlich ziemlich simple Geschichte von sieben ungleichen, nicht wirklich heldenhaften Männern, die angeheuert werden, um eine drangsalierte kleine Stadt zu befreien, universell ist. Und nicht zu vergessen: Regisseur Antoine Fuqua ("The Equalizer") hat mit Denzel Washington und Chris Pratt ("Jurassic World") zwei der aktuell beliebtesten Hollywood-Stars für die Hauptrollen angeheuert. Die Chancen auf einen zumindest unterhaltsamen Film stehen also recht gut.

So richtig große Erfolge – ob kommerziell oder qualitativ – konnte Hollywoods Vorzeige-Linker Oliver Stone schon lange nicht mehr feiern, mindestens seit seinem brutalen Football-Drama "An jedem verdammten Sonntag" aus dem Jahr 1999. Vielleicht gelingt ihm mit einer Thematik, die ihm wie auf den Leib geschnitten scheint, das Comeback: Joseph Gordon-Levitt ("Looper") verkörpert Edward Snowden, den vielleicht berühmtesten Whistleblower aller Zeiten, Verräter für die einen (vor allem für viele Amerikaner), Held für die anderen. Daß der eigentlich bereits für Ende 2015 geplante Kinostart mehrfach verschoben wurde, läßt allerdings Raum für Zweifel, was die Qualität betrifft.

"Bad Moms":
In den USA entwickelte sich die an ein erwachsenes weibliches Publikum gerichtete Komödie über einige Mütter (u.a. gespielt von Mila Kunis und Kristen Bell), die mal so richtig die Sau rauslassen, überraschend zu einem der größten Hits des Sommers. Und auch die Kritiken für das Regiedebüt der beiden "Hangover"-Autoren Jon Lucas und Scott Moore fielen erstaunlich wohlwollend aus.

"24 Wochen":
Viel Lob gab es bei der Berlinale für das bedrückende, aber betont nüchtern erzählte Drama um ein werdendes Elternpaar (Julia Jentsch und Bjarne Mädel), das erfährt, daß das ungeborene Baby mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen wird. Sollen sie es dennoch bekommen oder wäre eine Spätabtreibung die richtige Wahl?

"Der Vollposten":
In Italien war die Komödie über den als Beamter arbeitenden Nesthocker Checco, der sich vor jeder Verantwortung drückt, mit mehr als neun Millionen Zuschauern einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten (nach Umsatz sogar der zweiterfolgreichste, nur getoppt von "Avatar"). Erst als seine Vorgesetzte ihn zur Kündigung bringen will, indem sie ihn von einem ungemütlichen Ort irgendwo auf der Welt zum nächsten schickt, beginnt Checco, seine bisherige Lebensart zu überdenken. In der deutschen Synchronfassung wird die Hauptfigur übrigens von Bastian Pastewka gesprochen.

29. September:
Die späte Fortsetzung zu Pixars Megahit "Findet Nemo" (2003) hat nur ein wenig schwächere Kritiken erhalten als der Vorgänger und wurde dafür vom Publikum weltweit mit vollen Kinos belohnt (wenn auch außerhalb Nordamerikas "Findet Nemo" noch deutlich erfolgreicher war). Das dürfte in Deutschland kaum anders laufen.

"The Infiltrator":
"Breaking Bad"-Star Bryan Cranston steht im Mittelpunkt dieses historischen Politthrillers, in dem er den US-Drogenbeamten Bob Mazur spielt, der in den 1980er Jahren undercover bis in die Führungsriege der mächtigen Drogenkartelle vordrang. Der Film selbst erhielt eher nur leicht überdurchschnittliche Kritiken, die von Cranston angeführte Besetzung soll dagegen absolut preiswürdig agieren.

"War Dogs":
Auch diese politische Satire basiert (erschreckenderweise) auf realen Geschehnissen: Der "Starsky & Hutch"-Regisseur Todd Phillips schildert, wie zwei verantwortungsscheue Freunde Anfang 20 (Jonah Hill und Miles Teller) an einen Multi-Millionen-Dollar-Auftrag der US-Regierung für Waffenlieferungen kommen …

"Nebel im August":
Kai Wessels Adaption eines Romans von Robert Domes befaßt sich mit der Euthanasie in Nazi-Deutschland anhand des 13-jährigen Ernst, der in eine Nervenheilanstalt (deren Leiter Sebastian Koch spielt) gebracht wird. Als Ernst erkennt, daß dort die Patienten nicht geheilt, sondern final beseitigt werden sollen, wagt er einen Fluchtversuch …

6. Oktober:
Wie bei Oliver Stone ist es auch bei Tim Burton schon wieder eine Weile her, daß er letztmals mit einem Film richtig überzeugen konnte (wenngleich er im Gegensatz zu Stone mit "Alice im Wunderland" zumindest einen riesigen kommerziellen Erfolg in dieser Zeit hatte). Gut gefahren ist er aber in der Regel mit kinderfreundlichen Stoffen wie "Charlie und die Schokoladenfabrik", von daher verständlich, daß er sich demnächst an der Realfilmversion des Disney-Klassikers "Dumbo" versuchen will – und zuvor bereits an dieser Adaption eines Jugendbuchs von Ransom Riggs. Asa Butterfield ("Hugo Cabret") spielt die 16-jährige Hauptfigur, die auf ein mysteriöses, von der geheimnisvollen Miss Peregrine (Eva Green) geleitetes Waisenhaus auf einer Insel stößt, in dem seltsame Dinge vor sich gehen.

"Sausage Party – Es geht um die Wurst":
Eltern sollte ihre Kinder lieber nicht in diesen Animationsfilm mitnehmen, denn der entspringt der bekanntlich ziemlich schmutzigen Phantasie des "Das ist das Ende"-Duos Seth Rogen und Evan Goldberg und erhielt als erster computergenerierter Animationsfilm in den USA keine Jugendfreigabe. Die als derbe Parodie auf Pixar- und Disney-Animationsfilme gedachte Story handelt von einigen Lebensmitteln mit blumiger Ausdrucksweise, die dem grausamen "Tod" durch hungrige Menschen entkommen wollen …

"Blair Witch":
Mit Adam Wingard ("The Guest") wagt sich einer der aktuell heißesten Genreregisseure an eine Fortsetzung des Found Footage-Hits "The Blair Witch Project" aus dem Jahr 1999. Die damaligen Hauptfiguren um Heather Donahue sind noch immer spurlos verschwunden, weshalb sich eine neue Gruppe rund um Heathers Bruder aufmacht, um endlich zu klären, was mit den Verschollenen geschah …

"Auf einmal":
Das Thriller-Drama feierte auf der Berlinale Premiere und erhielt dort viel Lob. Sebastian Hülk spielt die Hauptrolle des Bankers Karsten, der eines Nachts nach einer Party eine sterbende Frau in seiner Wohnung liegen hat. Da er vor lauter Panik nicht gleich den Notruf wählt und die Frau dann stirbt, betrachtet ihn sein Umfeld fortan mit zunehmender Skepsis – war es denn tatsächlich nur ein Unglücksfall oder hatte Karsten doch irgendetwas mit dem Tod der jungen Frau zu tun?

"Kaum öffne ich die Augen":
Die Tunesierin Leyla Bouzid bringt die mit sehr guten Kritiken ausgestattete Geschichte einer jungen Musikerin in die Kinos, die mit ihrer Band kurz vor Beginn des "Arabischen Frühlings" unter Druck gesetzt wird, vor einem großen Konzert politische und regimekritische Texte zu ändern.

"Meine Zeit mit Cézanne":
Eine Tragikomödie über die befreundeten Künstler Paul Cézanne (Guillaume Gallienne) und Émile Zola (Guillaume Canet), die sich in die gleiche Frau (Alice Pol) verlieben.

"Antboy – Superhelden hoch 3":
Der dritte Teil der dänischen Kinderfilmreihe über den jungen Pelle, der nach einem Ameisenbiß Superhelden-Kräfte entwickelt.

"Miloš Forman – What Doesn't Kill You":
Ein Dokumentarfilm über den tschechischen Meisterregisseur Miloš Forman, der mit "Einer flog über das Kuckucksnest", "Amadeus", "Larry Flynt" und "Der Mondmann" Kinogeschichte schrieb.

13. Oktober:
"Inferno":
In seinem dritten Kinoeinsatz unter der Regie von Ron Howard muß Tom Hanks in der Rolle des von dem Bestseller-Autor Dan Brown erschaffenen Kryptologen Robert Langdon geheime Botschaften in Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" entschlüsseln, um einen verrückten Wissenschaftler (Ben Foster) an einem Massenmord zu hindern. Schützenhilfe erhält er bei seiner Hetzjagd quer durch Europa durch die Ärztin Sienna (die kommende "Star Wars"-Heldin Felicity Jones), denn Professor Langdon macht gewissermaßen einen auf Jason Bourne und ist mit starken Erinnerungslücken in einem Krankenhaus aufgewacht …

Bei Robert Redfords Sundance-Filmfestival hatte die rabenschwarze Komödie der TV-Comedy-Spezialisten Daniel Kwan und Daniel Scheinert ("Childrens Hospital", "NTSF:SD:SUV::") schnell den Ruf weg als "furzender Leichnam-Komödie". Das ist zwar eine inhaltlich zutreffende Beschreibung, die der von den Kritikern angesichts des Ideenreichtums insgesamt wohlwollend besprochenen Komödie aber nicht gerecht wird. Worum geht es? Hank ist als Schiffbrüchiger auf einer kleinen, menschenleeren Insel gelandet. Als er kurz davor ist, aufzugeben, wird die Leiche eines jungen Mannes (Daniel Radcliffe) angespült. Und wie es nunmal so ist … Was der Volleyball "Wilson" in "Cast Away" für Tom Hanks war, ist besagter verwesender (und dabei eben häufig Gase entweichen lassende) Leichnam für Hank: Ein Mittel zum Zweck, um der zunehmend am Verstand zehrenden Einsamkeit und Verzweiflung zu entfliehen. Allerdings redet Hank nicht nur mit dem Leichnam (der ihm in seiner Vorstellung übrigens antwortet), nein, er benutzt ihn als eine Art menschliches Schweizer Taschenmesser für die verschiedensten Dinge! Nun, man kann jedenfalls nicht behaupten, daß Daniel Radcliffe sich nicht bemühen würde, sein "Harry Potter"-Image hinter sich zu lassen …

"Die Welt der Wunderlichs":
Die neue Komödie von Dani Levy ("Alles auf Zucker") erzählt auf überdrehte Art und Weise eine sehr dysfunktionale Familiengeschichte, deren Prämisse (die Familie macht sich zusammen auf den Weg zu einer Casting-Show in der Schweiz) an "Little Miss Sunshine" erinnert und die mit Katharina Schüttler, Christiane Paul, Peter Simonischek (aus dem diesjährigen deutschen OSCAR-Beitrag "Toni Erdmann") und Hannelore Elsner glänzend besetzt ist.

"Saint Amour – Drei gute Jahrgänge":
In der eher auf groben Humor setzenden französisch-belgischen Tragikomödie versuchen ein Vater (Gérard Depardieu) und sein erwachsener Sohn (Benoît Poelvoorde, "Das brandneue Testament") auf einer gemeinsamen Weintour durch den Süden Frankreichs, ihr zerrüttetes Verhältnis zueinander zu kitten.

20. Oktober:
"The Accountant":
Sofern er nicht gleich selbst (wie in "Argo" oder "The Town") auch die Regie übernahm, war Ben Afflecks Rollenwahl in den letzten Jahren nicht unbedingt vom Glück verfolgt ("To the Wonder", "Runner Runner", auch "Batman v Superman"). Gut, David Finchers "Gone Girl" war eine Ausnahme – und darauf darf man auch bei "The Accountant" hoffen, denn Regisseur Gavin O'Connor ("Warrior") kann was und auch die Story dieses Thrillers klingt interessant: Affleck spielt ein Mathegenie, das jedoch große Probleme im Umgang mit Menschen hat und deshalb als Steuerberater in einer kleinen Stadt arbeitet. Zu seinen Klienten zählen allerdings einige mächtige Gangster, was ihn prompt in ernsthafte Schwierigkeiten bringt, als er auf einige Ungereimtheiten stößt und diesen nachspürt. In weiteren Rollen sind Anna Kendrick, J.K. Simmons und Jon Bernthal zu sehen.

"Bridget Jones' Baby":
Der Titel sollte selbsterklärend sein: Die zum dritten Mal von Renée Zellweger verkörperte neurotische Mittvierzigerin Bridget Jones wird unverhofft schwanger. Als Vater kommen zwei Männer in Betracht: Ihr alter Schwarm Mark (Colin Firth) und der smarte Amerikaner Jack (Patrick Dempsey). Auf den Regiestuhl kehrt Sharon Maguire zurück, die vor 15 Jahren bereits den ersten Teil inszenierte.

"Trolls" (3D):
Ein 3D-Animationsfilm, der auf den vor allem in den USA populären Spielzeug-Trollpuppen basiert. Gesangseinlagen wird es wohl auch geben (immerhin zählen in der Originalfassung Justin Timberlake und Gwen Stefani zu den Sprechern).

"Burg Schreckenstein":
Die erste Verfilmung der beliebten Jugendbuchreihe von Oliver Hassencamp über ein Jungen-Internat auf einer Burg. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen natürlich die Kinder, in den Erwachsenenrollen sind u.a. Jana Pallaske, Henning Baum, Sophie Rois und Harald Schmidt (als Graf Schreckenstein) zu sehen.

"Ouija 2: Ursprung des Bösen":
Trotz mäßiger Kritiken war der Horrorfilm "Ouija" vor zwei Jahren ein veritabler kommerzieller Erfolg, da darf eine Fortsetzung natürlich nicht fehlen – beziehungsweise in diesem Fall ein Prequel. Die Leitung übernahm diesmal "Oculus"-Regisseur Mike Flanagan, der eine in den 1960er Jahren in Los Angeles angesiedelte Geschichte erzählt, in der der Mißbrauch eines Ouija-Bretts (mit dem man angeblich mit den Toten kommunizieren kann) grauenhafte Folgen zeitigt …

"Das kalte Herz":
In Johannes Nabers ("Zeit der Kannibalen") Neuverfilmung des Märchens von Wilhelm Hauff (von dem es übrigens bereits eine sehr schöne DDR-Adaption von 1950 gibt) spielt Frederick Lau ("Victoria") den armen Köhler Peter Munk, der einen Pakt mit dem dämonischen Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu) eingeht, um reich zu werden und seine große Liebe beeindrucken zu können.

27. Oktober:
Der nächste Neuzugang im Marvel Cinematic Universe ist Benedict Cumberbatch als brillanter Neurochirurg Stephen Strange, der durch eine mysteriöse Mentorin (Tilda Swinton) in Tibet mächtige magische Fähigkeiten erwirbt, mit denen er die Erde vor Gefahren durch dunkle Magie schützen muß. Regie führt der Marvel-Neuling und Horror-Spezialist Scott Derrickson ("Sinister"), was für einen etwas düstereren Tonfall als bei den meisten Marvel-Filmen spricht.

"Girl on the Train":
Nach der OSCAR-gekrönten Romanverfilmung "The Help" und dem James Brown-Biopic "Get On Up" wagt sich Regisseur Tate Taylor nun an ein ganz anderes Genre, nämlich an einen auf einem Bestseller von Paula Hawkins basierenden klassischen Psycho-Thriller. Emily Blunt spielt die titelgebende Pendlerin, die täglich mit dem Zug zu ihrer Arbeit nach New York fährt (im Buch ist es London) und dabei an ihrem früheren Haus vorbeikommt, in dem ihr Ex-Mann mit seiner neuen Familie lebt. Eines Tages beobachtet sie vom Zug aus etwas, das dermaßen schrecklich ist, daß sie sich anschließend bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt und am Morgen danach ohne Erinnerung aufwacht. Was ist nur geschehen?

Mit seinem neuesten Streich scheint sich das kleine, aber sehr feine amerikanische Stop Motion-Animationsstudio Laika – das bereits für "Coraline" und "ParaNorman" verantwortlich zeichnete – selbst übertroffen zu haben, jedenfalls zählt "Kubo" in den USA zu den am besten rezensierten Filmen des Jahres! Es geht um den jungen Geschichtenerzähler Kubo, der im alten Japan versehentlich einen bösen und rachsüchtigen Geist freisetzt. Um seinen Fehler wiedergutzumachen, muß er es mit der Hilfe eines Affen und eines Käfers mit Göttern und Monstern aufnehmen … Wie immer bei Laika ist auch "Kubo" nicht für ganz kleine Zuschauer geeignet, da er eben nicht wie so viele amerikanische Animationsfilme vor allem auf Humor setzt, sondern auch eine anspruchsvolle Story erzählt, der zu folgen Aufmerksamkeit erfordert.

"Ostfriesisch für Anfänger":
Dieter Hallervorden spielt in der Tragikomödie den verschuldeten Ostfriesländer Uwe, in dessen zwangsverpfändetem Haus Flüchtlinge einquartiert werden sollen. Uwe ist davon alles andere als begeistert und als er mit seinem Protest über die Stränge schlägt, muß er den (aus seiner Sicht) Hausbesetzern zu allem Überfluß auch noch Deutsch beibringen, um nicht selbst im Gefängnis zu landen …

"31":
In dem neuen Horrorfilm von Schock-Rocker Rob Zombie ("The Devil's Rejects") werden einige fahrende Schausteller kurz vor Halloween gezwungen, ein mörderisches Spiel namens "31" zu spielen. Dabei müssen sie zwölf Stunden lang in einem mit tödlichen Fallen und bewaffneten Widersachern gespickten Labyrinth überleben …

"Allein gegen die Zeit – Der Film":
Der erste Kinofilm zur beliebten, actionreichen und vielfach preisgekrönten KiKA-Jugendserie mit stilistischen Anleihen bei der US-Serie "24".

"Störche – Abenteuer im Anflug" (3D):
Ein 3D-Animationsfilm für Kinder, in dem Störche nicht mehr wie einst Babys transportieren, sondern ganz banal Pakete für einen großen Online-Versandhändler. Doch dann wird durch ein folgenreiches Versehen von dem Storch Junior ein Baby "produziert", das er schnellstmöglich unauffällig loswerden muß, um nicht seine Beförderung zu riskieren …

So viel zu den potentiellen Kinohighlights im September und Oktober, Teil 2 der Herbstvorschau mit den traditionell blockbusterreichen Monaten November und Dezember folgt irgendwann in den nächsten Wochen.


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