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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Samstag, 23. April 2016

TV-Tips für das Wochenende 16/2016

Samstag, 23. April:
3sat, 20.15 Uhr: "Dem Himmel so fern" (2002)
Regisseur Todd Haynes hat offensichtlich ein Faible für die eleganten Hochglanz-Melodramen (gerne mit gesellschaftskritischer Komponente) aus Hollywoods Goldener Ära, speziell für die aus den 1950er Jahren von dem deutschen Emigranten Douglas Sirk. Erst 2015 bewies er das mit seinem Geniestreich "Carol", doch bereits 13 Jahre vorher bescherte Haynes dieses lose Remake von Sirks "Was der Himmel erlaubt" eine erste Berührung mit den OSCARs (dank vier Nominierungen). Bei Sirk ging es um eine skandalöse Romanze zwischen einer wohlhabenden Witwe (Jane Wyman) und ihrem Gärtner (Rock Hudson), Haynes peppt die Konstellation - trotz beibehaltenen 1950er Jahre-Settings - ein wenig auf, indem sich eine unglückliche Ehefrau (OSCAR-Nominierung für die großartige Julianne Moore) in ihren schwarzen Gärtner (Dennis Haysbert) verliebt. Unerhört! Obwohl Todd Haynes damals noch nicht ganz die erzählerische Meisterschaft erreicht hat, die er zuletzt mit "Carol" demonstrierte, ist auch "Dem Himmel so fern" anspruchsvolle und wunderschön anzusehende Unterhaltung mit großen Gefühlen, die sich einfühlsam auf ihre Protagonisten einläßt und sich nebenbei mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Themen wie Rassismus oder sexueller Identität befaßt.

Servus TV, 20.15 Uhr: "Disconnect" (2012)
Free-TV-Premiere des Spielfilm-Debüts des OSCAR-nominierten Dokumentarfilmers Henry Alex Rubin ("Murderball"), das als episodischer Ensemblefilm kritisch (aber nicht zu plakativ) die Abhängigkeit vieler Menschen von Internet und Handy/Smartphone beleuchtet. Die Kritiken für den mit vielen talentierten Schauspielern aus Hollywoods zweiter Reihe (Jason Bateman, Hope Davis, Frank Grillo, Paula Patton, Andrea Riseborough) besetzten Film fielen vorwiegend positiv aus.

Servus TV, 22.30 Uhr: "Das Ende einer Affäre" (1999)
Und noch mal Julianne Moore, wiederum OSCAR-nominiert in einer Hochglanz-Romanze: In Neil Jordans Adaption eines Romans von Graham Greene trifft der Schriftsteller Maurice (Ralph Fiennes) kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder auf seine verheiratete Ex-Geliebte (Moore), mit der er während des Krieges eine stürmische Affäre hatte ...

ARD, 2.30 Uhr: "Die glorreichen Sieben" (1960)
Am 29. September kommt in Deutschland Antoine Fuquas u.a. mit Denzel Washington und Chris Pratt besetztes Remake des Westernklassikers von John Sturges (der wiederum auf Akira Kurosawas Meisterwerk "Die sieben Samurai" basiert) in die Kinos, da kann man vorher ja noch mal zu Vergleichszwecken das Original anschauen. In dem überzeugen die Bewohner einer bettelarmen mexikanischen Ortschaft den Revolverhelden Chris (Yul Brynner), sie vor einer sie regelmäßig überfallenden Banditenbande zu beschützen. Natürlich kann Chris das nicht alleine schaffen, deshalb sammelt er sechs weitere Cowboys ein, die herausragend gut besetzt sind: Steve McQueen, Charles Bronson, James Coburn, Robert Vaughn, Brad Dexter und der Deutsche Horst Buchholz (der als junger "Hotshot" Chico als Hauptidentifikationsfigur des Publikums dient). Das Resultat reicht zwar nicht an Kurosawas Kult-Vorlage heran und ist handlungstechnisch weniger komplex als andere Klassiker dieses Genres, macht aber nicht zuletzt dank der coolen Besetzung immer noch Spaß.

Außerdem:
Black Sheep (neuseeländische Splatter-Komödie mit witziger Killerschaf-Prämisse, aber leider mäßiger Umsetzung; 22.00 Uhr um ungefähr eine Minute gekürzt bei Tele 5, ungeschnittene Nachtwiederholung am Montag um 23.50 Uhr)

Sonntag, 24. April:
Arte, 20.15 Uhr: "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" (1958)
Nicht wenige Filmexperten betrachten diesen (bei seiner Premiere noch durchaus zwiespältig aufgenommenen) Psycho-Thriller als Sir Alfred Hitchcocks besten Film, ja sogar als einen der besten Filme aller Zeiten. Eine Einschätzung, der ich mich nicht anschließen kann, da ich die Story eines an krankhafter Höhenangst leidenden Ex-Polizisten (James Stewart), der den Selbstmord der Liebe seines Lebens nicht verhindern kann und einige Zeit später auf eine Doppelgängerin der Toten zu treffen scheint, schon beim ersten Anschauen zu konstruiert, vorhersehbar und langatmig fand. Trotzdem: Handwerklich ist das gewohnt hochklassig bis sogar revolutionär (die Höhenangst-Szenen) umgesetzt, auch atmosphärisch macht Hitchcock so schnell keiner was vor. Und Platz 71 in den IMDb Top 250 zeigt auch, daß ich mit meiner nicht allzu stark ausgeprägten Begeisterung für "Vertigo" eher zur Minderheit zähle.

Tele 5, 20.15 Uhr: "Vierzig Wagen westwärts" (1965)
Amüsante Westernkomödie von John Sturges, in der eine Whiskey-Lieferung für Minenarbeiter für heftige (und teils sehr witzige) Konflikte zwischen der von dem grummeligen Veteran Colonel Gearhart (Burt Lancaster) angeführten Eskorte und einer anti-alkoholischen Frauenbewegung unter der resoluten Leitung von Cora Massingale (eine würdige Gegenspielerin für Lancaster: Lee Remick) hervorruft ...
 
Pro7Maxx, 20.15 Uhr: "Die Akte" (1993)
Die zweite Verfilmung eines Justiz-Thrillers von Bestseller-Autor John Grisham (kurz vorher kam "Die Firma" in die Kinos) zählt bis heute zu den besten: Julia Roberts kommt als aufgeweckte Jura-Studentin einer großen Verschwörung auf die Spur, der bereits zwei Richter des Obersten Gerichtshofes zum Opfer fielen. Nur der investigative Journalist Gray (Denzel Washington) hilft ihr. Nicht nur aufgrund des Regisseurs Alan J. Pakula ruft die Story Erinnerungen an dessen Journalismus-Klassiker "Die Unbestechlichen" wach.

BR, 0.00 Uhr: "Die Zürcher Verlobung" (1957)
Der deutsche Komödienklassiker von Helmut Käutner über die Liebeswirren einer angehenden Schriftstellerin mag im Vergleich zu heutigen Komödien von Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger arg betulich und humortechnisch harmlos wirken - witzig ist er aber immer noch und vor allem kann er mit der umwerfend sympathischen Hauptdarstellerin Liselotte Pulver punkten, die es ein Jahr später gar nach Hollywood schaffte ("Zeit zu leben und Zeit zu sterben", "Eins, zwei, drei"). Und auch die männlichen Hauptrollen sind mit Paul Hubschmid als charmanter Arzt und dem späteren Starregisseur Bernhard Wicki ("Die Brücke") - witzigerweise in der Rolle eines Regisseurs - gut besetzt.

Außerdem:
Sherlock Holmes - Spiel im Schatten (Guy Ritchies unterhaltsamer zweiter Film mit Robert Downey Jr. und Jude Law als Holmes und Watson - ein dritter befindet sich in Vorbereitung; 20.15 Uhr bei RTL)
Jack Reacher (unorigineller, aber spannender Action-Thriller mit Tom Cruise als Held und dem deutschen Filmemacher Werner Herzog als Bösewicht; 20.15 Uhr um etwa eine halbe Minute geschnitten bei Pro 7, ungekürzte Nachtwiederholung um 1.35 Uhr)

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