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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 10. September 2015

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (2015)

Regie und Drehbuch: Christopher McQuarrie, Musik: Joe Kraemer
Darsteller: Tom Cruise, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Sean Harris, Jeremy Renner, Ving Rhames, Alec Baldwin, Simon McBurney, Jens Hultén, Zhang Jingchu, Tom Hollander, Rupert Wickham, Hermione Corfield
 Mission: Impossible - Rogue Nation
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 93% (7,5); weltweites Einspielergebnis: $682,7 Mio.
FSK: 12, Dauer: 132 Minuten.

IMF-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise, "Oblivion") und seine Mitstreiter Benji (Simon Pegg, "Star Trek"), Luther (Ving Rhames, "Dawn of the Dead") und Brandt (Jeremy Renner, "American Hustle") sind auf der Jagd nach einer global operierenden Geheimorganisation namens "Das Syndikat", als plötzlich alles schiefgeht. Hunt gerät in eine ausgeklügelte Falle des Syndikat-Anführers Solomon Lane (Sean Harris, "Prometheus") und wird gefangengenommen, zugleich wird der IMF aufgrund diverser Eigenmächtigkeiten in der Vergangenheit einschließlich weltweit aufsehenerregender Zerstörungen (Stichwort Kreml im Vorgänger-Film …) aufgelöst und die Mitarbeiter dem CIA-Chef Hunley (Alec Baldwin, "Blue Jasmine") unterstellt. Dessen erstes Ziel ist es, den scheinbar flüchtigen Ethan Hunt aufzugreifen, doch Brandt und Benji sind ihrem ehemaligen Anführer gegenüber heimlich loyal (während Luther in Ruhestand gegangen ist). Der kann in der Zwischenzeit fliehen und trifft auf die mysteriöse Ilsa Faust (Rebecca Ferguson, TV-Serie "The White Queen"), die irgendwie mit dem Syndikat in Verbindung steht …

Kritik:
Auch wenn die Einspielergebnisse seiner Filme abseits des "Mission: Impossible"-Franchises nicht mehr ganz an frühere Höhen heranreichen, so ist Tom Cruise doch auch mit über 50 Jahren unzweifelhaft noch immer einer der besten Actionhelden in Hollywood, der übrigens weiterhin die allermeisten Stunts selbst absolviert – egal wie verrückt sie sind (man denke nur an die atemberaubende Burj Khalifa-Sequenz in "Mission: Impossible – Phantom Protokoll"). Alleine in den letzten Jahren bewies er das mit "Jack Reacher" und "Edge of Tomorrow", aber seine bekannteste Rolle ist und bleibt natürlich die des todesverachtenden IMF-Agenten Ethan Hunt. Das liegt auch daran, daß Cruise als Koproduzent und treibende Kraft der Reihe dem Konzept treu bleibt, für jeden neuen Teil einen anderen Regisseur anzuheuern, um auf diese Weise immer etwas stilistisch Neues bieten zu können und das Publikum nicht irgendwann zu langweilen. Dieses Vorgehen funktioniert im Einzelnen mal besser ("Phantom Protokoll") und mal schlechter ("Mission: Impossible II"), geht insgesamt aber hervorragend auf – inhaltlichen Einheitsbrei kann man der Reihe jedenfalls bestimmt nicht vorwerfen. Für "Rogue Nation" hat Cruise seinen "Jack Reacher"-Regisseur Christopher McQuarrie engagiert, der auch gleich das Drehbuch verfaßte. Das Resultat ist ein weiterer hochgradig unterhaltsamer Action-Thriller mit politischen Untertönen, der zwar nicht ganz an "Phantom Protokoll" heranreicht, aber definitiv zu den besten Vertretern der Reihe zählt.

Am wichtigsten sind bei einem "Mission: Impossible"-Film natürlich immer die – gerne auch mal hemmungslos überzogenen (wenn auch nicht ganz so sehr wie bei den späteren Teilen der "Fast & Furious"-Reihe) – Action- und Spannungssequenzen. Und die sind in "Rogue Nation" einmal mehr ausnahmslos hervorragend inszeniert und choreographiert. Österreichische Opern scheinen übrigens ein gutes Pflaster für rasante Geheimdienst-Szenen zu sein, denn nachdem bereits beim ansonsten mittelmäßigen Bond-Abenteuer "Ein Quantum Trost" der actionreiche Abstecher zu den Bregenzer Festspielen klares Highlight war, sorgt auch in "Rogue Nation" eine virtuos aufgebaute und vielschichtige Sequenz während einer "Turandot"-Vorführung in der Wiener Oper für erstklassige Unterhaltung. Generell ist jedoch zu sagen, daß zumindest aus einer mitteleuropäischen Perspektive die Schauplätze von "Rogue Nation" relativ unspektakulär daherkommen. Im Vergleich zu "Phantom Protokoll" mit Besuchen in Moskau, Budapest, Dubai und Mumbai lassen die "Rogue Nation"-Abstecher nach London, Wien und Casablanca jedenfalls den gewissen Exotik-Faktor missen. Aber als echter Kritikpunkt taugt das natürlich nicht, da die entsprechenden Stationen nunmal paßgenau in die Handlung eingebunden sind.

Während dem Film in Sachen Action und Thrill demzufolge überhaupt nichts vorzuwerfen ist, schwächelt er in den ruhigeren Szenen etwas. Zwar sorgt Simon Pegg als Benji wie gewohnt für Humor und die doppelbödige und anspielungsreiche politische respektive geheimdienstliche Note der Handlung ist in der Theorie sehr interessant; nur ist Christopher McQuarrie – bei allen Stärken, die er als Drehbuch-Autor besitzt – eindeutig kein John Le Carré, der selbst auf den ersten Blick knochentrockene Spionage-Hintergründe unheimlich spannend und faszinierend beschreiben kann (nachzuprüfen unter anderem in der Kinoadaption von "Dame, König, As, Spion"). Bei McQuarrie zählen die entsprechenden Passagen der Story unglücklicherweise klar zu den Schwächsten, auch wenn sie deshalb bei weitem nicht schlecht sind. Aber der Funke will einfach nicht so richtig überspringen. Dennoch würde sich das Syndikat wunderbar dafür anbieten, auch mal – wie bei der Bond-Reihe – über mehrere Filme hinweg als Strippenzieher im Hintergrund zu agieren, zumal Sean Harris als eiskalt berechnender Oberbösewicht (der aber erst spät wirklich etwas zu tun bekommt) überzeugend agiert. Leider sieht es am Ende von "Rogue Nation" eher nicht so aus, als ob das Syndikat im bereits angekündigten sechsten Teil eine Rolle spielen wird, auch wenn es zumindest nicht vollkommen ausgeschlossen ist.

Das IMF-Kernteam funktioniert derweil einwandfrei, auch wenn es durch die CIA-"Übernahme" und Hunts unfreiwilligen Alleingang lange auseinandergerissen ist. Die Interaktionen von Ethan und Benji sorgen wie gewohnt für viele Lacher, Brandt bestätigt den Eindruck aus "Phantom Protokoll", daß er eine gelungene Ergänzung für das Team ist und Rückkehrer Luther fügt sich ebenfalls problemlos wieder ein. Leider wird die Absenz von Paula Patton alias Jane Carter mit keiner Silbe erwähnt oder erklärt, was gerade deshalb schade ist, weil ansonsten durchaus Bezug auf Geschehnisse in früheren Filmen der Reihe genommen wird (speziell auf "Phantom Protokoll"). Als Quasi-Ersatz dient Rebecca Ferguson als Ilsa Faust, deren ambivalente Rolle in der Geschichte dafür sehr gelungen und auch gut gespielt ist. Es dauert lange, bis man diese Figur wirklich durchschaut, was auf das Publikum ebenso zutrifft wie auf Ethan Hunt und seine Kameraden. Ist sie ein Mitglied des Syndikats? Ist sie eine Doppelagentin? Oder am Ende gar eine doppelte Doppelagentin? Im Gegensatz zu dieser spannenden Rolle steht der zweite namhafte Neuzugang im Cast, denn der CIA-Direktor Hunley wird von Alec Baldwin zwar gewohnt souverän verkörpert; das ändert allerdings nichts daran, daß die Rolle langweilig und klischeehaft geschrieben ist und ihre Funktion innerhalb der Handlung von A bis Z vorhersehbar ist.

Ein wenig ärgerlich finde ich zusätzlich, daß bei mindestens zwei Szenen (einmal in der Oper, einmal bei einer Motorrad-Verfolgungsjagd) klar zu erkennen ist, daß der fertige Film zugunsten einer niedrigeren Altersfreigabe geschnitten wurde. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, denn ein "Mission: Impossible"-Film funktioniert nachweislich auch ohne übertrieben brutale Szenen einwandfrei. Wenn jedoch so deutlich wird wie hier, daß einzelne Gewaltspitzen erst nachträglich und nicht allzu elegant entschärft wurden, dann stört das die Immersion schon ein wenig …

Fazit: "Mission: Impossible – Rogue Nation" bietet Anhängern der langlebigen Action-Reihe genau das, was sie erwarten: Rasante Spannungssequenzen, spektakuläre Stunts und einen guten Schuß Humor. Daß das Potential der interessanten Story nicht ausgeschöpft wird, ist bedauerlich, aber in einem Film dieser Machart verschmerzbar.

Wertung: 8 Punkte.

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